26.03.2026 bis 27.03.2026
Politik erleben, Politiker treffen, das System verstehen, Debatten führen. Für 35 Freiwillige im FSJ-Politik bot sich an zwei Tagen die Möglichkeit, den Sächsischen Landtag nicht nur zu besuchen, sondern die Landespolitik gleichzeitig besser kennenzulernen. Auf dem Programm standen dabei u. a. das Verfolgen der Plenardebatte, ein Gespräch mit Abgeordneten sowie ein Planspiel, bei dem die eigene Diskussionsfähigkeit herausgefordert wurde.
Um 10 Uhr startete das Programm für die FSJlerinnnen und FSJler zunächst mit einer Führung. In aller Kürze lernten sie grundlegende Fakten zum Gebäude des Sächsischen Landtags. Über die wechselhafte Nutzungsgeschichte des Altbaus bis hin zur Konstruktion und Symbolik des Neubaus konnte jeder etwas Neues erfahren. Auch auf die gegenwärtige Politik wurde eingegangen, damit jeder auf dem aktuellen Stand ist. Denn als nächstes sollte es ins Plenum gehen.
Auf der Besuchertribüne angekommen, fanden sich die Freiwilligen in einer hitzigen politischen Debatte wieder. Mit den Eindrücken aus der lebhaften Diskussion über die kommunalen Haushalte gab es beim Mittagessen viel zu bereden. Im Anschluss daran bestand dann die Möglichkeit, Fragen an politisch Verantwortliche zu stellen. In einem Abgeordnetengespräch stellten sich Juliane Pfeil, Franziska Schubert und Nam Duy Nguyen den zahlreichen Fragen der Freiwilligen. In einem angeregten 90-minütigen Gespräch konnten bei weitem nicht alle Antworten gegeben werden. Dennoch hatten alle das Gefühl, die Dynamik der Landespolitik, persönliche Ansichten der Politikerinnen und Politiker sowie deren Beweggründe, sich politisch zu engagieren, besser verstanden zu haben.
Anschließend gab es erneut die Möglichkeit, von der Besuchertribüne aus das Plenargeschehen zu verfolgen, bevor sich als letzter Punkt des Tagesprogramms ein Gespräch mit Landtagspräsident Alexander Dierks anschloss. Dieses musste kurz unterbrochen werden, da der Parlamentspräsident kurzerhand zu einer Abstimmung ins Plenum zurückeilen muss - schließlich zählt in Zeiten einer Minderheitsregierung jede Stimme mehr denn je.Wieder zurück im Gespräch, griff Dierks dies auf und konnte den FSJlerinnen und FSJlern so an einem praktischen Beispiel seine Arbeit verdeutlichen. Erneut gab es zahlreiche Fragen aus den Reihen der Freiwilligen - Alexander Dierks stand bereitwillig Rede und Antwort. Anschließend endete dieser anstrengende, aber sehr lehrreiche erste Tag im Herzen der sächsischen Demokratie.
Am zweiten Bildungstag im Sächsischen Landtag schlüpften die FSJlerinnen und FSJler dann selbst in die Rolle von Politikerinnen und Politikern. Bei einem typischen Planspiel galt es, über einen Gesetzentwurf zu entscheiden, der das Wahlalter auf 16 Jahre herabsetzen sollte.
Aufgeteilt in zwei Fraktionen, eine für und eine gegen den Gesetzentwurf, ging es an die Arbeit. Bei einem ersten Zusammensitzen teilte sich jede Fraktion in Arbeitskreise auf. Diese beschäftigten sich zum einen mit der sozialen und zum anderen mit der rechtlichen Komponente des Gesetzentwurfs. So wurden Argumente gesammelt, die anschließend in der Fraktion zusammengetragen wurde. Das Schwierige: Innerhalb der Fraktionen gab es noch unentschlossene Mitglieder. Es war zuerst wichtig, diese zu überzeugen und dadurch gemeinsam als Fraktion aufzutreten. Am Ende stand in jeder Fraktion die Erkenntnis, dass man gute Argumente für den eigenen Standpunkt parat hat und zugleich geschlossen eine Position vertritt.
Passend zu den Arbeitskreisen soziales und rechtliches fanden im Anschluss zwei verschiedene Ausschusssitzungen zu beiden Themenfeldern statt. Dabei trafen zum ersten mal pro und contra Fraktion aufeinander. Die zuvor fleißig gesammelten Argumente flogen durch den Raum und es wurde kontrovers diskutiert. Anschließend fand eine Abstimmung im Ausschuss darüber statt, ob dieser empfiehlt, den Gesetzentwurf anzunehmen. Bereits zu diesem Zeitpunkt war klar: In der Vollversammlung erwartet uns eine hitzige Debatte mit unklarem Ausgang.
Der letzte Schritt auf dem Weg zu einem neuen Gesetz ist, dieses in der Vollversammlung aller Abgeordneten - dem Plenum - zu beschließen. Das ist die Bühne für die politischen Fraktionen, ihre Standpunkte öffentlich zu vertreten. Für die FSJ-Gruppe war dies der spannendste Teil. Es wurden pro- und contra-Reden zum Gesetzentwurf gehalten, Zwischenfragen gestellt und auch einige Zwischenbemerkungen getätigt. Ähnlich der Debatte im Plenarsaal vom Vortag, diskutierten auch die FSJlerinnen und FSJler ausgelassen und hatten zugleich großen Spaß, die Rolle einer Politikerin bzw. eines Politikers so umfänglich auszufüllen. Am Ende setzte die pro-Fraktion den Gesetzentwurf mit der knappen Mehrheit von einer Stimme durch.
Nach zwei anstrengenden, aber unterhaltsamen Bildungstagen haben die Freiwilligen im FSJ-Politik viel gelernt. Sie konnten Politik hautnah erleben und selbst einmal in die Rolle von Politikerinnen und Politikern schlüpfen. Auch für den nächsten Jahrgang im FSJ-Politik wird es zwei Bildungstage im Herzen der sächsischen Demokratie geben.
Das Freiwillige Soziale Jahr mit politischer Ausrichtung bietet jungen Menschen die Möglichkeit, ein Jahr lang Politik hautnah zu erleben. Es gibt verschiedene Einsatzstellen in ganz Sachsen: z. B. in Stadtverwaltungen, Stiftungen, Gedenkstätten, Jugendringen, politisch aktiven Vereinen, bei Beauftragten oder dem Parlament. Hier tauchen Freiwillige in den politischen Alltag ein, begleiten Entscheidungsprozesse und bringen sich aktiv ein. Doch nicht nur die Praxis zählt: Bei regelmäßigen Bildungstagen kommen die FSJlerinnen und FSJler zusammen, diskutieren aktuelle Themen, vertiefen ihr Wissen und tauschen Erfahrungen aus.
Das FSJ-Politik ist eine Chance für alle, die Politik nicht nur verstehen, sondern mitgestalten wollen.
Mehr Informationen gibt es bei der Sächsischen Jugendstiftung
Autor: Niklas Hellfritsch, FSJ-Politik im Sächsischen Landtag