Landtagspräsident hat Verfassungsmedaille verliehen

Pressemitteilung 51/2011 vom 28.05.2011

Sieben Bürgerinnen und Bürgern, die sich besonders um die freiheitliche demokratische Entwicklung des Freistaates Sachsen verdient gemacht haben, überreichte der Landtagspräsident am Samstag die Verfassungsmedaille. Eine achte Medaille wird er in Kürze verleihen.

Der Präsident des Sächsischen Landtags, Dr. Matthias Rößler, hat am Samstag (28. Mai 2011) in einer Feierstunde im Dresdner Ständehaus sieben Bürgerinnen und Bürgern aus Sachsen die Sächsische Verfassungsmedaille verliehen. Sie erhielten die Ehrung für besondere Verdienste um die freiheitliche und demokratische Entwicklung des Freistaates Sachsen und ihren Einsatz für die Gesellschaft.

Mit der Verfassungsmedaille wurden geehrt:

Alexandra Gerlach, Meißen-Proschwitz
freie Journalistin (zuvor Landeskorrespondentin des Deutschlandradios in Sachsen)

Professorin Marlies Giebe, Dresden
Leiterin der Restaurierungswerkstatt der Gemäldegalerien Alte Meister und Neue Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden

Erich Iltgen, Dresden
Präsident des Sächsischen Landtags a. D. (1990 bis 2009)

Bischof Joachim Reinelt, Dresden
Bistum Dresden-Meißen

Steffen Richter, Leipzig
Geschäftsbereichsleiter Organisationsentwicklung/Jugend beim Landessportbund Sachsen,
Mitglied im Kuratorium „Tag der Sachsen“

Dr. Peter Seifert, Chemnitz
Oberbürgermeister der Stadt Chemnitz a. D. (1993 bis 2006)

Steffen Winter, München
SPIEGEL-Korrespondent in München, bis 08/2010 Korrespondent der SPIEGEL-Regionalvertretung Sachsen

Für den Präsidenten des Sächsischen Landtags ist die Verfassungsmedaille „von hoher symbolischer Bedeutung und Aussagekraft, weil sie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Freistaates Sachsen miteinander verbindet. Die Vergangenheit verweist auf unsere politischen Wurzeln in der Friedlichen Revolution und auf die Wiedererrichtung Sachsens als Verfassungsstaat. Die Gegenwart verbindet sich mit den Trägern der Verfassungsmedaille. Sie schärfen unseren Blick wieder dafür, was bis zum heutigen Tage erreicht worden ist und führen uns vor Augen, dass es viele gute Gründe gibt, auf das Erreichte stolz zu sein. Wir vergessen das all zu schnell, weil der Alltag uns jeden Tag vor neue Aufgaben stellt“, sagte Dr. Matthias Rößler in seiner Begrüßungsansprache. Die Zukunft liege in der Botschaft, die allen Trägern der Verfassungsmedaille gemeinsam ist und die auf den Spuren dieser Medaille von Generation zu Generation weitergetragen wird, so der Landtagspräsident weiter.

Hintergrund
Die Sächsische Verfassungsmedaille wurde vom früheren Präsidenten des Sächsischen Landtags, Erich Iltgen, im Jahr 1997 zur Erinnerung an die Friedliche Revolution vom Herbst 1989 gestiftet. Anlass war der fünfte Jahrestag der Verabschiedung der Verfassung des Freistaates Sachsen durch den 1. Sächsischen Landtag am 26. Mai 1992.

Seither wird die Auszeichnung jedes Jahr verliehen. Sie ist neben dem Sächsischen Verdienstorden die höchste Auszeichnung im sächsischen Freistaat. Bislang haben 102 Frauen und Männer die Sächsische Verfassungsmedaille erhalten, mit der diesjährigen Verleihung erhöht sich Zahl der Träger auf 110. Neben Persönlichkeiten, die sich in der Zeit der friedlichen Revolution und beim Aufbau des Freistaates Sachsen besonders verdient gemacht haben, ist die Verfassungsmedaille auch eine Ehrung für Menschen, die das Land auf ihrem jeweiligen Wirkungsgebiet voranbringen und sich durch Zivilcourage, soziale Verantwortung und gesellschaftliches Engagement für die Entwicklung der Demokratie einsetzen und die Werte der Verfassung weitertragen.

Die Medaille ist aus Silber und zeigt auf der Vorderseite das Wappen des Freistaates sowie die Schriftzüge „Sächsische Verfassung“, „Für besondere Verdienste“ sowie „26. Mai 1997“, der Tag, an dem die Verfassungsmedaille erstmals verliehen wurde. Auf der Rückseite erinnern fünf brennende Kerzen sowie der Ausspruch „Wir sind das Volk“ an die Friedliche Revolution sowie den politischen Willen im Herbst 1989.

