Ein Tag mit Simone Lang

Vorsitzende des Petitionsausschusses

Gespräche vor Ort sind ein unerlässlicher Bestandteil der Arbeit von Abgeordneten.

„Sich-Kümmern: Das motiviert mich als Politikerin und Krankenschwester“
 

Es ist keine typische Politikkarriere, die Simone Lang im Jahr 2014 erstmals als Abgeordnete für die SPD in den Parlamentsbetrieb spült. 25 Jahre als Krankenschwester und vier Jahre Parteimitgliedschaft liegen damals hinter der Schwarzenbergerin. Sie hatte und hat bis heute keine Mandate auf Kommunalebene inne. Aufgrund ihres soziales Engagements war die Partei auf die quirlige Frau aus dem Erzgebirge aufmerksam geworden. Wir haben Simone Lang bei ihrer Arbeit in ihrer Heimat begleitet.

Am meisten wurde wohl sie selbst vor sechs Jahren von ihrem Einzug in den Sächsischen Landtag überrascht. Auf Listenplatz 17 hatte sie damit nicht gerechnet. Erst durch einen Anruf des Oberbürgermeisters erfährt sie am Tag nach der Wahl, dass sie ins Parlament eingezogen ist. Sie selbst hatte den nächtlichen Wahlausgang verschlafen, um am Montag pünktlich ihrer Arbeit als Hospizkoordinatorin im Ambulanten Hospizverein Erlabrunn nachzugehen. Auch in den folgenden vier Wochen tut sie das, bis sie realisiert hat, dass dieser Lebensabschnitt zu Ende ist.

Wiedereinzug mit Verzögerung

September 2019: Lang ist die Wahlnacht für Simone Lang, der Wiedereinzug steht auf der Kippe. Diesmal entscheidet sie sich fürs Wachbleiben. Am späten Abend ist klar: Platz elf reicht nicht für den Wiedereinzug. Ihr fehlen 50 Stimmen. Dennoch schmiedet sie ehrenamtlich die erste Kenia-Koalition aus CDU, BÜNDNISRÜNE und SPD in einer Verhandlungsrunde mit. Glück im Unglück: Durch die Regierungsbeteiligung werden im Januar 2020 zwei Plätze in der SPD-Fraktion frei. Simone Lang "rückt nach".

Die Freude ist riesig, auch wenn sie weniger als Andere darauf angewiesen ist. Zwei interessante Jobangebote lagen Lang vor. Sie entscheidet sich aber unumwunden für die Politik. „Ich möchte mein aufgebautes Netzwerk nutzen, um mich weiterhin zu engagieren“, erzählt die Mutter von zwei erwachsenen Söhnen beim Mittagessen in ihrem Lieblingsrestaurant Köhlerhütte in Grünhain-Beierfeld. „Die ersten Jahre brauchte ich vor allem, um die parlamentarischen Spielregeln zu durchdringen und in die Schuhe einer Politikerin hineinzuwachsen.“

Simone Lang ist Vorsitzende des Petitionsausschusses. Hier übergibt sie eine Informationsbroschüre des Ausschusses in Leichter Sprache.

Vorsitz im Petitionsausschuss

Zurück in der sächsischen Landespolitik, übernimmt Lang den Vorsitz im Petitionsausschuss. Dieser ist mit 28 Mitgliedern nicht nur der größte Ausschuss, sondern auch ein sehr arbeitsreicher. Der Petitionsausschuss ist die unmittelbarste Schnittstelle zu den Anliegen der Bürgerinnen und Bürger, die sich mit ihren Sorgen und Nöten an das Gremium wenden können und davon hundertfach pro Jahr Gebrauch machen. Zuglieich ist sie Mitglied im Ausschuss für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt. Das freut die gelernte Krankenschwester besonders. "Hier kann ich mich meinen Herzensthemen widmen, die mich in den zurückliegenden Jahrzehnten auch beruflich begleitet haben."

Allerdings führte der erste Weg der Sozialpolitikerin nicht direkt in den Landtag, sondern ins Sozialministerium. Die Corona-Pandemie hält die Menschen in Atem und stellt auch die Politik seitdem vor eine in ihrer Dimension einmalige Herausforderung. Es ist aber auch die Zeit pragmatischer Lösungen in sächsischen Verwaltungsstuben.

Einblick ins Sozialministerium

Acht Wochen organisiert die Abgeordnete die sachsenweite Verteilung gespendeter Desinfektionsmittel der Beiersdorf AG. Lang war zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort und verfügt über die passenden Kontakte und Erfahrungen, um alle Beteiligten für einen schnellen und reibungslosen Ablauf zusammenzutrommeln. „Und ganz nebenbei habe ich so den Politikbetrieb aus der Sicht eines Staatsministeriums kennengelernt und viele neue Erkenntnisse gewonnen, die mir jetzt auch als Abgeordnete helfen“, erzählt Lang. Sorge mache ihr jedoch der zu sorglose Umgang von Einigen mit dem Virus. „Ich wünschte, Corona würde Pickel verursachen und die Gefahr wäre damit sichtbarer.“

Simone Lang ist vollblutengagiert und dabei - wie sie sich selbst zutreffend beschreibt - ein Herzensmensch, der alle Social Media mit dem Hashtag #herzmensch beendet. Bei ihr verlieren Worte wie Feierabend oder Wochenende schnell ihre Bedeutung.  60 bis 80 Wochenstunden habe sie in ihrer ersten Wahlperiode gearbeitet, schätzt Lang. Eine von Politikern häufig genannte Größenordnung. Jetzt habe sie sich mindestens ein politikfreies Wochenende pro Monat vorgenommen. Eigentlich…

Landtagsabgeordnete Simone Lang besucht die AWO-Kita Sonnenschein in Schwarzenberg.

