Mit dem Brand in der Gohrischheide 2025 rückte ein ansonsten unsichtbares Problem in den Fokus: Munitionsreste tief im Erdreich aus längst zurückliegenden Konflikten. Die BSW-Fraktion wollte im Innenausschuss am 22. Januar 2026 mit ihrem Antrag "Beräumung munitionsbelasteter Waldflächen im Freistaat Sachsen – Verantwortung von Bund, Bundeswehr und Land gemeinsam wahrnehmen" in einer öffentlichen Anhörung klären, wie man mit diesen Altlasten umgehen sollte.
Wenn Wald- oder Wiesengebiete brennen, in denen große Mengen alter Munition im Boden liegen, müssen bei Löschversuchen besondere Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden. Der sächsische Kampfmittelbeseitigungsdienst empfiehlt in solchen Fällen einen pauschalen Abstand von 1 000 Metern zum Brand. Damit lasse sich jedoch kein vollständiger Schutz gewährleisten, erläutert Marco Bretschneider, Ortswehrleiter in der Gemeinde Zeithain.
Raimund Engel, Waldbrandschutzbeauftragter in Brandenburg, bestätigte, dass sich die stärksten Brände in seinem Bundesland auf munitionsbelasteten Flächen ausgebreitet hätten. Aus Sicherheitsgründen müsse man solche Flächen teilweise abbrennen lassen – mit entsprechenden Gefahren für umliegende landwirtschaftliche Flächen oder bewohnte Gebiete. Bretschneider ergänzte, dass sich die Einsatzkräfte in der Gohrischheide unter Abwägung der Risiken daher bis auf 300 Meter an den Brand herangewagt hätten.
Andreas Sieger, Leitender Safety Manager beim Operativen Führungskommando der Bundeswehr, erklärte die spezifischen Risiken alter Kampfmittel. Bei starker Temperaturerhöhung könne TNT, der Hauptbestandteil vieler Sprengstoffe aus dem Zweiten Weltkrieg, schneller kristallisieren. Unter der Hitze eines Waldbrandes stünden Bomben im Erdreich unter
hohem Druck, der beim Abkühlen zur Detonation führen könnte. Deshalb sollten munitionsbelastete Flächen auch nach dem Löschen nicht betreten werden.
Es erfordert viel Zeit und Aufwand, alte Kampfmittel zu orten, erläuterte Robert Mollitor, Leiter im Munitionsbergungsdienst Mecklenburg-Vorpommern. Auf die Frage, ob ein starker Waldbrand ein Gebiet ausreichend entmunitionieren könne, antwortete er klar: Ein Waldbrand sei dafür kein anerkanntes technisches Verfahren.
Dass eine vollständige Entmunitionierung von Gebieten wie der Gohrischheide sehr teuer wäre und keine absolute Sicherheit garantieren kann, darin waren sich alle Experten einig. Alternative Methoden wurden diskutiert: Neben Explosionsrisiken müsse man bedenken, dass frei werdende Schwermetalle oder Phosphor den Boden schädigen und Trinkwasserressourcen gefährden könnten, so Thomas Rother vom Sachsenforst. Unter anderem wurde über eine biologische Zersetzung durch Mikroorganismen oder Ameisenvölker, die sich von TNT ernähren, gesprochen. Systematisch einsetzbar sei diese Methode jedoch noch nicht, da eine Zersetzung viele Jahre dauern würde.an Qualifikationsmöglichkeiten und zugleich werde die Bindung von künftigen Fachärzten deutlich erschwert.
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Autorin: Janina Wackernagel