Ein Tag mit Dr. Claudia Maicher

Vorsitzende des Ausschusses für Wissenschaft, Hochschule, Medien, Kultur und Tourismus

„Nur wenn wir etwas verändern, können wir auch in Zukunft gut leben.“

Wann immer es möglich ist, fährt Claudia Maicher mit dem Fahrrad zu ihren Terminen.

„Endlich ist es wieder möglich, die Menschen persönlich zu Gesprächen zu treffen“, freut sich Claudia Maicher sichtlich, als wir Mitte Juni vor dem Universitätsarchiv Leipzig aufeinandertreffen. Der intensive Austausch mit der Fachöffentlichkeit und den Menschen in ihrem Wahlkreis liegt der profilierten Hochschul-, Wissenschafts- und Kulturpolitikerin sehr am Herzen. Seit knapp 18 Monaten ist Maicher Vorsitzende des entsprechenden Ausschusses im Landtag, der damit erstmals von einer Abgeordneten der GRÜNEN geführt wird.

Seit 2005 engagiert sich die Wahlleipzigerin bei den GRÜNEN, lernte dort das politische Handwerk von der Pike auf und gestaltete als Landesvorsitzende (2010 bis 2014) die Geschicke ihrer Partei in verantwortlicher Position mit. „Wir stehen vor großen gesellschaftlichen Herausforderungen und ich möchte aktiv daran mitwirken, Antworten darauf zu finden und Lösungsvorschläge zu erarbeiten.“, umreißt Claudia Maicher ihren politischen Antrieb. „Nur wenn wir etwas verändern, können wir auch in Zukunft gut leben.“ Gut bedeute dabei für sie, sich für eine vielfältige, freie und auf Nachhaltigkeit bedachte Gesellschaft einzusetzen.

2014 zog die promovierte Soziologin erstmals in den Sächsischen Landtag ein. Fünf Jahre später gelang es der Politikerin, das Direktmandat in ihrem Wahlkreis im Leipziger Westen zu gewinnen. „Darüber habe ich mich sehr gefreut. Es bedeutet aber auch zugleich noch mehr Verantwortung für die konkreten Anliegen der Bürgerinnen und Bürger auch jenseits meiner Fachthemen.“

„Zunächst nur Ihr Wohlwollen“

Mit Dr. Jens Blecher, Direktor des Universitätsarchivs Leipzig, tauschte sich die Abgeordnete über Digitalisierung aus.

Heute knüpft sie Kontakt mit Dr. Jens Blecher, dem Direktor des Universitätsarchivs Leipzig. Mehrfach war der Termin verschoben worden - das Kennenlernen sollte von Angesicht zu Angesicht stattfinden. Fast zwei Stunden nimmt sich die Politikerin Zeit, um mit Blecher über die Digitalisierung in Archiven zu sprechen. „Das Gefälle in diesem Bereich ist enorm,“ berichtet Blecher, der mit seinem Haus Vorreiter auf diesem Gebiet ist und sein Knowhow seit Jahren u. a. an kleine kommunale Archive weitergibt. Mit geringem finanziellen Aufwand lasse sich doch so Vieles umsetzen, verblüfft der umtriebige Hausherr seine Gesprächspartnerin.

Blecher nutzt das Gespräch, um die Abgeordnete für seine neueste Idee zu gewinnen – den Aufbau eines gemeinsamen digitalen Archivs der sächsischen Hochschulen. Der Ansatz gefällt Maicher: „Wir müssen viel mehr zusammenarbeiten.“ Was es dafür von Seiten der Politik brauche, hakt sie nach, um den konkreten Handlungsbedarf zu eruieren. „Zunächst nur Ihr Wohlwollen“, überrascht Blecher die Abgeordnete schon wieder. Um dann doch nachzuschieben, dass perspektivisch eine moderate Grundfinanzierung seitens des Freistaates wünschenswert sei.

Maicher hört aufmerksam zu und versucht, den Wunsch gedanklich schon in einen der nächsten Landeshaushalte einzusortieren. Die intensive monatelange Arbeit am jüngst verabschiedeten Etat für den Freistaat hat sie und ihre Fraktion zuletzt sehr geprägt. „Mehr Geld für die Kulturräume und für die Hochschulen“, nennt sie zwei Anliegen, an deren Umsetzung sie erfolgreich mitgewirkt habe.

