Festakt zum Tag der Deutschen Einheit 2026

Datum 03.10.2026

Gemeinsames Singen der Nationalhymne im Plenarsaal des Sächsischen Landtags

Am 3. Oktober lud Landtagspräsident Alexander Dierks herzlich zu einer Feierstunde zum Tag der Deutschen Einheit in den Plenarsaal des Parlaments ein. Im Mittelpunkt stand der Festvortrag des ehemaligen Landes- und Bundesministers sowie Kanzleramtschefs Thomas de Maizière. Zuvor sprachen Landtagspräsident Alexander Dierks und Ministerpräsident Michael Kretschmer vor rund 300 Gästen im Parlament. Musikalisch begleitet wurde die Feierstunde von 45 Kindern des Chores und des Thomanernachwuchses der Grundschule forum thomanum Leipzig.

Landtagspräsident Alexander Dierks: "In unserer Demokratie liegt die Kraft, Herausforderungen zu gestalten"

Zum Auftakt der Feierstunde (Aufzeichnung der Veranstaltung auf Youtube anschauen) betonte Landtagspräsident Alexander Dierks das feste Vertrauen in die Stärke der demokratischen Gesellschaft:

"Ich kann verstehen, dass die Disruptionen, die wir erleben, Menschen Sorgen und bisweilen auch Angst machen. Ich kann aber nicht verstehen, wenn es zum Geschäftsmodell wird, diese Angst zu verstärken. Wir haben als politische Verantwortungsträger die Pflicht, ein Bild von der Zukunft zu zeichnen, dass demokratische Staaten den Herausforderungen gewachsen sind – und dass in unserer Demokratie die Kraft liegt, diese Herausforderungen erfolgreich zu gestalten.

Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass in unserem Staat und der Gesellschaft die Kraft liegt, diese großen Herausforderungen zu meistern: Die deutsche Einheit und das vereinigte Europa waren das Geschenk an meine Generation. Ich möchte, dass meine Kinder sagen, dass ich es nicht verspielt habe.“

Der Landtagspräsident mahnte dazu, politische Auseinandersetzungen in der Sache zu führen:

"Wenn große Dinge zur Entscheidung anstehen, dann muss man sich bisweilen auch streiten. Aber die Bürgerinnen und Bürger erwarten zurecht, dass der Grund für den Streit ist, tragfähige Lösungen zu finden – und nicht das Fundament unseres demokratischen Systems weichzuklopfen."

Alexander Dierks bezeichnete die deutsche Einheit als „ein großes Glück“ und sagte weiter: „Ich bedauere, dass das inzwischen besonders betont werden muss, weil wir in einer Zeit leben, in der zu oft die Defizite und das vermeintlich Trennende formuliert wird. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir stolz sein können auf das, was in den letzten 36 Jahren geworden ist: Die Menschen in Sachsen können stolz darauf sein, diese Transformation gestaltet zu haben, die auch mit Schmerzen und Entbehrungen, mit gefühlten und tatsächlichen Ungerechtigkeiten verbunden ist.“

"Die deutsche Einheit ist nicht zu denken ohne die Friedliche Revolution"

Zu Beginn seine Rede erinnerte der Landtagspräsident zum Nationalfeiertag an die Friedliche Revolution von 1989/1990:

„Die deutsche Einheit am 3. Oktober ist nicht zu denken ohne die Friedliche Revolution, ohne die Demonstrationen, die dazu geführt haben, die DDR und die SED-Diktatur zu stürzen. Mutige Menschen haben ihr Schicksal selbst die Hand genommen, weil sie die Hoffnung hatten, dass in Demokratie und Freiheit eine gute Zukunft liegt.

Gerade am 3. Oktober müssen wir uns gemeinsam bewusst machen: Das zentrale Fundament in unserem geeinten Vaterland liegt darin, dass wir unser Schicksal seit 36 Jahren in Frieden, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit gestalten können. Eine der zentralen Errungenschaften der Freiheitsrevolutionen 1989/1990 ist, dass in Europa ein großer Raum von Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Wohlstand entstanden ist. Das ist ein großer Wert, den es zu verteidigen gilt."

Seit der Wiedervereinigung bestehe eine klare Erwartungshaltung an die Bundesrepublik als Mittelmacht in Europa, so Dierks: „Deutschland muss Verantwortung für Freiheit, Demokratie, Frieden und Rechtsstaatlichkeit in Europa übernehmen. Deutschland kann keine große Schweiz sein. Wir tragen Verantwortung für dieses demokratische Europa."

Festredner Dr. Thomas de Maizière: "Die deutsche Einheit bleibt ein Wunder"

Für die Festrede konnte der Sächsische Landtag mit Thomas de Maizière eine politische Persönlichkeit gewinnen, die nicht nur jahrelange Erfahrung innerhalb der sächsischen Landespolitik vorzuweisen hat, sondern auch in der Bundespolitik an herausragender Stelle Verantwortung getragen hat. "Das Thema deutsche Einheit ist das Lebensthema für mich und meine ganze Familie," sagte de Maizière zum Auftakt. So verhandelte er auf DDR-Seite den deutsch-deutschen Einigungsvertrag mit und bekleidete später mehrere Ministerposten auf Landes- und Bundesebene.

