Dresdner Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen gründen Notfallverbund

Pressemitteilung 79/2011 vom 23.09.2011

Elf Dresdner Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen aus dem Bereich des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst, des Sächsischen Staatsministeriums des Inneren, der Landeshauptstadt Dresden und weiterer Träger und Stiftungen sowie der Sächsische Landtag unterzeichneten eine „Vereinbarung zur gegenseitigen Unterstützung in Notfällen", die am 23. September 2011 in Kraft getreten ist.

Zum Schutz des Kulturgutes in Havarie- oder Katastrophenfällen haben sich die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD), die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB), das Sächsische Staatsarchiv – Hauptstadtarchiv Dresden, das Landesamt für Denkmalpflege, der Staatsbetrieb Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen, der Sächsische Landtag, die Landeshauptstadt Dresden, die Technische Universität Dresden sowie die Stiftung Deutsches Hygiene-Museum, die Verkehrsmuseum Dresden gGmbH und die Senckenberg Naturhistorische Sammlungen Dresden zu einem Notfallverbund ihrer in Dresden gelegenen Archive, Bibliotheken und Museen zusammengeschlossen. Dies gaben Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler, Dresdens Kulturbürgermeister Dr. Ralf Lunau, der Generaldirektor der SLUB, Prof. Dr. Thomas Bürger, sowie Michael John, Technischer Leiter der SKD auf ihrer heutigen Pressekonferenz in Dresden bekannt. Die elf Institutionen unterzeichneten eine „Vereinbarung zur gegenseitigen Unterstützung in Notfällen (Dresdner Notfallverbund)“, die am Freitag, dem 23. September 2011, in Kraft getreten ist. Damit erklären sie ihre Bereitschaft, im Falle einer akuten, umfangreichen Gefährdung oder Schädigung der in Dresden zu wahrenden Kulturgüter durch Brand, Wasser, Unwetter, technische Defekte und andere unvorhersehbare Ereignisse personelle und sachliche Ressourcen zu bündeln und die zu leistenden Aufgaben in gegenseitiger Unterstützung zu bewältigen. Neben der sofortigen Hilfe bei Notfällen ist es ein vordringliches Ziel des Notfallverbundes, Unglücksfällen vorzubeugen und den Schutz unersetzbarer Exponate und unwiederbringlichen Schrift- und Archivguts zu stärken.

Mit diesem Schritt bauen die Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen aus dem Bereich des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst, des Sächsischen Staatsministeriums des Inneren, der Landeshauptstadt Dresden, des Sächsischen Landesparlaments sowie weiterer Träger und Stiftungen ihre Zusammenarbeit aus, die sich bereits im Jahr 2002 infolge des Jahrhunderthochwassers von Elbe und Weißeritz bewährt hat. Damals waren erhebliche Schäden an Bildern, Archivalien und Büchern entstanden. Im Hochwasserjahr 2002 funktionierte die Kooperation zwischen den Einrichtungen gut, es gab vielfältige Unterstützungen und Hilfsaktionen. Die damals entstandenen Kontakte und Kooperationen wurden beibehalten und werden nun innerhalb des Dresdner Notfallverbundes weiter professionalisiert. Zudem reagieren die Archive, Bibliotheken und Museen mit dem Bündnis auch auf die verheerenden Schäden und unwiederbringlichen Verluste nach dem Brand der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar im September 2004 sowie auf den Einsturz des Kölner Stadtarchivs im März 2009.

Der Verbund optimiert die Rahmenbedingungen zur Notfallvorsorge: Er bringt die Verantwortungsträger und Experten in den Archiven, Bibliotheken und Museen zur Vorsorge gegen Notfälle zu regelmäßigem Wissensaustausch zusammen. Darüber hinaus sichert er im Ernstfall eine sofortige professionelle wechselseitige Hilfe ohne Reibungsverluste. Notfallpläne werden ausgetauscht, um die Bergung und Erstversorgung von gefährdetem oder geschädigtem Kulturgut schnell einzuleiten. Vor allem aber wollen die Experten präventiv wirksam werden, Erfahrungen an andere Einrichtungen weitergeben und bereits im Vorfeld möglicher Schadensfälle Handlungsabläufe vereinbaren. Die Notfallvereinbarung stärkt die professionelle Zusammenarbeit untereinander sowie mit allen zuständigen Einrichtungen, insbesondere der Feuerwehr der Stadt Dresden.
Notfallverbünde gibt es bereits in mehreren deutschen Städten, zum Beispiel in Weimar, Magdeburg, Münster oder Hannover. Die Gründung des Dresdner Notfallverbundes von zunächst elf Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen ist der erste Notfallverbund im Freistaat Sachsen und bildet einen wichtigen Beitrag für den Schutz von Kulturgütern. Initiiert wurde der Notfallverbund von der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden sowie den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Er steht weiteren Partnern offen.