Auf Nachbarschaftstour im Wahlkreis

Auf ihrer Nachbarschaftstour trifft Claudia Maicher Thilo Egenberger in der Markthalle Plagwitz.

Weiter geht es mit dem Rad quer durch die Messestadt in Maichers Wahlkreis im Leipziger Westen. Vor wenigen Tagen konnte sie nach der pandemiebedingten Zwangspause endlich wieder ihre Nachbarschaftstour starten. Vor Ort informiert sich die Politikerin über Anliegen und Vorhaben der Menschen und Initiativen in ihrem Umfeld und erkundet so, wo sie unterstützen kann.

In Plagwitz erwarten Thilo Egenberger und Julia Wolff die Abgeordnete vor ihrer Markthalle. Von hier vertreiben sie mit ihrem Team regionale Lebensmittel und Getränke, die sie zum Teil auch selbst produzieren und organisieren jeden Freitag und Samstag einen Wochenmarkt, auf dem lokale Erzeuger ihre Produkte anbieten. „Das Bewusstsein der Menschen für regionale Produkte ist gestiegen“, freut sich Thilo Egenberger. Während der Pandemie habe sich der Zuspruch deutlich gesteigert, weiß er der Abgeordneten zu berichten. Ein kleiner Lichtblick in den zurückliegenden wirtschaftlich herausfordernden Monaten. Maicher kennt das Unternehmerpaar bestens, dessen Philosophie von Nachhaltigkeit, partnerschaftlichem Miteinander und Klimaschutz sich perfekt mit ihrer eigenen politischen Agenda deckt. Schnell ordert sie noch neue Flyer, um den Wochenmarkt auch in ihrem Büro zu bewerben, bevor es Zeit zum Aufbruch ist.

Zwischenfinanzierung gesucht

Nach wenigen Minuten erreichen wir Maichers Wahlkreisbüro. Der GRÜNE Raum am Kanal ist ein Ort der Begegnung. Normalerweise finden hier regelmäßig Ausstellungen, Diskussionsveranstaltungen oder Vereinstreffen statt. „Ich hoffe, dass das bald wieder losgeht“, erzählt Maicher, bevor sie mit ihrer Mitarbeiterin anstehende Termine und Aufgaben bespricht. Das Spektrum reicht von vorzubereitenden Reden für das kommende Plenum über die Teilnahme an einer Müllbereinigungsaktion bis zur Koordination des nächsten Newsletters.

Während ihre Mitarbeiterin in den sozialen Medien über den bisherigen Arbeitstag informiert, nimmt sich Claudia Maicher Zeit, um ihr Verständnis von Politik zu beschreiben. Sie stehe vor allem für Inhalte und sachliche Argumente. „Und es ist mir wichtig, ehrlich zu kommunizieren und den Menschen im Wahlkreis nichts zu versprechen, was ich nicht halten kann“, so Maicher. Die wenige Freizeit, die ihr Engagement als Vollblutpolitikerin ermöglicht, verbringt die dreifache Mutter am liebsten mit ihrer Familie und ihren Freunden. Und künftig vielleicht auch vor den Tasten. „Ich möchte gern das Klavierspielen lernen“, verrät die 43-Jährige.

Dann wird es zum Abschluss des Tages doch noch virtuell. Die Hochschulpolitikerin ist zum Zoom-Meeting mit Dr. Hamidi, Leiter des Forschungszentrums für Entwicklungskommunikation an der Universität Leipzig, verabredet. Das Institut forscht dazu, wie Kommunikation den nachhaltigen und sozialen Wandel in der Gesellschaft befördern kann. Um die Arbeit zu verstetigen, bespricht der Forscher mit Maicher Finanzierungsmöglichkeiten, um die Zeit zu überbrücken, bis sich das Institut über Drittmittel selbst tragen könne. Regelmäßig werde sie nach Förderungen für innovative Forschungsvorhaben gefragt, erzählt Maicher. Wie auch heute im Gespräch mit Hamidi, denkt sie in alternativen Lösungsansätzen. „Ich werde mich schlau machen, welche Programme es für solche Zwischenfinanzierungen gibt“, sichert Maicher ihrem Gesprächspartner zu. „Mehr kann ich hier im Moment nicht versprechen.“