Sachsen erinnert mit Gedenkkonzert an die Opfer des Nationalsozialismus: Politiker fordern Fürsorge und Wachsamkeit

Pressemitteilung 9/2015 vom 27.01.2015

Der Sächsische Landtag und die Staatsregierung des Freistaates gedachten heute mit einer gemeinsamen Veranstaltung der Millionen Opfer des Nationalsozialismus. Unter den mehr als 350 Gästen waren neben zahlreichen Abgeordneten, Mitgliedern der Staatsregierung und Repräsentanten des öffentlichen Lebens mehr als 100 Vertreter von Opferverbänden sowie eine Schulklasse des Dresdner Landesgymnasiums für Musik Carl Maria von Weber.

„Wir können durch Gedenken und Erinnerungen den Opfern ihr Schicksal und damit ihre Würde zurückgeben“, betonte Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler. Zugleich müsse man jedoch immer wieder hinterfragen, ob die vielfältigen Debatten und Diskurse der Erinnerungskultur in breiten Schichten unserer Gesellschaft ankommen. „Die Gegenwart sollte uns da zu denken geben.“ Während man der Angst vor dem Anderen mit Mitteln einer engagierten Demokratie begegnen könne, sei irrationaler Hass, verbunden mit der Bereitschaft zu Gewalt nicht mit der Meinungsfreiheit einer Demokratie zu rechtfertigen.
„Aus der Sorge sollte Fürsorge erwachsen“, schlug Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler den Bogen zwischen der Sorge um die Gefahr des Vergessens und den Herausforderungen der Gegenwart. “Fürsorge, die Zuwendung zum Anderen, zum Nachbarn, zum Mitbürger oder zum Fremden bringt eine Kultur der Mitmenschlichkeit hervor. Das ist die Gesellschaft, die wir in unserem Freistaat Sachsen und in unserer Bundesrepublik Deutschland wollen und brauchen.“

Martin Dulig, Staatsminister und stellvertretender Ministerpräsident des Freistaates Sachsen sagte in seiner Ansprache: „Das Konzentrationslager Auschwitz steht für den Verrat an den Grundprinzipien von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit - bis hin zur physischen Vernichtung. Auch heute, 70 Jahre nach der Befreiung, müssen wir als Demokraten wachsam sein und gegen undemokratische Einstellungen aktiv werden. Das zeigen uns nicht zuletzt die aktuellen Herausforderungen in Sachsen, bei denen der Beigeschmack antisemitischer Einstellungen immer stärker wird. Wir mussten erfahren, dass religiös motivierte Auseinandersetzungen nicht mehr nur weit weg stattfinden. Die Grundprinzipien der Demokratie sind deshalb an einem Tag wie heute gleich doppelt bedeutsam.“

Das Gedenkkonzert gestaltete die Neue Jüdische Kammerphilharmonie Dresden (NJK) unter der Leitung von Michael Hurshell. Das Ensemble spielt vorwiegende Werke von Komponisten jüdischer Herkunft, die bis heute sehr selten oder gar nicht aufgeführt werden und die somit vor dem Vergessen bewahrt werden sollen. Schüler vom Landesgymnasium für Musik Dresden Carl Maria von Weber führten in das Konzert, bei dem Werke von Marc Lavry, Franz Schreker, Alexander Zemlinsky, Erich W. Korngold und Felix Mendelssohn Bartholdy aufgeführt wurden, ein.

Hintergrund
Der Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 ist seit 1996 auf Initiative des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog offizieller Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Der Sächsische Landtag und die Sächsische Staatsregierung würdigen diesen Tag seit 2006 jedes Jahr mit einer gemeinsamen Gedenkstunde im Plenarsaal des Sächsischen Landtags.