Verleihung der Verfassungsmedaille 2020

Fahnen vor dem Ständehaus

Fahnen vor dem Ständehaus

Veranstaltung am 18.07.2020

Am 18. Juli 2020 zeichnete Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler im Dresdner Ständehaus sieben Persönlichkeiten mit der Sächsischen Verfassungsmedaille aus. Mit der Medaille werden Männer und Frauen geehrt, die sich auf sozialem, künstlerischem, wissenschaftlichem, wirtschaftlichem oder politischem Gebiet besonders um die Werte der Sächsischen Verfassung verdient gemacht haben.

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Ansprache des Landtagspräsidenten Dr. Matthias Rößler

Ehrungen für freiheitlich-demokratisches Handeln

 

Alles war fast wie immer, und doch war die zurückliegende Verleihung der Sächsischen Verfassungsmedaille außergewöhnlich. Zum ersten Mal seit Beginn der Corona-Pandemie lud der Sächsische Landtags wieder zu einer Festveranstaltung ein, wenn auch unter den gebotenen Vorkehrungen des Gesundheitsschutzes. Der feierlichen Stimmung im Großen Saal des Ständehauses tat dies keinen Abbruch.

 

In seiner Ansprache zu Beginn griff Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler die gegenwärtigen Herausforderungen noch einmal auf. Politische Traditionen, wie die heutige Ehrung, würden gerade in der jetzigen Zeit ein wichtiges Zeichen setzen. Schließlich sei besonders die Verfassung ein Kompass, wie ihn unsere Gesellschaft in unsicheren Zeiten benötige. Die diesjährigen Trägerinnen und Träger der Verfassungsmedaille hätten bewiesen, dass man nicht nur in schwierigen, sondern auch in den scheinbar einfachen Zeiten entschieden zur demokratischen Entwicklung Sachsens beitragen kann. Der Landtagspräsident rief zugleich dazu auf, dass die Verfassung auch zukünftig auf Menschen angewiesen sei, die ihre Werte mit Leben füllten.

Die Verleihung begleitete das Violinen-Duo Anna Kosiorek und Aleksandra Kosiorek. Die beiden Musikerinnen ließen unter anderem klassische Werke von Johann Sebastian Bach und Johann Pachelbel erklingen.

Preisträger 2020 bei der Ehrung durch den Landtagspräsidenten: Stefan Fraas, Dr. Matthias Rößler, Prof. Dr. Rosemarie Pohlack, Heinz Galle, Dorit Seichter, Friedrich-Wilhelm von Rauch, Roland Ermer (v. l.n. r.)

Preisträger Dr. Mordechay Lewy konnte leider nicht persönlich an der Feierstunde teilnehmen.

Sächsische Verfassungsmedaille 2020 für:

Roland Ermer (Bernsdorf)

Der Bäckermeister setzt sich seit Beginn seines Berufslebens für die Belange des Handwerks ein. Bereits in jungen Jahren leitete er den elterlichen Bäckereibetrieb und übernahm als Kreisobermeister öffentliche Verantwortung für seinen Berufsstand. Seit 2011 ist Ermer Präsident des Sächsischen Handwerkstages. In dieser Spitzenfunktion sorgt er dafür, dass Wissen bewahrt und Traditionen gepflegt werden. Vor allem die Nachwuchsarbeit liegt ihm am Herzen. In gleicher Mission ist Ermer auch außerhalb des Handwerks aktiv, etwa im MDR-Rundfunkrat oder im Vorstand seiner Kirchgemeinde.

 

Stefan Fraas (Plauen)

Fraas leitet als Generalmusikdirektor die Vogtland Philharmonie. In der Zusammenlegung der Orchester aus Greiz und Reichenbach vor 25 Jahren sah er schon damals weniger einen Verlust als eine Chance, etwas Neues zu bewegen. Heute ist die Vogtland Pilharmonie das musikalische Rückgrat einer ganzen Region. Stefan Fraas möchte, dass die Musiker möglichst nah an der Lebenswirklichkeit der Menschen spielen. Dazu gehört für ihn die Aufgabe, mit dem Orchester jüngeres Publikum anzuziehen.

 

Heinz Galle (Schildau)

Heinz Galle macht es sich seit vielen Jahren zur Lebensaufgabe, das in der DDR verübte Unrecht aufzuarbeiten und daran zu erinnern. Mit gerade einmal 19 Jahren sperrte man ihn aus politischen Gründen in ein Arbeitslager. Die Folgen der Haftbedingungen spürt er bis heute. Heinz Galle blieb seinen Überzeugungen stets treu und beteiligte sich im Herbst 1989 aktiv an der Friedlichen Revolution. Seit 1991 ist er Mitglied in der Vereinigung der Opfer des Stalinismus und amtiert seit 2012 als Landesvorsitzender. In seiner ehrenamtlichen Funktion kümmert er sich um insgesamt 6000 politische Opfer und Opfergruppen.

