22.09.2026
Am Morgen des 22. Septembers öffneten sich die Türen des Landtags für eine Gruppe, die für ihren Besuch rund 9.000 km zurückgelegt hatte. 16 junge engagierte Japanerinnen und Japaner im Alter von 18 bis 26 Jahren hatten sich auf den Weg nach Deutschland begeben, um verschiedenste Einblicke in die Formen des gesellschaftlichen Engagements zu erhalten. Sie lernten verschiedene Institutionen kennen und tauschten sich mit jungen Engagierten aus Deutschland aus. Der Besuch im Sächsischen Landtag, insbesondere der Austausch mit Landtagspräsident Alexander Dierks, bot dabei einen Einblick in politische Strukturen und die parlamentarische Arbeit auf Landesebene.
Nach einer herzlichen Begrüßung durch den Landtagspräsidenten folgte eine bunt gemischte Fragerunde. Die Fragen bezogen sich vordergründig auf die Beteiligungsmöglichkeiten der jüngeren Bevölkerung. So fragten die jungen Engagierten: „Was sind Angebote für Kinder, die nicht politikinteressiert sind?“ oder „Gibt es auch Formate, bei denen Kinder und Jugendliche alles vorgeben können und sich selbst verwalten?“. Alexander Dierks erklärte, dass es durchaus genau solche Formate in Sachsen gebe. Die Partizipation politisch uninteressierter Kindern sei durch schulische Pflichtveranstaltungen zu einem gewissen Mindestmaß abgedeckt. Außerdem nutzten zahlreiche Schulklassen das Bildungsangebot des Parlaments, das zum Beispiel Führungen durch den Landtag, Planspiele oder den Austausch mit Abgeordneten im Landtag umfasse. Weiter führte er aus, dass eine Vielzahl von Jugendorganisationen und Verbänden in Sachsen sich erfolgreich selbst organisieren würden. „Junge Menschen können politischen Amtsträgern sagen, was sie stört.“, ermutigte Alexander Dierks seine Gäste.
Auch der Landtagspräsident nutzte die Möglichkeit des Austauschs und stellte Fragen. „Wie läuft Jugendbeteiligung in Japan ab?“, fragte Dierks interessiert. Die Ehrenamtlichen beschrieben Jugendpartizipation in Japan als kompliziert. Es gebe viele Hürden und hauptsächlich niedrigschwellige Angebote, die Jugendlichen kaum Möglichkeiten zur richtigen Mitgestaltung einräumen würden. Somit kristallisiere sich eine Beteiligungselite heraus. Außerdem müsse man, um Teil einer Arbeitsgruppe des zuständigen Amtes für Kinder und Familie zu werden, bereits vorher Verbindungen zu Ministerien haben. Ein Format der direkten Beteiligung sei aber die Möglichkeit, dass junge Menschen ihre Wünsche bei ihrem Bürgermeister äußern können.
Bei einem Besuch des Sächsischen Landtags darf die Besichtigung des Herzstücks nicht fehlen. Es folgte also zum Abschluss ein Blick in den Plenarsaal.
Der Besuch im Landtag war Teil des Rahmenprogramms des Deutsch-Japanischen Austauschprogramms für junge Ehrenamtliche. Das Programm wird vom Japanisch-Deutschen Zentrum Berlin (JDZB) organisiert und auf deutscher Seite seit 2006 in Zusammenarbeit mit dem Kinder- und Jugendring Sachsen e. V. durchgeführt.
Das Austauschprogramm richtet sich an junge Menschen zwischen 18 und 26 Jahren, die sich ehrenamtlich engagieren, insbesondere in der Jugendarbeit. Die japanischen Teilnehmenden sind selbst in verschiedenen Bereichen gesellschaftlich und politisch aktiv, beispielsweise in Jugendverbänden, Sportvereinen oder auf kommunaler Ebene. Im Jahr 2026 steht der Austausch unter dem Thema „Gesellschaftliche Partizipation junger Menschen“. Die Delegationen beschäftigen sich in ihrem zweiwöchigen Aufenthalt im jeweils anderen Land damit, wie junge Menschen gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und welche Möglichkeiten sie haben, sich in ihre Gemeinschaft einzubringen. Auf dem diesjährigen Programm für die japanischen Gäste standen neben dem Austausch mit dem sächsischen Landtagspräsidenten Alexander Dierks der Besuch der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, ein Treffen mit der Kinder- und Jugendbeauftragten des Freistaats Sachsen Susann Rüthrich und ein Besuch an der TU Dresden. Auch freie Träger und Vereine für Kinder und Jugendliche, wie etwa das Fanprojekt Dresden e. V., das Netzwerk für Demokratie und Courage (Dresden) oder Staakkato Kinder und Jugend e. V. (Berlin), stellten sich den Engagierten vor.
Der Besuch war damit kein klassischer Auslands- und Kulturkontakt, sondern Teil eines längerfristigen deutsch-japanischen Jugendaustauschs, bei dem junge Menschen aus beiden Ländern ihre Erfahrungen mit Ehrenamt, Jugendbeteiligung und gesellschaftlichem Engagement kennenlernen und miteinander diskutieren.
Autorin: Lilly van den Brandt