27.11.2025 bis 28.11.2025
Am 27. und 28. November 2025 fanden im Sächsischen Landtag die 21. Sächsischen Jugendgeschichtstage statt. Junge Menschen aus ganz Sachsen haben sich in den vergangenen Monaten intensiv mit der Geschichte ihrer Region auseinandergesetzt und dabei spannende Geschichten und vergessene Ereignisse aufgespürt. Im Parlament präsentierten sie nun ihre beeindruckenden Ergebnisse, die sie im Rahmen des Programms „Spurensuche“ recherchiert und erarbeitet haben.
Am 28. November 2025 präsentierten die Jugendlichen ihre Projekte im Sächsischen Landtag. Landtagspräsident Alexander Dierks nutzte die Gelegenheit, um auf einem Rundgang über den Projektemarkt mit ihnen ins Gespräch zu kommen und ihre Perspektiven auf die Geschichte Sachsens kennenzulernen.
Seit dem Frühjahr haben 17 Jugendgruppen geforscht, gefragt, gesammelt und gestaltet. Sie haben Spuren entdeckt, die zeigen, wie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verbunden sind – und was Erinnerung für unsere Demokratie bedeutet.
Landtagspräsident Alexander Dierks, der erneut die Schirmherrschaft über die Jugendgeschichtstage übernommen hatte, betonte: „Es gibt so viele Geschichten, die darauf warten, aufgespürt zu werden. Bei den Jugendgeschichtstagen werden die Jugendlichen Jahr für Jahr selbst zu Forschern und entdecken Geschichten in ihrer Umgebung, die so bislang in keinem Buch stehen oder noch nie untersucht worden sind. Im Parlament präsentieren sie die beeindruckenden Ergebnisse ihrer monatelangen Spurensuche. Es war spannend zu sehen, welche historischen Schätze die jungen Menschen in diesem Jahr ausgegraben haben.“
| Ort | Projekt |
|---|---|
| Annaberg-Buchholz | Bei dem Thema „VERGISSMEINNICHT – Geschichte, die bleibt!“ in Annaberg-Buchholz beschäftigte sich die „Brauereibande“ des Jugend- und Kulturzentrums Alte Brauerei Annaberg e. V. mit der Geschichte des Schützenhauses während der NS-Zeit. Die Jugendlichen recherchierten in Archiven, führten Gespräche mit Fachleuten und entdeckten bisher unbekannte Schicksale von Inhaftierten wie Marie Richter. Ihre Ergebnisse wurden in Form eines Podcasts, eines Themenabends und einer geplanten Gedenkstätte aufbereitet und öffentlich zugänglich gemacht. |
| Wurzen | Das Projekt „Can You Here Me?“ in Wurzen erforschte das Leben jüdischer Familien während der NS-Zeit und machte ihre Geschichten wieder sichtbar. Unterstützt von der Evangelischen Jugendarbeit Wurzen suchte die Gruppe in Archiven, sprach mit Nachfahren und dokumentierte Erinnerungen, sodass die Menschen von damals wieder Gesichter und Namen bekamen. Die Ergebnisse wurden als Audioguides auf der Webseite und per QR-Codes an den Stolpersteinen zugänglich gemacht, wodurch ihre Stimmen hörbar bleiben. |
| Rochlitz |
Bei der Thematik „Ein DDR-Hort hinter historischen Schlossmauern“ in Rochlitz erforschte die Geschichte des Kinderhorts der POS Rochlitz im Schloss. Das Rochlitzer Spurensuche-Team arbeitete gemeinsam mit dem Schloss Rochlitz und dem JUGENDladen Rochlitz – Muldentaler Jugendhäuser e.V., interviewte Zeitzeugen und recherchierte in Archiven, um den Alltag im Hort und persönliche Erinnerungen aus der DDR-Zeit sichtbar zu machen. Die Ergebnisse werden in die Dauerausstellung des Schlosses integriert und künftig auch als VR-Präsentation erlebbar sein. |
