Ein Tag mit Sebastian Fischer

Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt und Landwirtschaft

Sebastian Fischer mit Familie Ibisch in deren Hofladen

„Heimat – Wurzel und Perspektive zugleich“

 

Schweiz, Frankreich, Norwegen, Dänemark, Schweden – was sich liest, wie eine bunte Urlaubsbilanz, steht bei Sebastian Fischer (CDU) in der beruflichen Vita. Bevor er 2009 mit 27 Jahren in den Sächsischen Landtag einzog, kochte sich der Küchenmeister durch Europa und sammelte so jede Menge Lebenserfahrung. Weltoffenheit einerseits und eine unverbrüchlich enge Bindung an und Stolz auf seine sächsische Heimat andererseits – für Sebastian Fischer kein Gegensatz, sondern Charakteristikum seines politischen Engagements.

Ländliche Räume stärken

Jeder Mensch versteht unter Heimat etwas anderes. Sebastian Fischer verbindet damit den Ort, wo er aufgewachsen ist, wo er seine Wurzeln hat, wo er das dörfliche Leben schätzen lernte: Gävernitz im Landkreis Meißen. „Das habe ich vor allem durch meine Auslandsaufenthalte erkannt“, erzählt der Abgeordnete auf der Fahrt durch seinen Wahlkreis. Der erstreckt sich im Norden Dresdens von Radeburg über Großenhain bis an die brandenburgische Grenze. Die Region ist überwiegend landwirtschaftlich und ländlich geprägt. Dieser Erfahrungshorizont fließt in Fischers Aufgabe als Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt und Landwirtschaft im Sächsischen Landtag ein. „Die Politik muss die ländlichen Räume stärker fördern und langfristige Perspektiven für die Menschen vor Ort schaffen.“

Erste Station des Tages ist ein kleiner Obsthof in Priestewitz. Sebastian Fischer, der quasi um die Ecke lebt, schaut bei Familie Ibisch vorbei. Die Apfelernte ist soeben eingefahren. „Ein gutes Jahr“, berichtet Birgit Ibisch. Einen Großteil des Sortiments, neben Äpfeln vor allem Erdbeeren und Spargel, vermarktet der Hof direkt. Verkauft wird im hofeigenen Bauernladen und auf umliegenden Märkten, auch Restaurants der Region gehören zu den Abnehmern. Ständig sind die Inhaber auf der Suche nach neuen Vermarktungsideen. 2018 könnte man z. B. ein Spargelfest veranstalten, überlegt Thomas Ibisch laut -, wohlwissend, dass er bei dem Landtagsabgeordneten auf offene Ohren stößt und er mit ihm zugleich einen versierten Showkoch fürs Fest an der Hand hat.

Vor-Ort-Termin auf dem Geflügelhof Großenhain: Sebastian Fischer mit Seniorchef Christian Riedel

Sächsisch kaufen

 

Landwirtschaft habe auch immer etwas mit Wirtschaften zu tun, am Ende des Tages müssten die Erzeuger von ihrer Arbeit leben können, umreißt Fischer das Spannungsfeld. „Ich wünsche mir, dass die Verbraucher sächsisch kaufen und bereit sind, dafür gutes Geld auszugeben.“ In der Pflicht stehe natürlich auch die Politik. „Es ist unsere Aufgabe, die grünen Berufe für junge Menschen wieder attraktiv zu machen.“ Der Abbau von Bürokratie sei ein weiterer Baustein, um Landwirten die tägliche Arbeit zu erleichtern. „Viele Fördermittel werden nicht abgerufen, weil der bürokratische Aufwand zu hoch ist“, ärgert sich Fischer.