Besuch in der Kita Sonnenschein

September 2020: Wir sitzen in der Kita Sonnenschein in Schwarzenberg. Betrieben wird die Einrichtung von der AWO Erzgebirge, der Lang vorsitzt. Die Politikerin möchte von Leiterin Stefanie Thomas wissen, wie die Kita bislang durch die Corona-Zeit gekommen ist und wo der Schuh vor Ort drückt. Mitgebracht hat sie Karsten Wilhelm, den Geschäftsführer der AWO Erzgebirge.

Die Runde bilanziert die Zeit von der Kitaschließung im März 2020 über die Organisation der Notbetreuung und den anschließenden eingeschränkten Regelbetrieb mit verkürzten Öffnungszeiten bis zur Rückkehr in den derzeitigen Normalbetrieb. „Wir haben ein Kontakthalteprogramm entwickelt, um mit unseren Schützlingen in Verbindung zu bleiben und die Eltern zu informieren“, erzählt die junge Kitachefin.

Die Kinder haben Ostergeschenke für das benachbarte Pflegeheim gebastelt, einen per Videobotschaft übermittelten Tanz einstudiert und mit selbstbemalten Steinen den Fußweg vor der Kita gestaltet. „Die Steine haben wir aufbewahrt, allerdings jetzt hinter statt vor dem Zaun. Draußen wurden sie gestohlen“, berichtet Stefanie Thomas. Die nicht in der Einrichtung benötigten Erzieherinnen nähten derweil für das Krankenhaus Erlabrunn Masken.

Kita- und AWO-Leitung waren derweil größtenteils mit den Allgemeinverfügungen, deren Umsetzung sowie der Kommunikation an die Eltern befasst. „Es gab sehr viele und sehr gute Informationen“ lobt Karsten Wilhelm. „Wenn diese aber in immer kürzeren Abständen mit veränderten Vorgaben und von mehreren Seiten gleichzeitig kommen, wird alleine das Lesen, Verstehen, Zusammenfassen und das Erreichen eines gemeinsamen Wissensstandes ob der geltenden Regelungen eine ziemliche Herausforderung.“

Seit September 2020 laufen die Einrichtungen zur Freude der Kinder und Eltern wieder im Vollbetrieb. „Allerdings sprengen jetzt die Ausgaben für Desinfektionsmittel den Haushalt“, lenkt Thomas das Gespräch auf ein unterschätztes Detail der aktuellen Hygienevorschriften.

Erfolge noch besser kommunizieren

Fünf Minuten bleiben noch, um ein Thema abseits von Corona zu besprechen.  2019 hat die damalige CDU/SPD-Koalition bis zu zwei Wochenstunden Vor- und Nachbereitungszeiten für die Erzieherinnen und Erzieher eingeführt, Wie kommt das denn eigentlich bei der Basis an, fragt Lang. „Sehr gut“ strahlt Stefanie Thomas. „Die Erzieherinnen können jetzt eine Mittagspause machen.“ Denn Arbeiten wie das Erstellen von Portfoliomappen, die Vorbereitung von Elterngesprächen sowie Dokumentationspflichten können nun in dieser Zeit erledigt werden. „Diese sind zudem extra im Dienstplan ausgewiesen“, ergänzt Wilhelm. „Das ist doch ein toller Erfolg, den wir viel stärker auch kommunizieren müssen“, stellt Simone Lang fest und gibt das ihrem Geschäftsführer als Aufgabe mit auf den Weg.

Austausch mit den Gästen der Tagespflege "Hutznstub"

Stippvisite in der „Hutznstub“

Nachmittags besuchen wir im Schwarzenberger Ortsteil Pöhla die Tagespflege „Hutznstub in dr Schul“. Simone Lang ist pflegepolitische Sprecherin ihrer Fraktion und – einziges weibliches – Mitglied im Vorstand der Dr. Willmar Schwabesche gemeinnützige Heimstättenbetriebsgesellschaft, die die Einrichtugn betreibt. Das Haus ist hell und liebevoll eingerichtet. An den Wänden hängen farbenfrohe Kunstwerke.

Von 7 bis 16 Uhr werden hier Seniorinnen und Senioren betreut. An diesem Nachmittag schallt laute Schlagermusik aus dem Aufenthaltsraum, es ist Musiknachmittag. Dass der anwesende Musiker zufällig der Ausbilder ihres jüngsten Sohnes ist, ist purer Zufall oder „einfach Dorf“, wie die Leute vor Ort sagen würden. Lang schaut vorbei, schwatzt mit den Betreuten und bespricht mit dem neuen Geschäftsführer Jörg Petzold Termine.

Nach knapp 45 Minuten geht es für Simone Lang weiter. Uns Begleitern hatte sie von den weiteren Terminen vorab nichts erzählt. Es ist Freitagnachmittag und wir müssen noch zurück nach Dresden. "Wenigstens wir sollen rechtzeitig ins Wochenende starten", sagt sie und verabschiedet sich herzlich.