| Zwickau | Bei der Untersuchung „Jüdische Spuren in Zwickau – Eine digitale Zeitreise“ begaben sich Jugendliche aus dem Jugendbeirat Zwickau und der Humboldtschule auf Spurensuche nach jüdischem Leben in Zwickau. Unterstützt vom Alter Gasometer e.V. Zwickau recherchierten sie vor Ort, führten Internetrecherchen durch und sammelten Fotos, Texte und kleine Filme, um die digitale Actionbound-Tour zu erweitern. Ziel ist es, die Biografien und Geschichten jüdischer Zwickauerinnen und Zwickauer erlebbar zu machen und die Erinnerungskultur sowie die Aufarbeitung der NS-Zeit für junge Menschen greifbar zu gestalten. |
| Weißwasser | Zum 30-jährigen Bestehen blickt das Projekt „Spurensuche – Erste Hilfe gibt es überall“ in Weißwasser auf die Geschichte des Jugendrotkreuz Weißwasser im DRK Kreisverband Weißwasser e.V. Die Jugendlichen zeigen in einer Wanderausstellung, wie Erste-Hilfe-Wissen, soziales Engagement und vielfältige Projekte über Generationen hinweg gelebt wurden. Die Ausstellung startet im DRK-Kreisverband und ist bis Anfang Februar 2026 an verschiedenen Stationen in Weißwasser zu sehen. |
| Wurzen/ Grimma | Im Rahmen des 100-jährigen Jubiläums des Jugendrotkreuzes widmete sich das Projekt „Neutral unter der roten Fahne? Das JRK und der DDR-Staat“ den Erfahrungen des Jugendrotkreuz Muldental in Wurzen und Grimma. Gemeinsam mit Zeitzeugen und ehemaligen Mitgliedern wurden Interviews geführt, Gruppenbücher und Archivmaterial gesichtet, um die Rolle des JRK zwischen politischem Einfluss, Alltag und humanitären Grundsätzen zu beleuchten. Die Ergebnisse wurden filmisch umgesetzt, mit nachgestellten Gruppenstunden und Reflexionen, und werden künftig als Dokumentarfilm im DRK und online zugänglich sein. |
| Brand-Erbisdorf | Das Projekt „Generationen im Vorgestern, Gestern und Heute“ in Brand-Erbisdorf untersuchte die Geschichte der Jugendkultur von der Nachkriegszeit bis heute. Jugendliche aus dem Kinder- und Jugendfreizeitzentrum (JUFZ), unterstützt vom Stadtarchiv, Museum am „Huthaus“ und der Grundschule Brand-Erbisdorf, führten Recherchen in Archiven, Museen und Zeitzeugengespräche durch, um Veränderungen und Gemeinsamkeiten über Generationen hinweg sichtbar zu machen. Die Ergebnisse wurden in einer Ausstellung und einem Heft für Kinder und Jugendliche aufbereitet, sodass die Entwicklung von Jugendkultur lebendig erfahrbar wird. |
| Burgstädt/ Taura | Im Thema „Spurensuche in Burgstädt – Auf den Spuren der NS-Zeit“ untersuchten fünf Jugendliche die lokale Geschichte während der Zeit des Nationalsozialismus in Burgstädt und Taura. Unterstützt von den Muldentaler Jugendhäusern e.V., Streetwork Burgstädt/Taura, recherchierten sie Einzelschicksale wie das von Max Scheltzig, der aufgrund seiner sexuellen Orientierung verfolgt wurde. Die Jugendlichen dokumentierten ihre Ergebnisse eigenständig und bereiteten sie für eine geeignete Präsentation auf. |
