Ausstellung im Landtag über Zeitungen der Friedlichen Revolution

Pressemitteilung 069/2009 vom 04.11.2009

Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler eröffnete am 3. November 2009 im Bürgerfoyer des Landtags eine neue Ausstellung. In dieser wird über die in der Zeit der Friedlichen Revolution neu entstandenen Zeitungen berichtet. Die Ausstellung ist bis zum 16. Dezember 2009 zu sehen.

„Dokumente des Bürgermutes und Freiheitswillens“

Erstmals zeigt das Martin-Luther-King-Zentrum für Gewaltfreiheit und Zivilcourage e. V. derzeit im Sächsischen Landtag seine neue Ausstellung über Zeitungen der Friedlichen Revolution. Die Schau widmet sich den zahlreichen parteiunabhängigen Zeitungen, die während dieser Zeit gegründet wurden - DDR-weit insgesamt 43 bis März 1990.

Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler und Georg Meusel, Vorsitzender des Martin-Luther-King-Zentrums e. V. eröffneten gestern Abend die Ausstellung, die bis zum 16. Dezember 2009 im Landtag zu sehen sein wird.

Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler würdigte die Zeitungen als „Dokumente des Bürgermutes und Freiheitswillens“ und erinnerte daran, dass es Basisgruppen waren, die die ersten parteiunabhängigen Zeitungen initiierten und diese teilweise noch per Hand vervielfältigt werden mussten. Die Pressefreiheit habe z. B. nach der Reisefreiheit an zweiter Stelle der Forderungen der „Gruppe der 20“ in Dresden gestanden. „An einer dieser Zeitungen, dem Sachsenspiegel, war ich als Vertreter des Demokratischen Aufbruchs zumindest am Gründungsgeschehen […] beteiligt“, fügte der Präsident des Sächsischen Landtags hinzu.

„20 Jahre später sollen die Zeitungen vor allem der nachfolgenden Generation in Erinnerung rufen, dass Recht und Freiheit keine Selbstverständlichkeiten sind, sondern erst mit hohem persönlichen Mut und Bereitschaft zum Risiko errungen werden mussten“, formulierte Landtagspräsident Dr. Rößler den Anspruch der Ausstellung.

Georg Meusel, berichtete den Gästen der Vernissage mit emotionalen Worten von den Anfängen der ersten parteiunabhängigen DDR-Zeitung in Sachsen, dem „Werdau-Crimmitschauer Wochenblatt“. „Die Bedingungen waren extrem. Noch Ende Januar 1990 besaß die Redaktion weder Stuhl, Schreibtisch und Kopiergerät, noch ein Büro. Für einen Absenderstempel bestanden sechs Monate Lieferzeit. Vier Monate lang hatte die Redaktion keinen Telefonanschluss.“ Auch Druckpapier und Druckkapazitäten waren knapp, so Meusel weiter. In den ersten Wochen hätten sich die Menschen um die neuen Zeitungen gerissen, doch mit dem Anrollen der „bunten Papierlawine aus dem Westen“ wurden die neu gegründeten Zeitungen schnell wieder verdrängt.

„Mehr als ein historischer Augenblick war ihnen nicht vergönnt“, hatte die FAZ später einmal zutreffend über die Zeitungs-Neugründungen der Friedlichen Revolution geschrieben. Georg Meusel ergänzte gestern Abend: „Es bedeutete eben auch Glück, dass es uns zumindest einen historischen Augenblick lang vergönnt war, ein wenig, aber bewegende Geschichte mitzuschreiben.“

Die Ausstellung ist bis zum 16. Dezember 2009 montags bis freitags von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr sowie samstags und sonntags von 10:00 Uhr bis 16:00 Uhr im Bürgerfoyer des Sächsischen Landtags zu sehen. Der Eintritt ist frei.