Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus mit Jacek Zieliniewicz – Gedenkveranstaltung am 27. Januar 2017

Pressemitteilung 8/2017 vom 24.01.2017

Mit einer gemeinsamen Veranstaltung gedenken der Sächsische Landtag und die Staatsregierung am Freitag, dem 27. Januar 2017 um 10:00 Uhr im Sächsischen Landtag (Plenarsaal) der Opfer des Nationalsozialismus.

Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler und Ministerpräsident Stanislaw Tillich werden zu Beginn der Gedenkstunde Grußworte an die mehr als 350 Gäste richten. Die Gedenkrede hält der Zeitzeuge Jacek Zieliniewicz aus Polen. Die Landesbühnen Sachsen führen Ausschnitte aus der Mono-Oper "Das Tagebuch der Anne Frank" auf.

Neben Repräsentanten aus Politik und öffentlichem Leben werden auch viele Vertreter von Opferverbänden sowie Bürgerinnen und Bürger erwartet. Zu den Gästen gehören außerdem zwei sächsische Schulklassen der Dresdner Gymnasien St. Benno und Bürgerwiese.

Die Vertreter der Medien sind herzlich eingeladen.

Gedenkredner Jacek Zieliniewicz
Jacek Zieliniewicz, Jahrgang 1926, ist oft an deutschen und polnischen Schulen unterwegs, um als einer der letzten Zeitzeugen über seine leidvollen Erfahrungen während des Nationalsozialismus zu sprechen. Zieliniewicz wurde 1943, im Alter von 17 Jahren, zunächst nach Auschwitz-Birkenau, später in das Konzentrationslager Dautmergen bei Rottweil gebracht, wo er die katastrophalen Lebens- und Arbeitsbedingungen sowie schließlich die Todesmärsche im April 1945 knapp überlebte. Bis heute hat er es sich zur Aufgabe gemacht, seine Erinnerungen weiterzugeben und zugleich unermüdlich die Hand zur Versöhnung zu reichen: "Es gibt nicht böse und gute Nationen, es gibt nur gute und böse Menschen. Und in jeder Nation gibt es solche und solche", so Zieliniewicz. Ein besonderes Anliegen ist es ihm, der jungen Generation mit auf den Weg zu geben, dass diese nicht für die Vergangenheit, wohl aber für die Zukunft verantwortlich ist.

Mono-Oper "Das Tagebuch der Anne Frank", Landesbühnen Sachsen
Etliche Publikationen, Filme und Theaterstücke reflektieren das Schicksal der jugendlichen Anne Frank, die sich mit ihrer Familie von Juli 1942 bis zur Verhaftung durch die Gestapo im August 1944 in einem Amsterdamer Hinterhaus versteckt hielt. Anne Franks Tagebucheinträge aus dieser Zeit, ihre "Briefe" an die fiktive Freundin Kitty, tragen wie kaum ein anderes Werk die zeitlose Botschaft von Frieden, Gerechtigkeit und Humanismus an jede Generation neu in die Welt hinaus. Der russische Komponist Grigori Frid hat die Texte seines Librettos fast wortgetreu aus dem Original übernommen und es in eine musikalisch-lyrische Erzählung integriert, deren Emotionsgehalt der Tragik des Geschehens und der Ausdruckskraft Anne Franks Rechnung trägt. In knappen Bildern entfaltet sich im Werk die Schilderung ihrer Erlebnisse. Die Landesbühnen Sachsen inszenieren die mono-dramatische Oper für eine Sängerin als Klassenzimmerstück und verschaffen so der Stimme Anne Franks vor einem jungen Publikum Gehör.

Hintergrund
Der 27. Januar ist in der Bundesrepublik Deutschland nationaler Gedenktag zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus. Er wurde vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog 1996 proklamiert. Seit 2006 gedenken der Sächsische Landtag und die Staatsregierung jedes Jahr an diesem Tag der Opfer mit einer gemeinsamen Veranstaltung im Plenarsaal des Sächsischen Landtags.