Im Januar 2025 nahm die Enquete-Kommission »Aufarbeitung der Coronapandemie: Lehren für den zukünftigen Umgang mit Pandemien im Freistaat Sachsen« ihre Arbeit auf. Das Ziel der Kommission ist es, Grundlagen für ein widerstandsfähiges Pandemie- und Krisenmanagement zu erarbeiten und zugleich einen Beitrag zur gesellschaftlichen Versöhnung zu leisten. Die Einsetzung des Gremiums ist im Oktober 2024 von CDU und SPD beantragt und im Dezember 2024 einstimmig vom Landtag beschlossen worden. Die Enquete-Kommission setzt sich aus 18 Mitgliedern zusammen, die nach dem Stärkeverhältnis der Fraktionen im Sächsischen Landtag benannt wurden. Geleitet wird sie von der Vorsitzenden Iris Firmenich (CDU).
In regelmäßigen öffentlichen Anhörungen berichten seitdem Sachverständige aus Politik, Verwaltung, Gesundheitswesen und Zivilgesellschaft von ihren Erfahrungen während der Pandemie. In der ersten Anhörung standen die politischen Entscheidungsstrukturen im Mittelpunkt. Sozialministerin Petra Köpping (SPD) betonte den schwierigen Spagat zwischen Grundrechten und Gesundheitsschutz: "Es gibt nicht nur im Grundgesetz die Notwendigkeit, die Grundrechte zu wahren, sondern es gibt auch die Notwendigkeit, die Gesundheit von Menschen zu schützen. Und das war unser Auftrag."
Dass dieser Schutz jedoch auch zu Belastungen der Gesellschaft führte, machte Oberkirchenrat Dietrich Bauer vom Diakonischen Werk der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens deutlich. Er kritisierte insbesondere pauschale Betretungsverbote in Pflege- und Gesundheitseinrichtungen: "Die absoluten Betretungsverbote haben zwar Leben geschützt, aber auch Lebensqualität massiv eingeschränkt. Für uns ist klar: Sterbebegleitung, seelsorgerische Begleitung und ein würdevolles Abschiednehmen dürfen in keiner Krise mehr ausgeschlossen werden."
Weitere Themen waren bislang die stationäre und ambulante Gesundheitsversorgung sowie die Pflege während der Pandemie, die kritische Infrastruktur und juristische Fragestellungen. So befasste sich die Unterarbeitsgruppe Recht im November mit dem Thema "Wahrung der Rechte des Sächsischen Landtags in Krisensituationen". Als einer von fünf Sachverständigen gab der Bochumer Rechtsprofessor Dr. Stefan Huster ein Statement ab. Er machte deutlich, dass die verbreitete Auffassung, den Parlamenten seien während der Coronapandemie Rechte entzogen worden, aus verfassungsrechtlicher Sicht nicht zutreffe. Sie hätten jederzeit über ausreichend rechtliche Möglichkeiten verfügt, um selbst tätig zu werden. Zugleich betonte er, dass mit zunehmender Dauer einer Krisensituation die Notwendigkeit wachse, wieder stärker gesetzgeberisch tätig zu werden.
Ebenfalls im November 2025 diskutierte die Kommission erstmals inhaltliche Schwerpunkte für den geplanten Abschlussbericht. Dieser soll bis Ende 2027 fertiggestellt und dem Präsidenten des Sächsischen Landtags überreicht werden.
Ein erstes Ergebnis der Arbeit der 1. Enquete-Kommission ist der Beschluss des Maßnahmenpakets für Long-COVID-Betroffene, der in der 22. Sitzung des Sächsischen Landtags am 3. Dezember 2025 als fraktionsübergreifender Antrag auf der Tagesordnung stand.
Die nächste öffentliche Anhörung der Enquete-Kommission findet am 6. März 2026 zum Thema Bildung statt. Sie trägt den Titel "Aus der Pandemie lernen: Zukunftsfähige und krisenfeste Betreuungs- und Bildungsstrukturen in Aus-, Fort- und Weiterbildung sowie Studium." Eine weitere Sitzung ist für den 5. Juni 2026 vorgesehen. Dann nimmt die Kommission insbesondere die Situation sozialer Einrichtungen und die besonderen Belastungen für Familien in den Blick. Für die kommenden Termine wird es wieder eine Live-Übertragung geben, die anschließend in der Mediathek des Landtags zur Verfügung stehen wird.
Stenografische Protokolle (Stichwort: »Pandemie« suchen und unter »Vorgang« finden sich alle Enquete-Kommissions-relevanten Drucksachen.): https://edas.landtag.sachsen.de/
Videos der Anhörungen: Anhörungsvideos
Autorin: Natalie Rödel