15. Sächsische Jugendgeschichtstage

Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois beim Rundgang über den Projektemarkt 2019

Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois beim Rundgang über den Projektemarkt 2019

Veranstaltung vom 21.11.2019 bis 22.11.2019

Motivierte Entdecker, außergewöhnliche Geschichten, wissbegierige Kinder und Jugendliche: Das waren die 15. Jugendgeschichtstage am 21. und 22. November 2019 im Sächsischen Landtag. Auch in diesem Jahr waren zahlreiche Projektgruppen auf Spurensuche quer durch Sachsen. Dabei hinterfragten sie das Leben ihrer Vorfahren, erforschten und erkundeten regionale und historische Ereignisse und wichtige Persönlichkeiten der Zeitgeschichte.

Projektvorstellung beim Jugendgeschichtstag 2019

Hintergrund der Veranstaltung

Die Sächsischen Jugendgeschichtstage sind der Höhepunkt des Jugendprogramms „Spurensuche“ der Sächsischen Jugendstiftung. Die Jugendgeschichtstage werden in Kooperation mit dem Sächsischen Landtag ausgerichtet und als zweitägige Veranstaltung umgesetzt.

Am ersten Tag der Veranstaltung war der Sächsische Landtag Ausgangspunkt für eine Reihe von Workshops und Exkursionen. Am darauffolgenden Tag fand der Projektemarkt statt. Dafür legten sich die Spurensucher ordentlich ins Zeug und dürften ihrer Kreativität freien Lauf lassen.

Gute Stimmung gleich zu Beginn

Eingeleitet wurde der Projektmarkt durch ein Improvisationstheater, bei dem die Kinder und Jugendlichen ihre Gedanken und Ideen einfließen lassen konnten und so das Handeln der Schauspieler auf der Bühne lenkten. Das sorgte für eine lockere und entspannte Atmosphäre beim Publikum. Anschließend eröffnete die erste Vizepräsidentin des Landtags, Frau Andrea Dombois, feierlich den Projektemarkt. In ihrer Rede erinnerte sie an die Grundlagen unserer heutigen Demokratie und das friedliche Zusammenleben miteinander.

„Es braucht mehr als nur Erzählungen“

Während des Rundgangs durch den Projektmarkt wurde die Vizepräsidentin selbst aktiv. Mit einer alten Kaffeemühle malte sie beispielsweise ihren eigenen Kaffee. An einer anderen Station erzählt sie den Jugendlichen, wie sie den Mauerfall in ihrer Heimat wahrgenommen hat. Dabei stellt sie würdigend fest:
„Das ist ein gutes Projekt, weil die Kinder so ganz andere Eindrücke gewinnen, wenn sie selbst in die Welt eintauchen. Nur über die Geschehnisse erzählen reicht nicht aus.“

Stolperstein-Projekt für Verständnis und Toleranz
Die Schülerinnen und Schüler der Montessori-Schule in Chemnitz beschäftigten sich intensiv mit der jüdischen Geschichte in Chemnitz. Genauer befassten sie sich mit Alice Glaser. Sie war die Gründerin des ersten Montessori-Kinderhauses in den 1920er Jahren in Chemnitz und setzte sich im Laufe ihres Lebens für die jüdische Bevölkerung ein.
Bei der Recherche stießen die Spurensucher auf eine Ur-Enkelin von Alice Glaser, die in Amerika lebt. Sie bauten Kontakt auf und schilderten ihr das Stolperstein-Projekt. Das Bemerkenswerte: die Amerikanerin hatte keine Ahnung über das Wirken ihrer Ur-Großmutter und war begeistert über die Geschichte. Mit tatkräftiger Unterstützung sammelten die Chemnitzer Schülerinnen und Schüler Geld für die Anreise der Ur-Enkelin nach Deutschland.

Mit ihrem Projekt setzen sie sich für die Realisierung eines Stolpersteins für Alice Glaser ein. Zudem heben sie die Wichtigkeit eines Themas besonders hervor: das Verständnis und die Toleranz gegenüber der jüdischen Kultur und Religion.

Für die Jugendgeschichtstage wurden zwei lange, selbst bemalte Banner auf dem Boden des Foyers ausgelegt. Die fünf Schülerinnen Abygail, Emma, Lilly, Lotta und Selina berichteten sehr euporisch und detailliert über ihre erfolgreiche Arbeit.  

Virtuelle Realität in Rochlitz

Im Schloss Rochlitz fühlen sich die Besucher zurückversetzt in eine Zeit verschiedener Epochen der Geschichte und erleben eine Reise durch die Vergangeheit. Die Jugendlichen entwickeln hier ein sogenanntes „Exit-Game“. Die Besucher setzen dabei eine besondere Brille auf, mit der eine virtuelle Realität erzeugt wird. Die Räume des Schlosses werden dadurch mit unterschiedlichen Tapeten- und Deckenverzierungen authentisch dargestellt und bieten somit ein einmaliges Erlebnis für Jung und Alt.

Zudem werden die Abenteuerlustigen mit Rätseln und Geheminissen zum Schloss konfrontiert, die sie lösen müssen, um den Weg aus dem Schloss zu finden.

Für die Realisierung ihres Projekts trafen sich die Spurensucher jeden Donnerstag nach der Schule im Schloss. Gemeinam sammelten sie Ideen für die Umsetzung des Spiels und bastelten ein tolles Bühnenbild für die Jugendgeschichtstage. Außerdem verkleideten sie sich im Stile echter Burgdamen und –herren, Hofnarren und Ritter.

Nicht nur die Jugendlichen sind begeistert von ihrer Arbeit. Die Museumsdirektorin des Schlosses ist sehr glücklich, in welchem Rahmen sich die Kids einsetzen und hebt ihr Engagement hervor:

„Jugendliche aus der Region, die sich für die Geschichte des Schlosses interessieren und für den Erhalt einsetzen - es gibt nichts besseres“.

Großartige Leistungen aller Spurensucher

Das Engagement aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer war auch in diesem Jahr wieder sehr beeindruckend. Sie haben sich intensiv mit den Projekten beschäftigt, Informationen eigenständig recherchiert, für ihre Projekte gebastelt und Kulissen aufgebaut, um ihr Wissen anschaulich zu vermitteln.

Die Kinder und Jugendlichen hatten bei der Ausarbeitung ihrer Projekte großen Spaß und stellten mit viel Freude die Arbeit der letzten Wochen und Monaten vor. Sie waren sehr stolz auf ihr Geleistetes und sich selbst. Und das ist die Besonderheit dieser Veranstaltung: in einer Gemeinschaft über historische Ereignisse, Personen und Geschehnisse voneinander lernen und das Wissen anschließend weitergeben.