„Für den Parlamentarismus in Sachsen geht eine Ära zu Ende“ - Langjähriger Landtagspräsident Erich Iltgen aus Amt verabschiedet

Pressemitteilung 61/2009 vom 02.10.2009

Mit einem gemeinsamen Festakt haben Landtag und Staatsregierung sowie zahlreiche Weggefährten Abschied von Erich Iltgen genommen, der nach 19 Jahren als Landtagspräsident aus dem Amt geschieden ist. Für seine Verdienste erhielt Erich Iltgen heute das Große Verdienstkreuz mit Stern des Bundespräsidenten, überreicht von Ministerpräsident Stanislaw Tillich.

Mit einem gemeinsamen Festakt haben der Sächsische Landtag und die Sächsische Staatsregierung heute den langjährigen Präsidenten des Sächsischen Landtags, Erich Iltgen, verabschiedet. Mehr als 350 Gäste folgten der Einladung in den Plenarsaal und würdigten Erich Iltgens Verdienste um die parlamentarische Demokratie in Sachsen. Von der Anerkennung für seine Arbeit zeugt auch seine Ehrung mit dem Großen Verdienstkreuz mit Stern des Bundespräsidenten, das Erich Iltgen im Rahmen des Festaktes von Ministerpräsident Stanislaw Tillich überreicht bekam.
Nach 19 Jahren und vier Legislaturperioden an der Spitze des Parlamentes war Iltgen mit der Konstituierung des 5. Sächsischen Landtags am Dienstag aus dem Amt geschieden.

„Für den Parlamentarismus in Sachsen geht heute eine Ära zu Ende“, sagte sein Nachfolger im Amt, Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler. Rößler erinnerte in seiner Rede an die gemeinsamen Erlebnisse und die Zusammenarbeit während der Friedlichen Revolution, die für beide den Einstieg in die sächsische Politik bedeutete. So moderierte Erich Iltgen 1989 den Runden Tisch des Bezirkes Dresden, an dem der jetzige Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler als Vertreter des Demokratischen Aufbruchs mitwirkte. Die gemeinsame Arbeit setzte sich anschließend im Koordinierungsausschuss zur Bildung des Landes Sachsen fort. Dieses Gremium stellte die Weichen für die Wiedererrichtung des Freistaates Sachsen und legte ein stabiles Fundament für dessen Zukunft. In seinem späteren politischen Wirken habe Erich Iltgen immer für eine politische Kultur im Landtag plädiert, die in ihrem Grundkonsens auf den Herbst 1989 und eine faire Auseinandersetzung zwischen politischen Gegnern zurückgehe, so Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler. „Immer wieder bestätigten Sie Ihren Ruf als Repräsentant einer auf Konsens und Kooperation setzenden Parlamentsdemokratie und lehnten es ab, sich zum Spielball parteipolitischer Interessen machen […] zu lassen. Dafür wurde Ihnen von Anfang an bis zum heutigen Tag mit Fug und Recht die Hochachtung und Akzeptanz über alle demokratischen Parteien und Fraktionen hinaus entgegengebracht.“

„Fast 20 Jahre lang folgte in Sachsen auf das Wort ‚Landtagspräsident’ automatisch der Name ‚Iltgen’“ blickte Ministerpräsident Stanislaw Tillich zurück. „Erich Iltgen hat Vertrauen dadurch gewonnen, dass er ein Präsident aller Abgeordneten war. […] Erich Iltgen hat den Freistaat Sachsen mit aus der Wiege gehoben und dafür gesorgt, dass der sächsische Parlamentarismus groß werden konnte“, würdigte Tillich die Rolle Erich Iltgens und seine Verdienste um Sachsen in den zurückliegenden beiden Jahrzehnten.

Die Festansprache hielt mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten Prof. Dr. Kurt Biedenkopf ein langjähriger politischer Weggefährte Erich Iltgens. Der Altministerpräsident bezeichnete Erich Iltgen als „das demokratische Gewissen des Freistaates“. Leitbild seiner Politik, das er stets mit Nachdruck und aus Überzeugung vertreten habe, sei die Wiederherstellung des Freistaates Sachsen als freiheitlicher Rechtsstaat im Rahmen der föderalen Länderstruktur gewesen. Prof. Dr. Kurt Biedenkopf erinnerte an die Friedliche Revolution und die Wiedererrichtung des Freistaates Sachsen und dem damit untrennbar verbundenen Streben der Menschen nach Freiheit. „Freiheit ist eine der größten kulturellen Errungenschaften der Menschen.“ Hinzu komme das in Sachsen einzigartige tiefe Verständnis und die tiefe Identifikation der Bevölkerung mit ihrem Heimatland.

Die Sächsische Staatskapelle Dresden unter Leitung von GMD Fabio Luisi umrahmte den Festakt musikalisch.