Alexandra Gerlach, von 2002 bis April 2011 Landeskorrespondentin beim Deutschlandradio und Deutschlandfunk, prägte in den vergangenen Jahren entscheidend das Bild des Freistaates Sachsen im bundesdeutschen Rundfunk und baute Brücken zwischen Zugezogenen und Einheimischen, zwischen Ost und West. Die Journalistin erhielt die Verfassungsmedaille für ihre seriöse politische Berichterstattung, für faire und sachliche Kritik sowie für ihr Engagement um das Zusammenwachsen der Gesellschaft.

Prof. Marlies Giebe wurde mit der Verfassungsmedaille für ihre Verdienste um die Entwicklung der sächsischen Kunst- und Kulturlandschaft geehrt. Seit 1984 kümmert Sie sich in den beiden Gemäldegalerien der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden mit beachtlichem Elan, beispielhaftem Verantwortungsbewusstsein und großer Verlässlichkeit um die Restaurierung und Konservierung hochkarätiger Meisterwerke und prunkvoller Bilderrahmen. So hat die Restauratorin maßgeblichen Anteil an der Rettung von fast 3.000 Gemälden und Bilderrahmen aus den Depots der Gemäldegalerien Alte Meister und Neue Meister während des Hochwassers im August 2002 in Dresden.

Erich Iltgen, Landtagspräsident a. D., wurde mit der Verleihung der Verfassungsmedaille für sein herausragendes politisches Wirken und ehrenamtliches Engagement geehrt. Der Altpräsident des Sächsischen Landtags ist wie wenige andere sächsische Politiker mit dem Werden und Wachsen der parlamentarischen Demokratie in Sachsen über zwei Jahrzehnte hinweg verbunden. Er hat den Freistaat wieder neu mit aus der Wiege gehoben und dafür Sorge getragen, dass der sächsische Parlamentarismus groß werden konnte.

Bischof Joachim Reinelt war während der Friedlichen Revolution ein wichtiger Wegbereiter und Begleiter der Bürger der DDR, die sich im Herbst 1989 ihre Freiheit erkämpft haben. Seit seiner Weihe zum Bischof im Jahr 1988 hat er sich aus der ganzen Kraft seines Glaubens und der Weltverantwortung der Christen heraus beharrlich in die Gestaltung unserer Gesellschaft eingebracht und diese Entwicklung in Gesellschaft und Politik stets kritisch begleitet. Er setzt sich immer wieder für den Erhalt und die Stabilisierung der Errungenschaften der friedlichen Revolution ein.

Mit der Verleihung der Verfassungsmedaille an Steffen Richter wurden seine Verdienste um den Kinder- und Jugendsport im Freistaat Sachsen und sein großes Engagement für den „Tag der Sachsen“ als Identität und Heimatverbundenheit stiftendes Fest der Vereine und Verbände des Landes gewürdigt. Seit der ersten Sitzung des Kuratoriums „Tag der Sachsen“ am 22. Februar 1992 engagiert er sich in diesem Gremium als Vertreter der Sportjugend Sachsen im Landessportbund e.V. und gehört seit 2009 auch zum Präsidium des Kuratoriums. Hier zählt er zu den aktivsten Mitgliedern.

Dr. Peter Seifert, früherer Oberbürgermeister der Stadt Chemnitz, erhielt als Anerkennung für seine verantwortungsvollen Tätigkeiten, für sein langjähriges und vor allem erfolgreiches Wirken in der Chemnitzer Kommunalpolitik die Verfassungsmedaille des Freistaates Sachsen. Ihm wurde mit der Ehrung für persönlichen Einsatz und beharrliches Engagement im allgemeinen Interesse des Landes und für das Wohl der Bürgerinnen und Bürger der Stadt Chemnitz gedankt. Seine Arbeit hat entscheidend dazu beigetragen, dass die traditionsreiche Industriemetropole Chemnitz heute wieder zu einer der attraktivsten Städte in Sachsen zählt.

Der SPIEGEL-Korrespondent Steffen Winter hat in den zurückliegenden Jahren Hervorragendes für die Information und Meinungsbildung der Bürger geleistet. Für seine kritische und engagierte Beobachtung der sächsischen Landespolitik, für sein Aufgreifen von Themen, die oftmals auch schmerzhaft und konfliktbelastet waren, und für sein gelebtes Selbstverständnis, kritischer Journalist zu sein, wurde ihm mit der Verfassungsmedaille Anerkennung ausgesprochen und gedankt.

Darüber hinaus wird der Landtagspräsident die Verfassungsmedaille in diesem Jahr auch an Dr. Thomas Kunze, den Regionalbeauftragten der Konrad-Adenauer-Stiftung für Zentralasien in Taschkent/Usbekistan, verleihen. Er wird die Auszeichnung am Mittwoch, dem 8. Juni 2011, erhalten. Der Publizist und Historiker arbeitete von 1990 bis 1995 als Chef des Ausländeramtes und des Amtes für Kommunalaufsicht im Kreis Leipzig. Seit vielen Jahren begleitet er die gewaltigen Transformationsprozesse der Völker östlich des „eisernen Vorhangs“. Er erhält die Verfassungsmedaille unter anderem für seine Verdienste als Brückenbauer zu unseren Nachbarn im Osten.