Mit der Aufführung des Konzertprogramms „Ein Gebet für mich“ im Plenarsaal gedenkt der Sächsische Landtag am 27. Januar der Opfer des Nationalsozialismus. Die polnisch-norwegische Sängerin und Schauspielerin Bente Kahan präsentiert Werke verfemter Künstlerinnen und Künstler, die vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind. Zum Gedenken sind u. a. Abgeordnete, Vertreterinnen und Vertreter der Staatsregierung, des Verfassungsgerichtshofes, der jüdischen Gemeinden, der Kirchen, des sorbischen Volkes sowie Schülerinnen und Schüler eingeladen.
Landtagspräsident Alexander Dierks eröffnet das Gedenken um 11.00 Uhr mit einer Rede. Das anschließende Konzert umfasst Werke, die selten vor großem Publikum aufgeführt werden. Die Lieder aus der Kriegszeit enthalten Texte, die von den Opfern selbst in Ghettos wie Warschau, Krakau, Vilnius und Terezín (Theresienstadt) geschrieben und größtenteils von Bente Kahan vertont wurden.
Bente Kahan, geboren 1958 in Oslo, absolvierte eine Schauspielausbildung in Tel Aviv und New York und spielte auf bedeutenden Bühnen, wie denen der Nationaltheater von Israel und Norwegen. Sie schuf und spielte mit ihrer Produktionsfirma zahlreiche Werke zum Thema europäische jüdische Kultur und Geschichte. 2001 zog sie nach Wrocław in Polen und gründete die Stiftung Fundacja Bente Kahan, die sich dem jüdischen Erbe der Stadt annahm und u. a. die historische Weiße Storch-Synagoge restaurierte. Als Direktorin des Kulturzentrums (2005–2022) produzierte sie zahlreiche Ausstellungen, Konzerte sowie Theaterstücke, von denen viele von ihr geschrieben und inszeniert und von polnischen Künstlern aufgeführt wurden.
Parallel zur Gedenkveranstaltung sind im Landtag zwei begleitende Ausstellungen zu sehen:
Im Zugangsbereich zur Lobby des Plenarsaals wird die Wanderausstellung „Unvollendete Leben“ der Bente Kahan Stiftung aus Wrocław gezeigt. Sie enthält Biographien von Künstlerinnen und Künstlern, die Opfer des Holocaust geworden sind sowie die Kunst, die sie im Angesicht des Horrors geschaffen haben.
Im Bürgerfoyer ist die Plakatausstellung #FakeImages – Gefahren von Stereotypen erkennen“ bis Ende Februar 2026 zu sehen. Sie zeigt antisemitische Bilder aus verschiedenen Jahrhunderten mit dem Fokus auf Propaganda vor und während des Zweiten Weltkriegs. Die Bilder stammen aus dem Arthur Langerman Archiv für die Erforschung des visuellen Antisemitismus der TU Berlin. Ziel der Schau ist es, Techniken zur gezielten Beeinflussung von Menschen zu erkennen, um entsprechend auf Propaganda und stereotype Bilder reagieren zu können.
Am Nachmittag (14.00 Uhr) findet im oberen Bürgerfoyer eine Lesung von Jugendlichen für Jugendliche aus dem Buch „SIE WAREN NEUN“ statt. Mitglieder der Jungen Gemeinde Wurzen lesen aus dem amerikanischen Bestseller, den sie selbst ins Deutsche übersetzt haben. Er erzählt das Schicksal von neun Frauen, die das KZ Ravensbrück, die Zwangsarbeit in Leipzig und die Todesmärsche von Leipzig nach Wurzen überlebten. Nur durch die Arbeit der Jugendlichen ist das Buch seit April 2025 in deutscher Sprache erhältlich. Ihr Engagement wurde u. a. mit dem Sächsischen Jugend-Geschichtspreis und dem Deutschen Margot-Friedländer-Preis gewürdigt.
Medienvertreter sind herzlich zur Berichterstattung eingeladen. Journalisten, die nicht Mitglied der Landespressekonferenz Sachsen e. V. oder Inhaber des bundesweit einheitlichen Presseausweises sind, werden gebeten, sich vorab in der Pressestelle zu akkreditieren.