 

Als wir auf dem Geflügelhof Großenhain ankommen, dem größten sächsischen Eierproduzenten, erwartet Seniorchef Christian Riedel bereits den Politiker. Das letzte Treffen der beiden liegt noch keine 24 Stunden zurück. Als Sachverständiger hatte Riedel im Landtag zur Geflügelpest Stellung genommen. Der Ausschuss für Soziales und Verbraucherschutz, Gleichstellung und Integration diskutierte in öffentlicher Anhörung, wie der Schutz von Verbrauchern und das wirtschaftliche Überleben der Geflügelbauern sinnvoll miteinander vereinbart werden können.  „Eine wochenlange Stallpflicht bringt Betriebe an den Rand der Existenz, da der Erlös von Eiern aus Freilandhaltung wegfällt“, hatte Riedel die praktische Auswirkung von Politik aus seiner Sicht erläutert. Behörden und Verbände hätten miteinander reden und nach alternativen Schutzmaßnahmen suchen müssen, anstatt sofort eine landesweite Stallpflicht anzuordnen, sind sich die Gesprächspartner einig. 

 

Sebastian Fischer zu Besuch beim Kompressorenhersteller Boge in Großenhain

Miteinander reden

„Die meisten Probleme beruhen auf mangelnder Kommunikation“, knüpft Sebastian Fischer an. „Nur wer sachlich miteinander redet, hat überhaupt die Chance, die Argumente seines Gegenübers in seine Überlegungen einzubeziehen.“ Er agiert selbst nach dieser Maxime, Gesprächstabus lehnt er ebenso ab wie „Vorschriften“, mit wem man offiziell nicht reden dürfte. Sebastian Fischer weiß natürlich, dass er damit polarisiert. Seine Positionen vertritt er offensiv und direkt, am liebsten über seine sozialen Medienkanäle. „Ich gehe dorthin, wo mir nicht nur Sympathie entgegenschlägt. Bemerkenswert ist, dass ich damit beiden politischen Lagern – links wie rechts – ein Feindbild liefere.“ Regelmäßig schlagen ihm im Netz Empörung und wüste Beschimpfungen entgegen, der Politiker spricht von einer „völlig enthemmten Diskussionskultur“.

Seiner Begeisterung für die sozialen Medien wie auch der vehementen Forderung nach einem zügigen Breitbandausbau im ländlichen Raum tut dies freilich keinen Abbruch. „Eine leistungsstarke Internetanbindung ist ein wichtiger Standortfaktor für Unternehmen“, betont der Abgeordnete beim Besuch des Kompressorenherstellers Boge in Großenhain. 50 Arbeitsplätze sind hier entstanden, weitere sollen folgen. Damit der Austausch von Konstruktionsdaten mit dem Mutterwerk in Bielefeld problemlos funktioniert, habe man sich letztendlich eine eigene  Leitung legen lassen, erzählt Betriebsleiter Matthias Dues beim Rundgang. „Eigentlich wäre dies Aufgabe der Politik gewesen“, meint Fischer, auch mit Blick auf noch freie Gewerbeflächen in der Region, die es zu vermarkten gilt.

Von Glyphosat bis Wolf

Das Themenspektrum, das Sebastian Fischer im Ausschuss für Umwelt und Landwirtschaft zu beackern hat, ist groß. Die Konfliktlinien verlaufen selten so eindeutig, wie es auf den ersten Blick scheint. Diskutierte der Abgeordnete gerade noch mit Peter Palm vom Großenhainer Jagdverband über das Bleischrotverbot bei Wassergeflügel und den Umgang mit der steigenden Wolfspopulation, steht am Nachmittag ein Treffen mit Landwirt Sebastian Tanner im Terminplan. Gemeinsam mit Dr. Günther Drobisch vom Sächsischen Landesbauernverband empfängt dieser uns auf einem seiner Felder in Thiendorf. Die Landwirte nutzen die Chance, um mit ihrem Landtagsabgeordneten aktuelle Probleme zu erörtern – der Bogen spannt sich von der Preisentwicklung im Agrarsektor bis zum heftig diskutierten Einsatz von Glyphosat. Sebastian Fischer hört zu, zeigt Verständnis, wägt ab. „Wenn die Regeln immer schwieriger werden, stirbt die Landwirtschaft“, bilanziert Fischer am späten Nachmittag und macht sich auf den Weg zur Bürgersprechstunde, die an diesem Abend den Arbeitstag des Abgeordneten beschließt.