Delegationsbesuch im Partnerparlament von Niederösterreich

Datum 08.06.2026 bis 10.06.2026

Gruppenfoto der Abgeordneten beider Landtage

Vom 8. bis 10. Juni 2026 besuchte eine Abgeordnetendelegation des Sächsischen Landtags unter der Leitung von Parlamentspräsident Alexander Dierks den Landtag in Niederösterreich. Beide Regionalparlamente pflegen seit vielen Jahren freundschaftliche Beziehungen. Im Mittelpunkt des gegenseitigen Austauschs standen die Themen Energiepolitik, Tourismus, Regionalentwicklung und öffentlicher Nahverkehr. Ferner ermöglichte der Besuch auch, diese Themen in Kombination mit der Topographie von Niederösterreich zu betrachten. Die Parlamentspartnerschaft der beiden Landtage besteht seit 1992.

Tag 1: Begrüßung in St. Pölten und fachlicher Austausch

In St. Pölten, der Landeshauptstadt von Niederösterreich angekommen, wurde die Delegation durch den dortigen Parlamentspräsidenten Mag. Karl Wilfing empfangen. Direkt zu Beginn stand ein Austausch der Gäste mit Abgeordneten des niederösterreichischen Parlaments auf der Tagesordnung. Zentrale Themen der Gespräche waren Einsparungen im Landesbudget, Fördermaßnahmen, der Abbau von Doppelstrukturen und aktuelle Herausforderungen der Gesundheitspolitik. 

Anschließend rückte das Thema Energiewende und Versorgungssicherheit in den Mittelpunkt. Auf dem Programm stand dazu passend ein Besuch des neu eröffneten Biomasseheizkraftwerks in St. Pölten. Es versorgt bis zu 15.000 Haushalte mit Strom und kann gleichzeitig Fernwärme für bis zu 30.000 Haushalte bereitstellen. Das Projekt ist Teil der österreichischen Energiewende und soll gleichzeitig die Energieunabhängigkeit des Landes sichern. Für die Delegierten aus Sachsen bot sich bei einer Führung die Gelegenheit, das Kraftwerk wie auch dessen Funktion kennenzulernen. Im Anschluss erfolgte ein reger Austausch mit den österreichischen Kolleginnen und Kollegen im Hinblick auf die Aufgaben von Politik bei der Energiewende sowie nachhaltiger Versorgungssicherheit. 

Tag 2: Infrastruktur und Regionalentwicklung

Der zweite Tag des Besuchs stand ganz unter dem Motto Regionalentwicklung und Tourismus. Mit der sogenannten "Himmelstreppe", einem Infrastrukturprojekt, konnte Niederösterreich beide Bereiche vereinen. Bei der "Himmelstreppe" handelt es sich um eine Schmalspurbahn, mit der man bequem von der Landeshauptstadt St. Pölten durch das malerische Pielachtal und den Naturpark Ötscher-Tormäuer ins Mariazellerland fahren kann. Die Fahrt verbringt man in einem Panoramawagen, der einen eindrucksvollen Blick auf die Landschaft bietet. Für die Abgeordneten der Parlamente war zudem eine Präsentation vorbereitet. Dabei erläuterte die Geschäftsführerin des Unternehmens Mag. Barbara Komarek das Konzept der niederösterreichischen Regionalbahn. Dieses soll grundsätzlich der Regionalentwicklung dienen und gleichzeitig den Tourismus fördern. Die "Himmelstreppe" ist dafür ein passendes Beispiel.

Angekommen am Bahnhof Laubenbachmühle erhielten die Gäste eine Führung durch das Betriebszentrum der Mariazellerbahn. Der Standort ist als Herz der Bahn wichtig für den gesamten Betrieb. Große Glasfronten geben auch Besuchern Einblicke hinter die Kulissen der dortigen Vorgänge. 

