Feierstunde zum Tag der Deutschen Einheit im Sächsischen Landtag

Pressemitteilung 116/2013 vom 03.10.2013

Mit einer Feierstunde würdigte der Sächsische Landtag heute den Tag der Deutschen Einheit. Mehr als 350 Gäste, darunter zahlreiche Bürgerinnen und Bürger, verfolgten die Festrede von Altbischof Joachim Reinelt im Plenarsaal. Diese schloss sich an die Ansprachen von Landtagspräsident Dr. Rößler sowie Ministerpräsident Tillich an.

Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler erinnerte an die unmittelbare Verbindung des Parlamentes zur Kirche. So habe sich der neu gewählte Landtag im Oktober 1990 in der Dreikönigskirche konstituiert und bis 1993 dort getagt. „In Sachsen passte die Nutzung des Kirchengebäudes auch wegen der wichtigen Rolle ins Bild, welche die Kirchen in der Friedlichen Revolution von 1989 gespielt haben.“
Die Sächsische Verfassung, die viele Anregungen aus dieser Zeit aufgenommen habe, ist 1992 ebenfalls in der Dreikönigskirche verabschiedet worden. „Sie würdigt[...] die historische Rolle der Kirchen im Vorfeld der Friedlichen Revolution, Andersdenkenden und Hilfesuchenden Dach und Schutz gewesen zu sein und ermutigt damit auch heute“, so Rößler weiter. Festredner Joachim Reinelt lobte Rößler als Persönlichkeit, die bis heute wichtige Denkanstöße in die Politik einbringe. 

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich sagte: „´Einigkeit und Recht und Freiheit´- das sind die Worte und Werte, nach denen vier Jahrzehnte lang nur in einem Teil unseres Vaterslandes gestrebt werden konnte. Erst mit dem 3. Oktober 1990 konnten alle drei Worte in ganz Deutschland gelebt werden.“ Wichtig sei aber, Freiheit und Demokratie immer wieder neu zu erringen. „Freiheit und Demokratie sind nur dann von Dauer und eine Selbstverständlichkeit, wenn wir ganz bewusst als freie Bürger denken, fühlen und handeln. Freiheit heißt dabei auch Verantwortung. Wirklich frei können wir nur sein, wenn wir gemeinsam mit anderen das tun, was uns für das Gemeinwohl nützlich erscheint.“ 

Joachim Reinelt, Bischof em., stellte in den Mittelpunkt seiner Festredes eine Erinnerungen als Zeitzeuge der Friedlichen Revolution und der deutschen Wiedervereinigung. Er erinnerte in eindringlicher Form an die Unterdrückung jeglichen Widerstandes in der DDR wie auch an den Mut vieler Menschen, sich nicht der Diktatur der SED zu beugen. Ausführlich schilderte Joachim Reinelt die Geschehnisse des Herbstes ´89 und den Weg zur Wiedervereinigung. 
Als unvergesslich bezeichnete Altbischof Reinelt die ersten freien Wahlen in der DDR am 18. März 1990. „Wir Christen sind überzeugt, dass diese großen Tage unserer Geschichte nicht nur glückliche Zufälle sind, sondern auch eine Frucht unzähliger Gebete und leidenschaftlicher Sehnsüchte nach der Einheit Deutschlands durch alles Jahrzehnte der Spaltung hindurch.“
Ausdrücklich danke JoachimReinelt den politisch Engagierten dieser Zeit in Sachsen: „Angefangen von den Runden Tischen bis zur Erarbeitung der Sächsischen Verfassung wurde selbstlos und kompetent hart gearbeitet. Die Verfassung vom Mai 1992 ist ein Meisterstück.“ Mit Blick nach vorn sagte Altbischof Reinelt „Die Zukunft unseres Freistaates wird nun stark davon abhängig sein, ob der Schwung desAnfangs immer wieder neu entfacht werden kann.“ Für das Heute forderte Reinelt, den „Versuchung der Bürokratie“ nicht zu erliegen. „Ein Volk, das unnötiggegängelt wird, wird lahm.“ Die Gleichheit sei ein „Höchstwert einer freienGesellschaft“ und bedeute nicht nur gleiches Recht, „sondern auch gleichesAnsehen, gleiche Chancen, weil gleiche Würde eines jeden Mannes, einer jeden Frau.“
Zum Abschluss seiner Rede forderte Altbischof Reinelt dazu auf, den Familien besonders zu helfen. „Wenn auch Dresden als deutsche Großstadt der vielen Geburten gefeiert wird, können wir die Augen nicht schließen vor der Kinderarmut in ganz Europa. Ein wieder junges Europa müsste keineswegs der Traum eines alten Mannes bleiben. Wo Familie gesund und auskömmlich leben kann, wo der authentische Optimismus einer jungen Generation unterstützt wird, wo der Segen Gottes auf den jungen Leuten ruht, da bekommen sie Lust auf Kinder. Ein solches Sachsen, Deutschland und Europa wünsche ich uns von ganzem Herzen.“