Statements zur Gründung des Notfallverbundes

Dr. Matthias Rößler, Präsident des Sächsischen Landtags: „Sachsen hat bei der Flut im Jahr 2002 aus ganz Deutschland und weit darüber hinaus eine großartige Solidarität erfahren. Rund 1 Milliarde EUR investierte der Freistaat Sachsen seither in den vorsorgenden Hochwasserschutz. In Dresden wurden für mehrere Hundert Millionen EUR in den letzten 20 Jahren Archive, Bibliotheken und Museen renoviert oder neu gebaut. Es ist wichtig und richtig, dass Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen mit dem Dresdner Notfallverbund das vorhandene Expertenwissen bündeln, um die investierten Mittel zu sichern.“

Dr. Ralf Lunau, Beigeordneter für Kultur der Landeshauptstadt Dresden: „Dresden ist eine weltweit bekannte Kultur- und Wissenschaftsstadt mit einer hervorragenden Archiv-, Bibliotheks- und Museenlandschaft. Ich freue mich, dass die Fachleute mit dem Notfallverbund über die Grenzen einzelner Institutionen hinaus verstärkt zum Schutz unserer Überlieferung zusammenarbeiten und sich dabei weltweit vernetzen.“

Prof. Dr. Thomas Bürger, Generaldirektor der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB): „Nach der Gründung der nationalen ‚Allianz Schriftliches Kulturgut bewahren’ mit Hilfe des Bundespräsidenten und der Unterstützung beim Schutze von Kulturgut in Ländern und Kommunen durch den Beauftragten für Kultur und Medien der Bundesregierung ist es naheliegend, nun konkret Notfallverbünde vor Ort zu gründen. Zur Vorbeugung und zur Hilfe in Notfällen ist die vertrauensvolle Zusammenarbeit der Fachleute unschätzbar wertvoll und bedarf deshalb klarer Vereinbarungen.“

Prof. Dr. Dirk Syndram, amtierender Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden: „Neben der Arche als sicheren Ort für die Kunst im Albertinum freue ich mich auch über die virtuelle Arche, die durch den Notfallverbund nun entstanden ist. Die Zusammenarbeit der Dresdner Museen, Archive und Bibliotheken unabhängig von der Trägerschaft der einzelnen Einrichtungen sorgt für Informationsaustausch und Unterstützung im Ernstfall.“

Michael John, Leiter des Technischen Dienstes der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden: „Sicherheit gewinnt man aus professioneller nationaler und internationaler Zusammenarbeit. Vor Ort ist es unverzichtbar, die Partner zu kennen und regelmäßig Schutzmaßnahmen zu trainieren. Es geht um den Erhalt unschätzbarer Kostbarkeiten, unermesslicher Werte.“

Dr. Michael Vogel, Landesbeauftragter für Bestandserhaltung an der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB): „Durch Restaurierung und Prävention, Sicherungsverfilmung und Digitalisierung arbeiten wir täglich zum Schutz schriftlichen Kulturguts. Bei der Flut 2002 hat die SLUB in Tharandt viele Bücher verloren, aber durch die Unterstützung zahlreicher Helfer auch vieles und wertvolles retten können. Der Notfallverbund gibt uns zusätzliche Sicherheit und der Zusammenarbeit einen verlässlichen Rahmen.“
Thomas Kübler, Direktor des Stadtarchivs Dresden: „Aus den Erfahrungen der Flut vor bald zehn Jahren und aus dem Einsturz des Stadtarchivs Köln haben wir unsere Lehren gezogen, die direkt in den Notfallverbund einfließen.“