Innenausschuss besucht Gohrischheide

Datum 30.03.2026

Knapp zwei Wochen brannte es 2025 in der Gohrischheide. Die Vertreter des Ausschusses für Inneres, Kommunales und Sport informierten sich bei einem Treffen mit Verantwortlichen vor Ort über die Brandbekämpfung und Maßnahmen für die Zukunft.

Waldbrände löschen unter erschwerten Umständen

Rückblick und Einweisung

Gegen 10 Uhr versammelten sich die Vertreter des Ausschusses in den Räumen der Freiwilligen Feuerwehr Zeithain. Dort wurden sie vom Bürgermeister der Gemeinde, Mirko Pollmer, gemeinsam mit dem Ortswehrleiter Marco Bretschneider begrüßt.

Zu Beginn machte Pollmer die anwesenden Landtagsabgeordneten auf die besonderen Gefahrenlagen aufmerksam, denen Zeithain ausgesetzt ist. Neben dem Risiko eines Großbrandes in der Gohrischheide im Norden der Gemeinde besteht auch eine erhebliche Hochwassergefahr durch die Elbe, die südlich des Ortes verläuft. Für beide Szenarien sei die Feuerwehr jedoch vorbereitet, betonte der Bürgermeister. Gleichzeitig hob er hervor, dass es sich bei den Einsatzkräften ausschließlich um ehrenamtlich tätige Kameradinnen und Kameraden handelt.

Die intensive Auseinandersetzung mit diesen Gefahren ist nicht theoretischer Natur, sondern beruht auf wiederholten Erfahrungen: In den Jahren 2002 und 2013 kam es zu schweren Elbhochwassern, während die Gohrischheide in den Jahren 2022, 2023 sowie zuletzt im Sommer 2025 von Bränden betroffen war.

Neben den unmittelbaren Gefahren für die Bevölkerung und die Infrastruktur der Gemeinde rückte Pollmer insbesondere die finanziellen Belastungen in den Fokus. Für eine Kommune wie Zeithain sei es kaum zu bewältigen, die wiederkehrenden Löscheinsätze in der Gohrischheide zu tragen – zumal deren Gefährdungspotenzial nicht von der Gemeinde verursacht werde. Pollmer beschrieb eindringlich die Hürden für eine Kostenerstattung durch das Land.

Blick auf den Großbrand 2025

Anschließend führte Ortswehrleiter Marco Bretschneider den Ausschuss anhand eines konkreten Beispiels in die Realität eines solchen Ernstfalls ein. Er skizzierte den Verlauf des Großbrandes im Jahr 2025, der am 1. Juli ausbrach und erst am 16. Juli unter Kontrolle gebracht werden konnte.

Dabei hob er immer wieder die außergewöhnlich schwierigen Bedingungen hervor, unter denen die Brandbekämpfung erfolgen musste. Eine zentrale Herausforderung stellt die Munitionsbelastung des Geländes dar, da die Gohrischheide über weite Teile des 20. Jahrhunderts als Truppenübungsplatz genutzt wurde. Große Bereiche sind daher bis heute nicht gefahrlos zugänglich, und bei sämtlichen Feuerwehreinsätzen müssen die Vorgaben zum Sicherheitsabstand gründlich abgewogen werden. (Vgl. Anhörung im Innenausschuss vom 22. Januar 2026)

Besonders eindrücklich schilderte Bretschneider die enorme Ausbreitungsgeschwindigkeit des Feuers. Begünstigt durch anhaltende Dürre, extreme Hitze und starken Wind entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit eine kaum kontrollierbare Dynamik. Wildkameraaufnahmen verdeutlichten diese Situation anschaulich: Innerhalb von nur 45 Sekunden raste das Feuer über einen Bereich hinweg und war kurz darauf bereits weitergezogen. Zurück blieb verkohltes Holz, das aufgrund der sehr kurzen Brenndauer jedoch erneut leicht entflammbar war.

Unter diesen Bedingungen sah sich die Feuerwehr gezwungen, Prioritäten zu setzen. Nicht alle Gebiete konnten gehalten werden – stattdessen musste entschieden werden, welche Bereiche aktiv geschützt und welche dem Feuer überlassen werden mussten. Die Sicherhet der Einsatzkräfte hatte dabei stets Priorität.

