Sandra Gockel

Datum 18.12.2025

Vorsitzende des Ausschusses für Wissenschaft, Hochschule, Medien, Kultur und Tourismus

Neues wagen und Gestaltungsspielräume ausreizen

Im Sommer 2022 rückte mit Sandra Gockel eine erfahrene Schulleiterin für die CDU in den Sächsischen Landtag nach. Gleich mehrere Schulen im Freistaat hatte sie bereits aufgebaut, bevor sie beruflich in die Politik wechselte. Nach ihrem Wiedereinzug im Jahr 2024 über die Landesliste übernahm die umtriebige Abgeordnete im Parlament den Vorsitz im Ausschuss für Wissenschaft, Hochschule, Medien, Kultur und Tourismus. Wir haben Sandra Gockel einen Tag bei ihrer Arbeit in der Sächsischen Schweiz und in Pirna begleitet.

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Sandra Gockel auf der Bastei
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Bürgermeisterin Silke Grossmann kämpft für praktikable Lösungen.

Es ist ein kühler Morgen, wenige Tage vor Weihnachten, als Sandra Gockel gut gelaunt in Lohmen, einer Gemeinde in der Sächsischen Schweiz, mit der weltberühmten Bastei, eintrifft. Ihre Ankunft ist nicht zu übersehen: Gockels Konterfei und Name zieren ihr Fahrzeug. »Mein mobiles Bürgerbüro«, erklärt die Abgeordnete und "zugleich ein Mittel, um meine Bekanntheit in der Region zu steigern", denn sie ist erst spät in die Politik gewechselt. Dann aber komplett. "Ich mache etwas ganz oder gar nicht", formuliert sie ihren Anspruch. "Und ich möchte Dinge zu Ende bringen und dabei Neues wagen – genauso wie ich es als Schulleiterin schon gehalten habe." Unermüdlich ist Sandra Gockel seither in ihrer Heimat unterwegs, wo sie seit 2009 mit ihrer Familie in Heidenau lebt. Getragen von einer großen Verbundenheit zu Land und Leuten ist es ihr wichtig, für die Menschen sichtbar und ansprechbar zu sein. "Ich bin derzeit die einzige Mandatsträgerin auf Landesebene für meine Partei in der Region."

Unterwegs im Nationalpark

Der Arbeitstag startet heute im Rathaus Lohmen, wo Bürgermeisterin Silke Großmann die Abgeordnete erwartet. Die Gemeinde liegt im Nationalpark Sächsische Schweiz – für Lohmen Segen und Herausforderung zugleich. Eine Klage der Kommune gegen die Nationalparkverordnung sorgte in den vergangenen Monaten bundesweit für Aufmerksamkeit. Die Gemeinde sieht sich in ihrer Planungshoheit verletzt. „Wir wünschen uns mehr kommunale Selbstverwaltung, mehr Mitsprache und mehr Vertrauen in die Menschen vor Ort“, erläutert Großmann ihr Anliegen. Letztlich sei die Klage ihre einzige Möglichkeit, um ins Gespräch zu kommen und die Entwicklung der Gemeinde und den Naturschutz in Einklang zu bringen. „Warum brauche ich eine Genehmigung, wenn ich in meiner Kommune die vorhandene Markierung von Parkplätzen an der Bastei auffrischen will?“, veranschaulicht die Kommunalpolitikerin ihr Unverständnis. Sandra Gockel hört geduldig zu und vernimmt, dass Lohmen auch nach dem jüngst ergangenen Urteil des Sächsischen Oberverwaltungsgerichts weiterkämpfen will. Die Abgeordnete wird ihren Teil dazu beitragen, dass das Gespräch und die Suche nach praktikablen Lösungen zwischen Freistaat, Landkreis und Kommune nicht verstummt.

Sandra Gockel ist bestens vernetzt in ihrer Heimat und es gewohnt, die Dinge pragmatisch anzupacken, Lösungen zu finden und dabei auch kreativ Ermessenspielräume auszureizen. So agiere sie auch in der Politik, wohlwissend um die damit verbundenen Herausforderungen und Grenzen. Dabei helfe ihr die über 25-jährige Berufserfahrung sowie die Gewissheit, jederzeit in ihren Traumberuf, sozusagen auf die „Schulbank“, zurückkehren zu können. “In meiner Arbeit als Abgeordnete habe ich festgestellt, dass Berufserfahrung sehr hilfreich ist.“

Austausch mit Aussicht

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Mit gutem Ausblick ging es weiter im Berghotel auf der Bastei.
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Der Herd in der Küche des Panoramarestaurants ist ein wahrer Energiefresser.

