24 Jahre Erfahrung als Wirtschaftsförderer in seiner Heimatstadt Falkenstein/Vogtl. hatte Sören Voigt im Gepäck, als er 2014 in den Sächsischen Landtag einzog. Mit Herzblut vertritt der Betriebswirt seither als direkt gewählter Abgeordneter den Wahlkreis "Vogtland 2" (bis 2024: "Vogtland 3"). Er leitet den Ausschuss für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz und koordiniert als Parlamentarischer Geschäftsführer die Arbeit der CDU-Fraktion. Wir haben Sören Voigt einen Tag auf Wahlkreistour im Vogtland begleitet.
150 Kilometer von Dresden entfernt treffen wir uns in Reumtengrün, einem Ortsteil von Auerbach. Hier produziert das kleine Familienunternehmen "W. Reuter & Sohn" in dritter Generation Plauener Spitze und Stickereien. Die Geschäftsführer Kati und Kay Reuter haben Sören Voigt zum Firmenbesuch eingeladen – etwas, das dem Wirtschaftspolitiker generell sehr wichtig ist und wofür er sich regelmäßig viel Zeit nimmt. "Ich möchte den Menschen zuhören, ihre Sorgen und Nöte kennen, um gute Entscheidungen in der Politik zu treffen."
War es in der Wirtschaftsförderung einst seine Aufgabe, Unternehmen anzusiedeln, geht es in der Politik jetzt darum, unternehmensfreundliche Rahmenbedingungen zu gestalten. "Wirtschaft braucht Freiheit", sind sich Voigt und die Firmenchefs Reuter einig. Stolz berichten die Gastgeber dem Abgeordneten aus der 75-jährigen Geschichte des Unternehmens, über Investitionen in moderne Stickmaschinen und ihre Kunden im In- und Ausland. Und über die Schwierigkeiten mit immer neuen gesetzlichen Vorgaben. Ganz aktueller Stein des Anstoßes: die neue Verpackungsverordnung der Europäischen Union. Sie bringt bürokratischen Zusatzaufwand und Unsicherheiten in der konkreten Umsetzung.
Sören Voigt hört aufmerksam zu und überlegt, wie er helfen kann. An der EU-Verordnung kann die Landespolitik nichts ändern. Aber er werde zeitnah mit dem Europaabgeordneten Oliver Schenk und der IHK sprechen. "Wir müssen schauen, dass man unseren Mittelstand bei der Umsetzung noch besser unterstützen kann." Der Abgeordnete ist in seinem Element. In den zurückliegenden Jahrzehnten hat er ein riesiges Netzwerk an persönlichen Kontakten aufgebaut und weiß, wer mit wem reden muss, um Dinge voranzubringen. Nach knapp zwei Stunden und einem Rundgang durch die Produktionshallen heißt es aufbrechen zum nächsten Termin.
Peter Hallbauer von der Lebenshilfe Auerbach und Torsten Stolpmann von der Lebenshilfe Reichenbach erwarten den Politiker. Verabredet hatten sie den Austausch im Mai am Rande einer Demonstration vor dem Sächsischen Landtag, als 1 500 Menschen gegen Kürzungspläne im sozialen Bereich protestierten. "Strukturen sollen erhalten bleiben", betont Sören Voigt das Credo der Staatsregierung mit Blick auf die anstehenden Haushaltsberatungen in Zeiten klammer Kassen. Klar ist aber auch, dass im Freistaatgespart werden müsse. Wichtig sei es, notwendige Einschnitte klar und rechtzeitig zu kommunizieren, damit die Betroffenen reagieren und planen können. "Wir brauchen Mut zur klaren Entscheidung."
Die meiste Zeit im Gespräch nimmt auch hier die Forderung nach dem Abbau von Bürokratie ein. "Wenn wir das nicht schaffen, wird dieses Land zugrunde gehen", gibt Stolpmann dem Abgeordneten eindringlich mit auf den Weg. Das Gespräch findet in vertrauensvoller Atmosphäre statt. Die Beteiligten kennen sich seit Jahren. Zudem kann der Abgeordnete auf persönliche Erfahrungen zurückgreifen. Als junger Erwachsener leistete Sören Voigt seinen Zivildienst in einer Schule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung in Auerbach.
Weiter geht die Fahrt durchdas Vogtland. Der vielbeschäftige Politiker nutzt jede freie Minute zwischen den Terminen für Telefonate und das Checken von Nachrichten und E-Mails. Um den Ausschussvorsitz, die Aufgaben als parlamentarischer Geschäftsführer und die Wahlkreisarbeit
unter einen Hut zu bringen, bedarf es Fleiß und guter Organisation. "Und ein gutes Team", lächelt Voigt. Soeben hat sich geklärt, dass er heute Abend noch einen zusätzlichen Termin in Dresden
wahrnehmen wird. Es wird ein langer Tag.
Unsere nächste Station ist der Waldpark Grünheide. Der Abgeordnete möchte uns noch einen Einblick in das Kinder- und Jugenderholungszentrum (KiEZ) geben. Die Einrichtung ist eines von fünf Kiezen in Sachsen. Sie bieten Schulklassen, Vereinen und Jugendfreizeiten multifunktionale
Gruppenunterkünfte und viel Platz für Sport, Spiel und Erholung. Seit Mai 2022 steht Sören Voigt als ehrenamtlicher Präsident an der Spitze des Landesverbandes Kinder und Jugenderholungszentren Sachsen. Mit Sylvia Ott vom Waldpark-Vorstand inspiziert er die Einrichtung. Die Anlage
sei gut ausgelastet, mit Fördermitteln des Landes konnten Unterkünfte modernisiert und schnelles Internet realisiert werden. Die beiden schauen noch am Spielplatz vorbei, wo rot-weißes Flatterband schon die anstehende Einweihung eines neuen Holzschiffes ankündigt. Schnell ist klar, dass hier alles auf einem guten Weg ist. Bleibt also noch Zeit für den Abgeordneten, die Seilbahn nebenan auszuprobieren.
"Das persönliche Gespräch mit den Menschen ist mir immens wichtig." Entscheidend sei dabei, Probleme klar zu umreißen und nicht mit anderen Sachen zu beschweren, erläutert Voigt sein Verständnis von politischer Arbeit. "Ich höre mir grundsätzlich alle Argumente an und mache den Bürgern keine falschen Versprechungen." Die knappe Freizeit verbringt der Abgeordnete mit seiner Familie und beim Sport. Der Vogtländer ist ein leidenschaftlicher Läufer. Dafür braucht es Kondition und Durchhaltevermögen, genau wie in der Politik.
Autorin: Katja Ciesluk