Sächsischer Landtag begeht Tag der Deutschen Einheit - Festredner Uwe Tellkamp: "Der sächsische Geist hat mich geprägt"

Pressemitteilung 111/2012 vom 03.10.2012

Der Sächsische Landtag beging heute Vormittag mit einer Feierstunde den Tag der Deutschen Einheit. Mehr als 350 geladene Gäste, darunter zahlreiche Bürgerinnen und Bürger, verfolgten im Plenarsaal den traditionellen Festakt. Die Festrede des Dresdner Schriftstellers Uwe Tellkamp über Sachsen, seine Heimat stieß auf breite Resonanz und wurde vom Publikum mit langanhaltendem Applaus bedacht.

Rößler: „Freiheitliche Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit.“
„Wir feiern heute eine historische Befreiungstat und Aufbauleistung, wie sie als Frucht des Freiheitswillens und der Schöpferkraft für die Sachsen von Anfang an kennzeichnend gewesen ist“, würdigte Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler die Friedliche Revolution von 1989 und die Ereignisse, die schließlich am 3. Oktober 1990 zur deutschen Wiedervereinigung und zur Wiedergründung des sächsischen Freistaates führten.

Nicht vergessen werden sollten darüber jedoch die Jahre, die der Einheit, dem Recht und der Freiheit vorausgegangen seien, so Rößler weiter. „“Dieser Tag nimmt uns zugleich auch immer wieder in die Pflicht, uns die Zeit vor 1990 zu vergegenwärtigen und uns die über vier Jahrzehnte gewachsenen Ursachen des Aufbruchs in die Freiheit in Erinnerung zu rufen.“ Dies umfasse nicht allein die großen historischen Ereignisse und Daten. Vielmehr seien es der Alltag einer Diktatur und die Erkenntnis der ‚Banalität des Bösen‘ […], die uns dafür sensibilisierten, dass die freiheitliche Demokratie keine Selbstverständlichkeit sei. Mit Blick auf die Herausforderungen der Zukunft resümierte Rößler: „Es kann daher nicht oft genug betonte werden, dass Freiheit und Demokratie nicht automatisch des Ende der Geschichte sind und nicht ohne eigenes Bemühen von Generation zu Generation weitergegeben werden.“

Als „Zeugnis der literarischen Erinnerungskultur“ der dazu beitrage, einen Teil unserer Geschichte vor dem Vergessen zu bewahren, würdigte Rößler in seiner Rede den Erfolgsroman „Der Turm“ des Dresdner Schriftstellers und diesjährigen Festredners Uwe Tellkamp.

Tellkamp: „Heimat ist Herkunft, ohne die es keine Zukunft gibt.“
„Dank an Sachsen. Nachdenken über Heimat.“ hatte Uwe Tellkamp seine Festrede überschrieben. Der gebürtige Dresdner betonte, wie wichtig Heimat für die Menschen und ihre Werte sei. „Heimat ist konkreter Raum. Erst in der Heimat wird abstrakter Raum konkret.“ Dabei ließ er keinen Zweifel, wo seine eigenen Wurzeln liegen: „Meine Heimat ist Sachsen. […} Der sächsische Geist hat mich geprägt.“ Heimat bedeute Rückbindung an das Konkrete und Herkunft, ohne die es keine Zukunft geben könne.

Heimat sei aber zugleich auch Erinnerung und Gedächtnis, also Geschichte. „Es ist wichtig, etwas über seine Heimat zu wissen und zu lernen“, appellierte Tellkamp an seine Zuhörer. Mit Blick auf die Gegenwart rief Tellkamp die Sachsen dazu auf, sich nicht von Rückschlägen oder Krisen entmutigen zu lassen: „Es lohnt sich zu kämpfen und immer wieder aufzustehen.“ Wichtig sei dabei, die richtige Balance zwischen Globalisierung und der eigenen Heimat, zwischen der abstrakten und der konkreten Welt, zu finden. „Es ist Zeit für eine Besinnung.“