Thomas de Maizière betonte im Parlament die große staatspolitische und historische Leistung aller an der deutschen Einheit Beteiligten. Es sei eine große staatspolitische und historische Leistung, die deutsche Einheit aus eigenem politischem Willen, im Einvernehmen mit allen unseren Nachbarn und mit der Sowjetunion und mit tatkräftiger Unterstützung der USA friedlich herbeigeführt zu haben.

"Die deutsche Einheit bleibt für mich ein wirkliches Wunder und ein Glücksfall der Geschichte."

Gleichwohl habe es einige Fehler im insgesamt erfolgreichen Einigungsprozess gegeben. Heute sei die staatliche Einheit vollendet. "Vollendet im Sinne von abgeschlossen, nicht von perfekt".

Nicht vollendet sei hingegen die innere Einheit. "Das kann auch gar nicht anders sein. Innere Einheit kann man nicht vollenden." Viele Westdeutsche erwarteten, dass die Ostdeutschen irgendwie so werden wie sie. "Was wir aber brauchen, ist mehr Zusammenhalt, trotz und wegen unserer Unterschiede." Dabei müssten sowohl die Überlegenheitsattitüde West als auch die Unterlegenheitsattitüde Ost schleunigst überwunden werden ebenso wie die mitunter wehleidige Beschäftigung mit den eigenen Befindlichkeiten. "Wer Augenhöhe fordert, befindet sich schon nicht auf Augenhöhe."

Mehr Zusammenhalt gefordert

Es brauche mehr Zusammenhalt, sagte de Maizière. Es gebe nun eine neue Generation, die als Kinder oder Jugendliche in der DDR sozialisiert wurde, aber im vereinten Deutschland ausgebildet wurde und das Erwachsenwerden erlebt habe. "Das ist eine zunehmend selbstbewusste Generation. Sie besetzt nach und nach Führungspositionen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Sie ist stolz darauf, sich als ostdeutsch zu bezeichnen, aber das ist nicht spalterisch oder abgrenzend gemeint." Sie fordere nicht Augenhöhe ein, sondern lebe sie.

Für seine Ausführungen erhielt Thomas de Maizière lang anhaltenden Beifall und viele anerkennende Worte.

Zur Person Thomas de Maizière

Der gebürtige Bonner (geboren 1954) leitete ab 1999 die Sächsische Staatskanzlei unter Ministerpräsident Kurt Biedenkopf. Von 2001 bis 2005 hatte er eine Vielzahl von Ministerposten in der sächsischen Landesregierung inne. Somit prägte er über Jahre hinweg die Landespolitik des Freistaates. Nach der Bundestagswahl 2005 wechselte er in die Bundespolitik, wo er von 2005 bis 2018 mehrere Ministerämter bekleidete, darunter das des Verteidigungs- und des Innenministers. Von 2005 bis 2009 war er zudem Chef des Bundeskanzleramtes. Bis zur Bundestagswahl 2021 blieb er Abgeordneter im Deutschen Bundestag. Heute ist Dresden seine Heimatstadt.

Ministerpräsident Michael Kretschmer: "Wir müssen die Weichen auf Wachstum stellen"

Für die Staatsregierung sprach Ministerpräsident Michael Kretschmer. Er appellierte daran, das Positive und das Verbindende herauszustellen. "Wir hatten 1989 sehr klar vor Augen, was wir nicht mehr wollten." Zugleich hatten die Menschen eine Wohlstandsgesellschaft vor Augen, "die wir miteinander erreichen wollten". Mit Blick auf heute sagte Kretschmer: "Wir müssen eine neue Kraft entwickeln."

"Wir müssen die Weichen auf Wachstum stellen."

Zugleich betonte Ministerpräsident Michael Kretschmer, dass der Tag der Deutschen Einheit verbinde. "Wir sind heute von Freunden umgeben." Die Europäische Union habe Sicherheit und Wohlstand gebracht. 

36 Jahre deutsche Einheit

Auf Einladung des Landtagspräsidenten nahmen Abgeordnete des Landtags, des Bundestags, sowie des Europäischen Parlaments, Mitglieder des Verfassungsgerichtshofes und der Staatsregierung sowie Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens an der Feierstunde teil. Zudem verfolgten zahlreiche Bürgerinnen und Bürger die Veranstaltung live vor Ort.

Musikalisch umrahmten 45 Kinder des Chores und des Thomanernachwuchses der Grundschule forum thomanum Leipzig. Das forum thomanum ist ein deutschlandweit einzigartiger musischer Bildungscampus in Leipzig, der gemeinschaftliches Musizieren unter dem Motto „glauben – singen – lernen“ ermöglicht.