| Chemnitz | Für das Gebiet „Fritz-Heckert und das Wende-Wunder“ in Chemnitz setzten sich Jugendliche mit den persönlichen Erinnerungen und Erfahrungen der Menschen im Fritz-Heckert-Gebiet während der Wende- und Nachwendezeit auseinander. Das Kinder- Jugend- und Familienhilfe e.V., in Kooperation mit dem Kinder- und Jugendhaus Compact, der Mobilen Jugendarbeit und der Chemnitzer Filmwerkstatt, führte Interviews, entwickelte ein Drehbuch und stellte Szenen nach, um die Herausforderungen und Emotionen der Zeit sichtbar zu machen. Der entstandene Film wurde im Jugendhaus Compact uraufgeführt und ist bei den Jugendgeschichtstagen sowie online zugänglich. |
| Limbach-Oberfrohna | Mit dem Projekt „Der Krieg in Briefen“ in Limbach-Oberfrohna widmete sich die Soziale und politische Bildungsvereinigung Limbach-Oberfrohna e.V. der persönlichen Perspektive eines Liebespaares während des Zweiten Weltkriegs. Die Jugendlichen erforschten die rund 2.600 Briefe von Hilde Laube und Roland Nordhoff, die ihre Alltagserfahrungen, Trennungen und Kriegserlebnisse schilderten, und setzten diese in einem Zeitstrahl in Beziehung zu historischen Ereignissen. Die Ergebnisse sind als barrierearme Homepage und kleine Wanderausstellung zugänglich, unter anderem im Eckpunkt und im Esche-Museum. |
| Großenhain | In der Ausarbeitung „Erinnerungskultur im Pflaster“ in Großenhain gingen Schülerinnen und Schüler auf Spurensuche nach jüdischem Leben während der NS-Zeit. Unterstützt von der Diakonie Meissen, dem Stadtmuseum, Stadtarchiv und regionalen Partnern, recherchierten sie in Archiven, besuchten Stolpersteine und Friedhöfe und dokumentierten ihre Ergebnisse kreativ in Forschertagebüchern. Höhepunkt war die Verlegung eines neuen Stolpersteins mit dem Künstler Gunter Demnig, begleitet von einer kleinen Ausstellung. |
| Schönfeld/ Radeburg | Im Projekt „Vom Dorfplatz zum Schießplatz“ in Schönfeld und Radeburg gingen Schülerinnen und Schüler der Oberschulen der Region den Schicksalen der Dörfer nach, die dem Truppenübungsplatz Königsbrück seit 1907 weichen mussten. Unterstützt von der JuCo Soziale Arbeit gGmbH recherchierten sie in Archiven, sammelten Zeitzeugenberichte und hielten die Geschichte in einem historischen Dokumentarfilm fest. Der Film dokumentiert die Entwicklung des Gebiets von der Jahrhundertwende bis in die jüngste Vergangenheit und wird auf YouTube veröffentlicht. |
| Dresden | Jugendliche im Projekt „Auf den Spuren der Dresdner Franziskaner Mönche“ in Dresden untersuchten die spätmittelalterliche Stadt aus der Sicht der Franziskaner. Unterstützt von der Bürgerstiftung Dresden erstellten sie einen digitalen und interaktiven Stadtplan mit Text-, Audio- und Videobeiträgen, der auch analog produziert wurde. Besondere Höhepunkte waren die Recherche, die Anlage eines modernen Klostergartens und die Videoproduktion mit historischen Requisiten. Die Ergebnisse sind über die Website und QR-Codes im DenkRaum Sophienkirche zugänglich, und das Projekt soll künftig erweitert werden, um Geschichte für weitere Jugendgruppen erlebbar zu machen. |
| Dresden | Im Rahmen von „Spurensuche Dresden – Geschichte erleben und gestalten“ erkundeten Teilnehmende des Vereins Integra Plus e.V. ihre neue Heimatstadt und deren Geschichte. Sie recherchierten an vergessenen oder wenig bekannten Orten, führten Zeitzeugeninterviews und arbeiteten in Archiven, um das Leben in Dresden während der NS-Zeit, DDR und Nachwendejahre zu entdecken. Kreative Workshops zu Kunst, Fotografie, Graffiti und Video ermöglichten es, die Ergebnisse in Memory-Spielen, Puzzles, Videos und Kunstwerken umzusetzen. |
