16. Jugendgeschichtstag - Digitale Premiere

Titelbild des Films zum Jugendgeschichstag 2020

Titelbild des Films zum Jugendgeschichstag 2020

Veranstaltung am 20.11.2020

Ein vollbesetzter Plenarsaal, aufgereihte Projektstände sowie eine quirlige Schaar Jugendlicher: Dieses Bild zeigte sich bisher den Besucherinnen und Besuchern der jährlich im Sächsischen Landtag stattfindenden Jugendgeschichtstage. 2020 blieb der große Trubel aus. Die Veranstaltung der Sächsischen Jugendstiftung verlagerte sich aufgrund der Corona-Pandemie vom Parlament ins Internet.

Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler bei der Aufzeichnung seines Grußwortes im Plenarsaal

Grußwort von Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler

Junge Spurensucher entdecken regionale Geschichte in Sachsen

Im Jahr 2020 beteiligten sich wieder zahlreiche Projektgruppen mit 260 jungen Menschen aus allen Teilen Sachsens am Jugendgeschichtstag, um sich mit der Geschichte ihrer Heimat zu beschäftigen. In diesem Jahr überschlugen sich aufgrund der Corona-Pandemie allerdings die Ereignisse. Die Teams mussten die Umsetzung ihrer Geschichtsprojekte ständig an neue Situationen anpassen. Dies war nicht immer leicht und trotzdem sind sie, ob digital oder mit Abstand, auf Entdeckungsreise in ihrer Region gegangen. Der Höhepunkt der „Spurensuche“, die jährlich im November stattfindenden Jugendgeschichtstage, konnte in diesem Jahr ebenfalls nicht wie gewohnt im Sächsischen Landtag stattfinden. Um die Arbeit der Jugendlichen in trotzdem zu würdigen, wurde zum ersten Mal ein digitaler Jugendgeschichtstag durchgeführt.

In einer Videobotschaft begrüßte Schirmherr Dr. Matthias Rößler, Präsident des Sächsischen Landtags, die Teilnehmer. Er dankte den Jugendlichen für ihr Engagement und erinnerte sie daran, dass Geschichte kein totes Gestern sei, sondern man immer mittendrin stünde. Anerkennung für die geleistete Arbeit der jungen Heimatforscher gab es auch von der Sächsischen Staatsministerin für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt, Petra Köpping. Per Video kam ebenso die Fachjury des Programms zu Wort und verlieh traditionell wieder drei Jugendgeschichtspreise in Form eines Pokals.

Person schaut durch eine Kamera mit Objektiv

Auf Spurensuche: Geschichtswerkstatt des Alten Gasometer Zwickau e. V.

Die Preisträger

Das Spurensuche-Team des Janusz-Korczak-Haus der Diakonie Libera aus Görlitz erhielt für ihr Engagement und ihre Forschung über den Juden und Namensgeber ihres Hauses einen dieser Preise. Die Jugendgruppe recherchierte über sein Leben, seine pädagogischen Ideen und Ansätze sowie über jüdisches Leben in Görlitz. Sie fanden heraus, dass für Janusz Korczak Kinderrechte, Kinderparlament und Kindergericht nicht nur graue Theorie war, sondern in den Waisenhäusern, die er leitete, auch praktisch gelebt wurde. 1942 ließ der Pädagoge, Schriftsteller und Erzieher nach der Räumung des Waisenhauses im Warschauer Ghetto durch die SS seine 200 Kinder nicht im Stich. Er bestieg mit ihnen den Zug ins Vernichtungslager Treblinka. Die Recherchen und Ergebnisse hielten die Jugendlichen in einer Ausstellung fest.

Ebenso konnte sich die Geschichtswerkstatt des Alten Gasometer Zwickau e. V. über einen Preis freuen. Die Jugendlichen setzten sich zum Ausklang des Festzyklus „30 Jahre friedliche Revolution – 30 Jahre Deutsche Einheit“ mit der Geschichte des SED-Regimes und seiner Machtstrukturen auseinander. Dabei beschäftigte sich die Jugendgruppe mit dem Stasi-System in Zwickau, fuhr die Stasiobjekte und konspirativen Wohnungen in ihrer Stadt ab und dokumentierten sie anschließend. Den Jugendlichen war es wichtig, das Thema aufzuarbeiten sowie den Bürgerinnen und Bürger in Zwickau mit ihren Recherchen etwas zurückzugeben. Neben der physischen Dokumentation soll eine digitale Stadtkarte entstehen, die dann der Öffentlichkeit nachhaltig zugänglich gemacht wird.

Der dritte Preis ging an die Kinder- und Jugendbeteiligung in Colditz. Das Team entdeckte nach einer Stadtführung ein altes Gemäuer. Die abgelegene Lage und die zugewachsenen Treppen faszinierten die Jugendlichen und so begannen sie zu recherchieren. Nur wenige Colditzerinnen und Colditzer konnten auf Nachfrage eine Antwort geben und nach einem Besuch im Archiv fanden sie schließlich heraus, dass es sich um ein im Jahre 1930 fertiggestelltes Ehrenmal handelte. Sie entdeckten mehr über das Monument, setzten sich mit diesem und seiner Bedeutung auseinander und arbeiteten mit ortsansässigen Firmen zusammen, um es zu erhalten. Ihre Intension ist es einen Platz zu schaffen, welcher zum Rasten, Entspannen, Erholen aber auch zum Nachdenken einlädt.

Projektpräsentation im Internet

Projektpräsentation im Internet

Hoffnung für das neue Jahr

Neben dem digitalen Jugendgeschichtstag konnte auch ein 45-minütiger Film über alle diesjährigen Geschichtsprojekte realisiert werden, der die Arbeit der Spurensuche-Teams vorstellt und allen Interessierten zugänglich ist. Der Film hatte zum digitalen Jugendgeschichtstag Premiere und kann auf der Homepage der Sächsischen Jugendstiftung angesehen werden.

Trotz der erfolgreichen Durchführung des digitalen Jugendgeschichtstages hoffen alle Spurensucher darauf, sich im nächsten Jahr, zu den 17. Jugendgeschichtstagen im Sächsischen Landtag wieder live begegnen zu können, voneinander zu lernen und ihre Projekte allen Interessierten vorzustellen.

Hintergrund "Spurensuche"

Im Mittelpunkt des Jugendprogramms der Sächsischen Jugendstiftung steht die Auseinandersetzung mit der Geschichte der eigenen Heimatregion. Unter dem Titel „Spurensuche“ bietet es den Jugendlichen die Möglichkeit, spannende, überraschende und jugendgerechte Antworten auf Fragen zu historischen Ereignissen, Personen oder Gegenständen ihrer Umgebung zu finden und neue Kompetenzen zu erwerben. Denn wer die Geschichte der eigenen Heimat kennt, kann ihre Gegenwart und Zukunft mitgestalten.