Weiter geht es auf die wohl berühmteste Felsformation der Sächsischen Schweiz. Auf der Bastei trifft Sandra Gockel mit den Eigentümern von Berghotel und Panoramarestaurant zusammen. Geschäftsführerin Petra Morgenstern und ihr Sohn Kai Reiße übernahmen hier vor über sechs Jahren das „Ruder“. Wie Lohmen agieren auch sie im Spannungsverhältnis zwischen dem besonderen Schutzstatus des Nationalparks und der eigenbestimmten Unternehmensentwicklung mitsamt Verantwortung für 120 Menschen, die in Hotel und Restaurant in Lohn und Brot stehen.

Sie berichten von den Energiekosten, die sich zuletzt mehr als verdoppelt hätten. Das Ansinnen, eine Photovoltaikanlage zu installieren, sei wegen vermeintlich zu hohen Windlast nicht umsetzbar. „Es gibt eine verklärte urbane Sicht auf viele Dinge“, kritisieren die Unternehmer. So zum Beispiel beim Förderprogramm Energieoptimierung, das die Betreiber gern in Anspruch nehmen würden, um die hochbetagten und energiefressenden Herde in der Küche auszutauschen. Lohmen gehöre laut Definition des EU-Programms nicht zum ländlichen Raum, damit falle man aus dem Fördertopf heraus, bedauert Geschäftsführerin Petra Morgenstern. An dieser Stelle fragt Sandra Gockel bei ihrem Gegenüber genau nach, notiert sich den Sachverhalt und verspricht nachzuhaken.

Die Zeit verfliegt. Obwohl die Abgeordnete reichlich zwei Stunden für den Austausch eingeplant hat, müssen wir uns sputen, um rechtzeitig zum nächsten Termin zu kommen. Zumal es sich die Politikerin nicht nehmen lässt, vorher noch schnell die Küche und die erwähnten Herde persönlich in Augenschein zu nehmen.

Kunst und Unternehmertum in Pirna

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Künstlerin Lieselotte Theil-Hurshell freut sich über den Besuch.
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Henryk Vogel und Uwe Seidel hoffen auf politische Unterstützung für ihr City-Outlet.

In Pirna steht ein gemeinsamer Atelierbesuch mit Kulturministerin Barbara Klepsch auf der Agenda. Für Sandra Gockel, die einst neben Religion und Geografie auch Kunst unterrichtete und selbst künstlerisch ausstellte, vertrautes Terrain. Künstlerin Lieselotte Theil-Hurshell freut sich sehr über die Gäste in ihrem kleinen Refugium im Künstlerkomplex 45. Es ist heimelig an dem kleinen Tisch zwischen Bildern, Skizzen und Staffelei. Bei selbstgekochter Suppe und Apfelstrudel erzählt die ehemalige Stipendiatin des Lohengrinhauses in Graupa über ihren Werdegang, ihr Schaffen, ihre aktuelle Ausstellung auf den Fluren der CDU-Landtagsfraktion im Parlament und die neue künstlerische Bleibe in Pirna. Die Chemie zwischen den Damen stimmt, zumal alle drei eine Vergangenheit in Annaberg-Buchholz im Erzgebirge eint: sei es als Schulgründerin des Evangelischen Eurogymnasiums Erzgebirge, ehemalige Oberbürgermeisterin oder Künstlerin.

Station Nummer vier auf unserer Tour durch die Region ist ein Bürogebäude in der Pirnaer City. Henryk Vogel und Uwe Seidel suchen politische Rückendeckung für ihr ehrgeiziges Projekt – die Errichtung eines City-Outlets in Pirna. Es soll nicht auf der grünen Wiese vor den Stadttoren entstehen, sondern direkt in der Innenstadt. Damit könne der Leerstand in der Stadt (aktuell 42 Prozent) reduziert und zugleich Kaufkraft und Touristen in die Region gelockt werden. „Unser Ziel ist es, dass Wirtschaft, Verwaltung und Politik zusammenarbeiten, um etwas Gutes für die Region auf die Beine zu stellen“, so die Initiatoren. Von Ministerin wie Abgeordneter erhoffen sie sich Wohlwollen und fragen nach konkreten Ansatzpunkten, um noch mehr politische Unterstützung für ihr Unterfangen zu bekommen.

Für heute ist nach dem Termin Schluss mit Politik – ausnahmsweise. Es ist einer der wenigen Tage ohne Abendveranstaltung. Sandra Gockel muss noch etwas für eines ihrer vier Kinder im Teenageralter organisieren.

Autorin: Katja Ciesluk