Im Anschluss daran ergab sich für die Abgeordneten die Möglichkeit, nach einem Impulsvortrag von zwei Vertreterinnen der „Niederösterreich Werbung“, der offiziellen Tourismus - und Marketingorganisation des Bundeslandes Niederösterreich, weiteres Wissen zu sammeln und in einen Austausch darüber einzusteigen. Passend zu diesem Thema stand ein Besuch in Lunz am See auf dem Programm. Die kleine Gemeinde lebt vom Tourismus und bietet neben den Erholungsmöglichkeiten auch Attraktionen wie das "Haus der Wildnis". Dort erhielten alle spannende Einblicke in die Entstehung, Aufgaben und Ziele des Schutzgebiets. Im Gebiet des vor Ort befindlichen UNESCO-Weltnaturerbes herrscht große Natur- und Artenvielfalt, die zeigt, wie wichtig die Erhaltung von Naturräumen für künftige Generationen sind.

Tag 3: Zwischen Moderne und Tradition

Am letzten Tag ging es für die Delegation nach Herzogenburg. Hier sollten sich für die Gäste Einblicke ergeben, wie Niederösterreich seine Wirtschaft der Zukunft denkt und fördert.

Ein zukunftsfähiges Wirtschaftscluster

Zuerst stand dabei der Impulsvortrag "Zukunftstechnologie" auf der Agenda. Diesen hielt Claus Zeppelzauer, der Geschäftsführer der staatlichen Wirtschaftsagentur Ecoplus. Die von Niederösterreich geförderte Agentur unterstützt Innovationen in Niederösterreich, indem z. B. die Digitalisierung beschleunigt und Gründungen oder Expansionen durch professionelle Hilfe erleichtert werden. Hinzu kommt, dass das Unternehmen vier Technopole in Wieselburg, Krems, Tulln und der Wiener Neustadt fördert. Die Technopole sind individuell spezialisiert und sollen die Grundlage für ein modernes Wirtschaftcluster in der Region legen.

Von dieser Hilfe profitiert hat auch das Unternehmen Hydrosolid. Es hat sich zur Aufgabe gemacht, angepasste und zukunftsfähige Lösungen für den Transport von Wasserstoff zu finden. So produziert das Unternehmen Behälter, in welchen sich auf weniger Raum mehr Wasserstoff speichern lässt, als das mit herkömmlichen Speicherformen möglich ist. Dies gelingt durch innovative Anwendung von Nanotechnologie. Den Delegierten aus Sachsen ist Wasserstoffwirtschaft gut bekannt. Denn auch im Freistaat ist der Wirtschaftszweig rund um Wasserstofftechnologien Innovations- und Wachstumstreiber. Es stellte sich somit einmal mehr eine Verbindung zwischen Sachsen und Niederösterreich heraus. 

Besuch des 900 Jahre alten Stift Heiligenkreuz

Nach einem Blick in die Zukunft Niederösterreichs bot sich für die Delegation die Möglichkeit, auch einen Blick in die Geschichte des Landes zu werfen. Dafür besuchten die Abgeordneten das Stift Heiligenkreuz. Abt Maximilian Heim persönlich begrüßte die Gäste und führte sie durch das 1133 erbaute Gebäude Die Delegation durfte an einem Chorgeleit teilnehmen sowie sich in das Gästebuch des Stifts eintragen. Auch hier lässt sich eine besondere Verbindung zu Sachsen feststellen: Unweit des Stifts Heiligenkreuz liegt der Ort Baden (bei Wien). Dort konvertierte August der Starke 1697 heimlich zum Katholizismus, um anschließend König von Polen werden zu können. 

Drei ereignisreiche Tage

Nach einer kleinen Stärkung hieß es für die sächsische Delegation Abschied nehmen. Nach drei Tagen voller Gespräche und neuen Informationen ging es für die Abgeordneten wieder zurück nach Sachsen. Die beiden Partnerparlamente sind sich bereits einig: Man will die Partnerschaft und den Austausch auch zukünftig lebhaft gestalten.

Autor: Niklas Hellfritsch