Präsentation der Einsatzmittel und Fahrt in die Gohrischheide

Im Anschluss erhielten die Ausschussvertreter einen umfassenden Einblick in die technische Ausstattung der Feuerwehr Zeithain. Besonderen Eindruck machte die selbstkonstruierte Anlage zur Ausbringung von brandhemmendem Schaum.

Ergänzend präsentierte die Drohnenstaffel des ASB ihre Einsatzmöglichkeiten. Deren Drohnen sind mit Wärmebildkameras ausgestattet und liefern dem Einsatzleiter in Echtzeit Bilder von Glutnestern oder sich entwickelnden Brandherden. Gerade bei eingeschränkter Sicht – etwa durch dichten Rauch oder in der Nacht – stellt diese Technik einen entscheidenden Vorteil dar, da sie sowohl den gezielten Einsatz der Kräfte als auch deren Sicherheit erheblich verbessert.

Im Zusammenspiel mit Hubschraubern ist jedoch eine koordinierte Luftraumüberwachung erforderlich. Hierfür ließ sich eigens ein Kamerad der Feuerwehr ausbilden. Dieses Beispiel verdeutlicht eindrücklich, welche zentrale Rolle das ehrenamtliche Engagement und die zusätzliche Qualifikation der Einsatzkräfte spielen.

Eine weitere technische Neuerung sind sogenannte Kreisregner. Diese Anlagen ermöglichen es, definierte Bereiche kontinuierlich mit Wasser zu versorgen und so effektiv vor einem Übergreifen der Flammen zu schützen. Ihren praktischen Einsatz demonstrierte die Feuerwehr im Rahmen einer anschließenden Fahrt in die Gohrischheide.

Nach dem Einstieg in die Einsatzfahrzeuge erfolgte die Abfahrt über unwegsame Waldpfade tief in das betroffene Gebiet. Vorbei an verkohlten Baumstämmen und freigelegten Flächen erreichte der Ausschuss schließlich eine Lichtung mit Aussichtspunkt. Dort befindet sich ein künstlich angelegtes, unterirdisches Wasserreservoir, aus dem die Kreisregner gespeist werden. Diese können den entsprechenden Bereich für etwa eine Stunde schützen, bevor eine erneute Befüllung erforderlich ist. Auf diese Weise entsteht ein gesicherter Ausgangspunkt für weitere Maßnahmen der Brandbekämpfung.

Das Einschalten der Kreisregner stellte einen der eindrucksvollsten Momente des Tages dar. In gleichmäßigen Bögen verteilten sie Wasser über die Fläche und machten die Funktionsweise unmittelbar erlebbar. In Kombination mit einer Wärmebilddrohne demonstrierte Ortswehrleiter Bretschneider zudem anschaulich, wie sich die bewässerten Bereiche in der Wärmebilddarstellung abheben und somit eine präzise Lageeinschätzung ermöglichen.

Der Abschluss des Tages

Zum Abschluss kehrten alle Beteiligten gemeinsam zur Freiwilligen Feuerwehr Zeithain zurück. Dort bot sich Gelegenheit zum Austausch in informeller Atmosphäre. In zahlreichen Gesprächen würdigten die Abgeordneten nochmals ausdrücklich den Einsatz und die Leistungsfähigkeit der Feuerwehr.

Der Ausschussvorsitzende Lars Kuppi richtete seinen besonderen Dank an Bürgermeister Pollmer und Ortswehrleiter Bretschneider. Sie hätten eindrucksvoll gezeigt, welche Bedeutung das Ehrenamt gerade unter außergewöhnlichen und belastenden Bedingungen habe und welche Leistungen trotz widriger Umstände erbracht werden können.

Zugleich wurde deutlich, dass die in Zeithain gewonnenen Erkenntnisse zur Bekämpfung von Waldbränden auch für andere Regionen von großer Bedeutung sind. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur überregionalen Vorbereitung auf ähnliche Einsatzlagen.

Den Schlusspunkt setzte Bretschneider mit einer nüchternen, aber eindringlichen Feststellung: „Der nächste Brand wird kommen.“ Die Feuerwehr Zeithain, so wurde an diesem Tag deutlich, ist darauf gut vorbereitet.

Autor: Niklas Hellfritsch