Sächsischer Landtag begeht Tag der Deutschen Einheit – Festredner Janusz Reiter: „Kultur des gegenseitigen Respekts“

Pressemitteilung 62/2009 vom 03.10.2009

Mit einer Feierstunde beging der Sächsische Landtag heute den Tag der Deutschen Einheit. Mehr als 350 Gäste verfolgten die Festrede des polnischen Diplomaten und Publizisten Janusz Reiter im Plenarsaal. Im Mittelpunkt der Reden stand die Vorreiterrolle Polens auf dem Weg zur Friedlichen Revolution und Demokratisierung.

Der Sächsische Landtag beging heute Vormittag mit einer Feierstunde den Tag der Deutschen Einheit. Mehr als 350 geladene Gäste, darunter zahlreiche Bürgerinnen und Bürger, verfolgten im Plenarsaal den traditionellen Festakt anlässlich der deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990.

Ein besonderes Augenmerk lag während der diesjährigen Feierstunde auf der Rolle Polens auf dem Weg zur deutschen Wiedervereinigung sowie Polens Verhältnis zu Sachsen und Deutschland.

Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler bezeichnete die Friedliche Revolution von 1989 als „weltgeschichtliches Ereignis […], das immer Teil einer europäischen Demokratie- und Freiheitsbewegung war“. „Zusammen mit den Polen, Ungarn, Tschechen und den anderen mittel- und osteuropäischen Völkern überwanden wir die Spaltung Europas. […] Uns verbinden gemeinsame historische Erfahrungen der totalitären Unterdrückung, der erfolgreichen demokratischen Revolution und einer schmerzhaften Transformation eines gesamten Wirtschafts- und Gesellschaftssystems.“  Der Präsident des Sächsischen Landtags würdigte die besondere Rolle, die Polen in diesem Prozess spielte. „Für mich waren die Polen das große Vorbild für unseren Herbst 1989.“

Ministerpräsident Stanislaw Tillich betonte in seiner Ansprache, dass die Deutsche Einheit ein einzigartiger Glücksfall in der Geschichte unseres Volkes gewesen sei. Die Vorreiterrolle habe dabei Polen innegehabt. „Die Demokratisierung Polens begann früher als anderswo.“ Heute sei das Verhältnis geprägt von einer tiefgehenden Partnerschaft in Europa, wobei sich der Freistaat Sachsen als Brückenbauer in Europa verstehe.

Die Festrede hielt der polnische Diplomat und Publizist Janusz Reiter, der sich in den achtziger Jahren in der Demokratiebewegung um die verbotene Gewerkschaft Solidarnosc engagiert hatte und später als Mitstreiter des ersten nicht-kommunistischen Regierungschefs Tadeusz Mazowiecki früh für eine enge Zusammenarbeit mit Deutschland warb.
„Polen und Deutschland sind die größten Gewinner der Revolution von 1989. Deutschland hat seine Einheit und seine Freiheit wieder gewonnen, Polen seine Freiheit und eine lange nicht gekannte Sicherheit“, so Reiter heute im Sächsischen Landtag. Zu verdanken sei dies der „Vernunft der Völker“ und der  gemeinsamen Revolution von unten. Für die Zukunft gelte es, gemeinsame Ziele zu definieren und auch schwierige Themen nicht aus der Diskussion auszuklammern. Das Verhältnis zwischen Deutschland und Polen, wie zwischen allen europäischen Partnern müsse geprägt sein von einer „Kultur des gegenseitigen Respekts“.