Sachsen erinnert mit Gedenkkonzert an die Opfer des Nationalsozialismus: Für eine Kultur der Zuwendung

Pressemitteilung 14/2014 vom 27.01.2014

Parlament und Staatsregierung des Freistaates Sachsen gedachten heute mit einer gemeinsamen Veranstaltung im Plenarsaal des Sächsischen Landtags der Millionen Opfer des Nationalsozialismus.

An der Gedenkstunde nahmen neben Abgeordneten und Regierungsmitgliedern u. a. Vertreter des Verfassungsgerichtshofes, des konsu-larischen Korps, der Kirchen und Religionsgemeinschaften sowie der Kommunen teil. Zu den über 350 Gästen zählten zudem zahlreiche Vertreter von Opferverbänden sowie Schülerinnen und Schüler des Dresdner Vitzthum-Gymnasiums.

„Es ist gefährlich, zu vergessen, wozu der Mensch am Menschen fähig ist“, mahnte Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler und appellierte eindringlich an die nachgeborenen Generationen, die Erinnerung an die Leiden der Opfer wachzuhalten. Dies gelinge am besten in der Betrachtung menschlicher Einzelschicksale „jenseits von Zahlen und Daten, die [...] vielleicht zu übermächtig oder zu abstrakt erscheinen. [...] Hinter den Zahlen erscheinen dann Namen und Gesichter. Werden aus Opfern wieder Mitbürger und Nachbarn – ja, werden wieder Menschen sichtbar.“ Der Unkultur des Vergessens müsse man eine Kultur der Zuwendung und der Anerkennung entgegensetzen, so Rößler weiter. „In dieser Kultur können wir ein gesellschaftliches Klima schaffen, das widerstandsfähiger ist gegenüber Attacken der Menschen-verachtung und der Gewalt.“

Ministerpräsident Stanislaw Tillich betonte, „die Erinnerung an Gräuel, Barbarei und das unfassbare Leid der Opfer während der Zeit des Nationalsozialismus ist wichtig. Es braucht wiederkehrende Anlässe wie den 27. Januar, die uns aufrütteln und die verhindern, dass wir ausweichen oder bequem werden.“ Tillich verwies zugleich auf eine Reihe von israelisch-sächsischen Initiativen und Partnerschaften und rief dazu auf, weitere Zeichen der Verständigung und Versöhnung zu setzen. „So wie das Erinnern unsere Verpflichtung ist, so liegt das Handeln in unserer Verantwortung. Die Gefahr einer Wiederholung bleibt dann gebannt, wenn in den Köpfen und Herzen klar ist, dass die Würde eines jeden Menschen unantastbar ist. Deshalb darf uns der Tag, an dem die Überlebenden in Auschwitz-Birkenau 1945 befreit wurden, nicht in Ruhe lassen.“

Das Gedenkkonzert gestaltete der Dresdner Kammerchor unter Leitung von Hans-Christoph Rademann gemeinsam mit dem Schulchor der Evangelischen Schulgemeinschaft Annaberg-Buchholz, für den der Kammerchor aktuell die Schulchorpatenschaft übernommen hat. Aufgeführt wurden u.a. Werke des jüdischen Komponisten und Geigenvirtuosen der Barockzeit, Salomone Rossi sowie Kompositionen von Heinrich Schütz.

Hintergrund:
Der Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 ist seit 1996 auf Initiative des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog offizieller Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Der Sächsische Landtag und die Sächsische Staatsregierung würdigen diesen Tag seit 2006 jedes Jahr mit einer gemeinsamen Gedenkstunde im Plenarsaal des Sächsischen Landtags.