Ein Tag mit Jan Hippold

Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr

Miteinander reden, zuhören, vermitteln

Der persönliche Kontakt zu den Bürgern auf Augenhöhe habe für ihn höchste Priorität. Deshalb sei er stets bestrebt, den Menschen die Scheu zu nehmen, ihn anzusprechen, erzählt der Abgeordnete Jan Hippold auf der gemeinsamen Fahrt durch seinen Wahlkreis. Seit 2009 vertritt der CDU-Mann die Region rund um Limbach-Oberfrohna und Hohenstein-Ernstthal (Wahlkreis 9, Zwickau 5) im Sächsischen Landtag. Seit 2016 sitzt er dem Ausschuss für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr vor. Wir haben Jan Hippold einen Tag lang begleitet.

Jan Hippold zu Besuch beim mittelständischen Automobilhersteller IndiKar

Barrieren abbauen

Er veranstalte regelmäßig Bürgerstammtische in verschiedenen Lokalen. „In lockerer Atmosphäre fällt es einigen Menschen leichter, über ihre Anliegen zu sprechen. Außerdem erreiche ich dort auch Leute, die Hemmungen haben, ein Wahlkreisbüro zu betreten“, zeigt sich Jan Hippold mit der Resonanz zufrieden. Die Eröffnung eines zweiten Bürgerbüros im vergangenen Jahr habe ebenfalls dazu beigetragen, Barrieren abzubauen. „Die Hohenstein-Ernstthaler kommen mit ihren Anliegen lieber in das Büro in ihrer Stadt, als extra nach Limbach-Oberfrohna zu fahren.“

Im neuen Wahlkreisbüro warten die Mitarbeiter bereits auf ihren Chef. Es gilt, anstehende Termine zu besprechen, Anfragen zu koordinieren und die kommende Woche zu planen. Jan Hippold ist spät dran an diesem Vormittag. Er kommt von einem Firmenbesuch beim mittelständischen Automobilhersteller IndiKar aus Wilkau-Haßlau. Die vorgesehene Stunde hatte sich als zu kurz erwiesen, um die Produktpalette  des hochspezialisierten Individualkarosseriebauers kennenzulernen und auf einem Rundgang selbst in Augenschein zu nehmen. Geschäftsführer Ronald Gerschewski berichtet stolz von der hohen Fertigungstiefe, dem guten Image und der schnellen Anpassungsfähigkeit seines Unternehmens, das u. a. Limousinen für gekrönte wie ungekrönte Staatsoberhäupter panzert und das Interieur für die Nobelfahrzeuge von Bugatti liefert. „Sicherheit und Komfort sind Bereiche mit konstant hoher Nachfrage, die dem Unternehmen gutes Wachstum ermöglichen“, erzählt Gerschewski dem Landtagsabgeordneten. Für den Autofan Jan Hippold gehört das Treffen zweifelsohne zu den angenehmen Terminen. „Wenn Sie Unterstützung brauchen, z. B. bei der Zusammenarbeit mit der Sächsischen Aufbaubank, sprechen Sie uns an“, verabschiedet sich Hippold, sichtlich beeindruckt von so viel Vorzeigeunternehmertum, nach gut anderthalb Stunden.

Vor-Ort-Termin: Jan Hippold diskutiert mit Anwohnern über den Sachsenring

Emotionale Debatte am Sachsenring

Nachdem Jan Hippold die dringendsten Fragen mit seinen Mitarbeitern im Wahlkreisbüro besprochen hat, geht es weiter zum Sachsenring. Der Rennstrecke, wichtiger Wirtschafts- wie Imagefaktor in seiner Heimat, ist Jan Hippold eng verbunden. Als Vorsitzender des Aufsichtsrates setzt er sich mit Nachdruck für den Sachsenring ein. Vor Ort erwarten ihn einige Anwohner, die sich über den Lärm der Fahrzeuge beschweren und die offiziellen Lärmschutzgutachten anzweifeln. Mehrfach hat Hippold bereits das Gespräch mit den Bürgern gesucht. Schnell wird aber auch heute klar, dass deren Positionen und die des Betreibers keinen gemeinsamen Nenner finden. Hippold versucht zu vermitteln und die immer emotionaler werdenden Vorwürfe der Anwohner zu versachlichen – es bleibt ein aussichtsloses Unterfangen. Aus der geplanten Stunde werden zwei. Das Mittagessen muss entfallen.