 

Dr. Mordechay Lewy (Bonn)

Lewy setzte sich während seiner Zeit als israelischer Generalkonsul in Berlin für den Neuaufbau der jüdischen Gemeinden in Ostdeutschland ein. Zudem war er federführend an der Gründung des Leipziger Simon-Dubnow-Instituts beteiligt. Es erforscht seit 1995 Kultur und Geschichte des mitteleuropäischen Judentums und fördert in dieser Weise das jüdische Leben des Freistaates Sachsen in Geschichte und Gegenwart.
Aus gesundheitlichen Gründen konnte er bei der Verleihung allerdings nicht anwesend sein.

 

Prof. Dr. Rosemarie Pohlack (Radebeul)

Pohlack leitete 17 Jahre das Landesamt für Denkmalpflege und war zugleich Landeskonservatorin des Freistaats Sachsen. In ihrem Wirken war die Professorin stets um einen Denkmalschutz mit Augenmaß bemüht. Sie trat für starke kommunale Denkmalbehörden ein, um die Kenntnisse und Notwendigkeiten vor Ort richtig zu bewerten. Ihr Engagement galt sowohl sächsischen Schlössern, als auch Herrensitzen, privaten Einzeldenkmalen oder ganzen Altstadtensembles wie z. B. in Görlitz. Mit historischen und wissenschaftlichen Kenntnissen prägte Rosemarie Pohlack zudem den Wiederaufbau des Dresdner Residenzschlosses.

 

Friedrich-Wilhelm von Rauch (Berlin)
In ihm haben Kunst und Kultur in Sachsen seit vielen Jahren ein ebenso passionierter wie engagierter Anwalt gefunden. Als Geschäftsführer der Ostdeutschen Sparkassenstiftung knüpft er mit schier unendlicher Energie Kontakte zu verschiedensten Förderern. Seit 1996 flossen auf diesem Wege insgesamt rund 39 Millionen Euro in sächsische Bau- und Kunstgeschichte. Ein frisches Antlitz bekamen etwa die neuen Museumsräume im Meißner Dom oder der Holzflügelaltar der Frauenhainer Kirche. Zudem erhielt die Leipziger Nikolaikirche im Jahr 2019 dank der Förderungen sechs neue Glocken, zwei weitere wurden restauriert.

 

Dorit Seichter (Zwickau)

Demokratiekompetenz braucht glaubwürdige Vermittler und Vermittlerinnen. Eine von ihnen ist Dorit Seichter, die im Rahmen einer zeithistorischen Vortrags- und Diskussionsreihe immer wieder hochkarätige Referenten an ihre Schule holt. In den Beiträgen geht es unter anderem um Themen der deutschen Zeitgeschichte, um die DDR-Diktatur, um Vergangenheitsbewältigung und unser Verhältnis zu Israel, um Demokratie, Recht und Freiheit. Dorit Seichter beleuchtet darüber hinaus in einem Schülerprojekt das Schicksal der jüdischen Bürgerinnen und Bürger in Zwickau.

Die Sächsische Verfassungsmedaille ist aus Silber und erinnert an die Friedliche Revolution.

Hintergrund zur Sächsischen Verfassungsmedaille

Am 26. Mai 1997, fünf Jahre nach der Verabschiedung der Sächsischen Verfassung, stiftete der damalige Landtagspräsident Erich Iltgen zur Erinnerung an die friedliche Revolution im Herbst 1989 die Sächsische Verfassungsmedaille. Seitdem verleiht der Präsident des Sächsischen Landtags die Auszeichnung jährlich an Bürgerinnen und Bürger, die sich in besonderer Weise um die freiheitlich-demokratische Entwicklung des Freistaats Sachsen verdient gemacht haben. Sie ist neben dem Sächsischen Verdienstorden die wichtigste staatliche Auszeichnung, die in Sachsen verliehen wird.

Die Sächsische Verfassungsmedaille ist aus Silber. Auf der Vorderseite trägt sie das Wappen des Landtags sowie die Inschrift „Sächsische Verfassung – 26. Mai 1992 – Für besondere Verdienste“. Rückseitig erinnern fünf brennende Kerzen sowie der Ausspruch „Wir sind das Volk“ an die friedliche Revolution.

Bislang haben 169 Männer und Frauen die Sächsische Verfassungsmedaille erhalten.