„Beginnende Blüte jüdischen Lebens“ – Mordechay Lewy zu Gast beim „Dresdner Gesprächskreise im Ständehaus“

Pressemitteilung 28/2013 vom 07.03.2013

Mit einem Vortrag des ehemaligen israelischen Botschafters Mordechay Lewy erlebte die Veranstaltungsreihe „Dresdner Gesprächskreise im Ständehaus“ gestern Abend ihre vierte Auflage.

Der Diplomat analysierte vor 100 geladenen Gästen die Entwicklung des jüdischen Lebens in Deutschland nach 1945 sowie die Umbrüche in der jüdischen Präsenz seit der Wiedervereinigung.

„Jüdisches Leben ist wieder fester Bestandteil der Gesellschaft in Sachsen. Die drei jüdischen Gemeinden in Dresden, Leipzig und Chemnitz haben ein starkes Wachstum erlebt und tausende neue Mitglieder integriert“, sagte Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler in seiner Einführungsrede. „Der Freistaat bekennt sich ausdrücklich zu seiner Verantwortung und unterstützt die Gemeinden bei der Gestaltung des jüdischen Lebens“, verdeutlicht Rößler die Haltung Sachsens.

Existentielle Ängste habe die Wiedervereinigung Deutschlands zunächst bei vielen Juden und Israelis hervorgerufen, erinnerte sich Mordechay Lewy in seiner Rede. Als Generalkonsul in Berlin habe er es Anfang der neunziger Jahre als seine vordringlichste Aufgabe angesehen „aktiv eine neue Gedenkkultur mitzugestalten und die vorhandenen Defizite im Wissen über Israel und die Shoah abzubauen“. Die enorme Zuwanderungswelle der neunziger Jahre habe die jüdische Präsenz in Deutschland abgesichert. „Heute hat sich hier wieder normales jüdisches Leben entwickelt, das akzeptiert und legitimiert ist. Wir erleben eine beginnende Blüte des jüdischen Lebens.“

Über seine Thesen diskutierte Mordechay Lewy im anschließenden Podiumsgespräch mit Yakov Hadas-Handelsman, derzeitiger Botschafter Israels in Deutschland; Prof. Dr. Dan Diner, Direktor des Simon-Dubnow-Institutes für jüdische Geschichte und Kultur e.V. an der Universität Leipzig; Heinz-Joachim Aris, Vorsitzender des Landesverbandes Sachsen der jüdischen Gemeinden und Landtagspräsident
Dr. Matthias Rößler. Einig zeigte sich das Podium darüber, dass das Verhältnis zwischen Israel und Deutschland immer ein besonderes bleibe und von der Weltöffentlichkeit entsprechend genau beobachtet werde.

Hintergrund:
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Dresdner Gesprächskreise im Ständehaus“ lädt der Präsident des Sächsischen Landtags regelmäßig hochkarätige Persönlichkeiten nach Dresden ein. „Ich habe diese Reihe ins Leben gerufen, um vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen Ideen und Strategien zu diskutieren, auszutauschen und gemeinsam weiterzuentwickeln“, erläutert Dr. Matthias Rößler den Anspruch der „Dresdner Gesprächskreise im Ständehaus“. In der Vergangenheit waren bereits der CDU-Politiker Friedrich Merz, der ehemalige Bundesverfassungsrichter Udo Di Fabio sowie SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück zu Gast.