Ein Tag mit Dr. Stephan Meyer

Vorsitzender des Ausschusses für Wissenschaft und Hochschule, Kultur und Medien

Dr. Stephan Meyer im Gespräch mit Schauspielern im Gerhart Hauptmann Theater in Zittau

Politische Bildung heißt auch Theater

Ihm liege das Türöffnen, das Verbinden und Kommunizieren, sagt er von sich. Der CDU-Mann, Dr. Stephan Meyer, ist ein Abgeordneter der lockeren, irgendwie unprätentiösen und vertrauenserweckenden Art. In Rahmen seiner Verantwortung als Vorsitzender des Ausschusses für Wissenschaft und Hochschule, Kultur und Medien haben wir ihn einen Tag lang begleitet.

Im Gerhart Hauptmann Theater in Zittau setzt er sich zu Schauspielern des dortigen Ensembles und bekommt auf Nachfrage verdeutlicht, dass Durchschnittsgehälter für Schauspieler im Kulturraum Oberlausitz bei tatsächlich nur € 2.000,- brutto pro Monat liegen.

Sabine Krug, Stephan Bestier und David Pawlak hatten sich den bundesweiten Aktionstag „Theaterleute treffen Landtagsabgeordnete“ dafür ausgesucht, „ihrem“ MdL ihre Situation zu erklären: die eigentliche Misere liege indes im Bundestarifvertrag, dem sogenannten „NV Solo“, begründet. Schauspieler bekämen Jahresverträge, in denen auch die Höhe die Gage festgelegt sei.

„Künstlerische Gründe“

Am Ende einer Spielzeit würden sie gegebenenfalls nicht gekündigt; ihre Verträge liefen lediglich aus, oder würden – „aus künstlerischen Gründen“ – einfach nicht verlängert. Das wiederum bedeute, dass sich die Frage nach einer gewerkschaftlichen Betreuung, die bekanntlich bei Fragen der Eingruppierung, des Urlaubs und des Kündigungsschutzes greife, im Rahmen der „NV Solo“ erst gar nicht stelle. Das Postulat der Vereinbarkeit von Beruf und Familie gelte offenbar für Schauspieler nicht, sagen die drei. Die Angst bestehe, dass politische Bildung im besten demokratischen Sinn im Theater gar nicht mehr stattfinden könne.

Meyer wirkt betroffen: „Kulturräume“, weiß er, „sind autonome Verbünde, die über ihre interne Finanzverteilung selbst entscheiden“: Es sei in diesem konkreten Fall zwar bedauerlich, dass Bautzen im Einklang mit den Sorben Zittau versuche, klein zu halten, doch sei hier, vor dem Hintergrund der kommunalen Selbstverwaltung der Kulturräume, eine Einmischung des Landes nur sehr behutsam vorzunehmen: „Wenn wir ohne Zweckbindung mehr Geld geben würden, käme das nicht zwangsläufig bei Ihnen an!“

Vielmehr regt Meyer eine konzertierte Aktion (mehr Beteiligte an einen Tisch!) an, um Erleichterungen bei der Familienplanung, der Stundenbelastung und des immer noch anhaltenden Stellenabbaus erreichen zu können: „Suchen Sie auch das Gespräch mit den Stadträten!“

Dr. Stephan Meyer wird durch das Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik in Zittau geführt.

„Thermische Verwertung“

Themen- und Ortswechsel. Das Stichwort lautet: „funktionsintegrierende Kunststofftechnologie“. Schauplatz: das Zittauer Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik (IWU), kurz: „Fraunhofer-Kunststoffzentrum Oberlausitz“ Professor Dr. Sebastian Scholz stellt das Herzstück vor: ein Labor mit Maschinen im Wert von knapp zwei Millionen Euro . Hier wird Kunststofftechnik neu entwickelt: die generative Technik konzentriert sich auf 3-D-Druckerzeugnisse während gleichzeitig im Leichtbauverfahren Textilverstärker genutzt werden, um Halt- und Belastbarkeit bei extrem niedrigem Gewicht zu erhöhen.

Scholz spricht von einer „thermischen Verwertung“. Dahinter verberge sich keine Abfallbeseitigung im herkömmlichen Sinne, vielmehr handele es sich dabei um spezifische Kunststoffverbrennungsanlagen für Duroplast-Produkte. Thermoplast-Produkte seien ohnehin im Sinne eines Recyclings wiederverwertbar.

Gearbeitet werde im IWU Zittau bereits seit 2011 – zunächst nur mit zwei Mitarbeitern. Nach fünf Jahren der Fremdfinanzierung durch das Land sei man nun seit dem ersten Januar dieses Jahres „selbstfinanziert“, erzählt der Wissenschaftler stolz. Die Zeit sei gut genutzt worden, verrät Scholz. Das habe Klinkenputzen bedeutet. Nun aber sei Licht am Horizont sichtbar: „Wir haben uns in den Landkreisen Bautzen und Görlitz, aber auch mit Volkswagen gute und verlässliche Partner gesichert“.

Für  Meyer ist die Fraunhofer Dependance in der Theodor Körner Allee (Eröffnung am 2.11.) ein weiterer gelungener Beitrag, das Strukturproblem in der Oberlausitz zu lösen: „Es gilt, Kreatives zu schaffen und zu Schnittstellen zu formen, von denen alle profitieren können! Es müssen sich möglichst viele Unternehmen durch eigene Innovationen weg von der verlängerten Werkbank hin zu stabilen Mittelständlern entwickeln.“

Natürlich setze er sich dafür ein, Information so breit wie möglich zu streuen. Das sei ganz besonders für die Oberlausitz wichtig: „Selektive Informationsbeschaffung ist kein Zukunftsmodell“, sagt Meyer und beharrt darauf, dass der Erfolg in der Diversifikation und Vielfalt, auch der Information, liege.“ Aus Information muss Wissen und daraus müssen letztlich Produkte und Dienstleistungen entstehen.“

Dr. Stephan Meyer im Gespräch mit Eltern-, Schul- und Kommunalvertretern zum Thema "Beförderung von Schülern im Landkreis"

„Einfache Rolle“

Nein, ein Politiker, der alles erledigen könne, sei er keineswegs, umreißt Meyer seine Einflussmöglichkeiten beim anschließenden Termin mit Eltern-, Schul- und Kommunalvertretern zum Thema „Beförderung von Schülern im Landkreis“. Hier sieht er seine Rolle vor allem darin, zu moderieren, vielleicht sogar als Mediator, in jedem Fall aber vorhandene Lösungsvorschläge zu befördern: „Es ist nicht einfach, wenn ich merke, dass man von mir Wunderdinge erwartet“.

Ein Politiker, so Meyer weiter, dürfe den „Draht zur Bevölkerung“ nicht verlieren. Das bedeutet, dass es auch mal unbequeme Situationen auszuhalten gebe. Ein offenes Visier sei häufig ein Garant für stolperfreies Laufen: „Ich halte es für wichtig, dass wir auch vor einer großen Gruppe das sagen, was wir in kleinerem Kreis gerne von uns geben!“