Dafür bleibt auf der Fahrt zum nächsten Termin Zeit, über den Einstieg des studierten Bauingenieurs in die Landespolitik zu sprechen. Die Wahl zum Abgeordneten im Jahr 2009 habe sein Leben ordentlich über den Haufen geworfen, blickt Hippold zurück. Zeit für die Familie müsse er seither besonders sorgfältig einplanen. „Vier bis fünf dienstliche Abendtermine pro Woche sind für einen Abgeordneten normal.“ Dennoch habe er nicht gezögert, als er das Angebot bekam, nach dem Rückzug des langjährigen CDU-Fraktionsvorsitzenden Fritz Hähle in diesem Wahlkreis anzutreten. Auch als Berufspolitiker achte er im Rahmen seiner zeitlichen Möglichkeiten darauf, regelmäßig als Bauingenieur Projekte zu übernehmen. „Den Kontakt zum beruflichen Umfeld sowie die Gespräche auf der Baustelle möchte ich nicht missen.“

Vor-Ort in der Landgemeinde Callenberg: Jan Hippold im Gespräch mit Bürgermeister Daniel Röthig

Digitalisierung voranbringen

Jan Hippold ist tief in seiner Heimat verwurzelt. Seit vielen Jahren engagiert er sich im Stadtrat von Limbach-Oberfrohna und fungiert als 1. Stellvertreter des Oberbürgermeisters. „Ich bin ein Gewächs der Region.“ Befragt nach seinen wichtigsten politischen Zielen, nennt er Digitalisierung und den Breitbandausbau an erster Stelle, und verweist, ganz Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses im Parlament, auf die Bedeutung des digitalen Wandels für die hiesigen Unternehmen. Auch an den Schulen müsse das Thema noch stärker forciert und den Kindern zum Beispiel auch Programmierkenntnisse vermittelt werden, so der Vater einer elfjährigen Tochter. Außerdem sei es ihm ein wichtiges Anliegen, das Bild des Unternehmers zu verbessern.

Am Nachmittag ist das historische Rathaus der Landgemeinde Callenberg unser nächstes Ziel. Auch hier geht es ums Vermitteln und um das Miteinandersprechen – diesmal zwischen der Gemeinde mit Bürgermeister Daniel Röthig an der Spitze und dem Anglerverband Südsachsen Mulde/Elster e. V., dem Hippold als Präsident vorsteht. Als umweltpolitischer Sprecher seiner Fraktion und Mitglied im Ausschuss für Umwelt und Landwirtschaft bringt Hippold seine Expertise ein, um einen Ausgleich zwischen dem Gewässerschutz, einer kommunalen Pflichtaufgabe, und den Interessen der hiesigen Angler zu erreichen. Konkret geht es darum, dass die Kommune bei der Beräumung ihrer Gewässer neben dem Hochwasserschutz auch darauf achtet, ein lebenswertes Umfeld für Fische zu erhalten. Eine bessere Kommunikation zwischen beiden Seiten wird verabredet. Jan Hippold ist zufrieden.

Danach hat es der Politiker eilig. Die verbleibende Stunde bis zum nächsten Termin ist für eine schnelle private Erledigung reserviert, bevor er beim Kinderland Muldental erwartet wird. Vereinsvorstand und die Leitung des Kinderlandes haben den Politiker um den Termin gebeten, da der Träger der Einrichtung neu ausgeschrieben werden soll. Nach mehr als zehn Stunden kommt Jan Hippold an diesem Tag wieder zu Hause an. Bleibt für heute nur noch die Aufgabe, die Gespräche des Tages nachzubereiten, E-Mails zu beantworten und die Accounts auf Facebook, Instagram und Twitter zu checken.