| Glauchau | Die Nachforschungen rund um „8. Mai 1945 – Krieg und Kriegsende, und was kam dann?“ führten Schülerinnen und Schüler des Georgius-Agricola-Gymnasiums Glauchau in die Geschichte der Nachkriegszeit in Glauchau. Sie recherchierten im Kreisarchiv, führten Gespräche mit Zeitzeugen wie Hans Rainer Wolf und sammelten schriftliche sowie materielle Quellen, darunter Lebensmittelkarten, Bombensplitter und Zeitungen aus der ersten Nachkriegszeit. Die Ergebnisse werden im Kleinsten Museum in Glauchau ausgestellt und veranschaulichen den Alltag von Kindern, Jugendlichen und Neubürgern nach 1945. |
| Dresden | Im Podcast „Voices Unheard“ setzen sich sieben junge Frauen in Dresden mit Rechtsextremismus auseinander und beleuchten historische wie aktuelle Erscheinungsformen, etwa bei Gruppen wie der „Elblandrevolte“. Sie recherchierten, führten Interviews und analysierten digitale Räume, um Radikalisierung, soziale Einflüsse und extremistische Strukturen verständlich zu machen. Ziel ist es, jungen Menschen die Mechanismen von Rechtsextremismus näherzubringen und Diskussionen anzuregen. |
| Aue-Bad Schlema | Mit dem Projekt „Auf den Spuren des Unrechts – mit Rad und Bahn von Mülsen bis Litoměřice“ erkundeten sieben Jugendliche die Route des Todesmarsches von 1945 vom KZ-Außenlager Mülsen St. Micheln bis nach Litoměřice. Unterstützt vom Kompetenzzentrum für Gemeinwesenarbeit und Engagement e.V. dokumentierten sie Orte, Spuren und Erinnerungen, besuchten Gedenkstätten, Archive und historische Stätten und erstellten daraus einen Zeitstrahl. Die Radtour und die Recherche ermöglichten tiefere Einblicke in die Biografien der Häftlinge und das Lagergeschehen. |
Ein besonderes Highlight war in diesem Jahr die mobile Ausstellung „In Echt? – Virtuelle Begegnung mit NS-Zeitzeuginnen und Zeitzeugen“ des Brandenburg Museums für Zukunft, Gegenwart und Geschichte auf dem Gelände vor dem Landtag. Besucher konnten hier per VR-Brille fünf jüdischen Überlebenden begegnen – eine eindrückliche Erfahrung, die Geschichte auf neue Weise erfahrbar gemacht hat.
Das Programm „Spurensuche“, das von der Sächsischen Jugendstiftung ins Leben gerufen wurde, ermutigt junge Menschen, sich intensiv mit ihrer Heimatgeschichte auseinanderzusetzen und eigene Projekte zu entwickeln. Dabei geht es nicht nur um das Entdecken von historischen Fakten, sondern auch darum, Geschichte auf neue und kreative Weise zu vermitteln. Die Jugendgeschichtstage im Sächsischen Landtag sind dabei der Höhepunkt dieses Prozesses. Das Parlament ist der Ort, an dem junge Forscher ihre Entdeckungen präsentieren und mit anderen in den Dialog über die Bedeutung der Vergangenheit treten können.
Gemeinsam von der Sächsischen Jugendstiftung und dem Sächsischen Landtag organisiert und vom Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt unterstützt, bieten die Jugendgeschichtstage eine einzigartige Plattform für den Austausch von Ideen und Perspektiven. Sie zeigen, wie wichtig es ist, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen, sie zu bewahren und gleichzeitig immer wieder neue Blickwinkel darauf zu werfen, um sie für die Zukunft lebendig zu halten.