Weimarer Landtag (1919 - 1933)

Nach dem Ende der Monarchie in Sachsen übernahm der Sächsische Landtag die Souveränität und erlangte gemäß der Verfassung von 1920 das Recht, die Regierung zu berufen. Das vorläufige Ende des demokratischen Parlamentarismus kam mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten.

Verhandlungsprotokoll Sächsische Volkskammer

Zwischen dem 8. und 10. November 1918 bildeten sich wie im ganzen Deutschen Reich auch in Sachsen Arbeiter- und Soldatenräte, um die legislative und exekutive Gewalt zu übernehmen. Am 10. November rief ein Arbeiter- und Soldatenrat, der im Dresdner Zirkus Sarrasani tagte, die Republik aus. Drei Tage danach verzichtete der sächsische König Friedrich August III. auf seinen Thron. Am 15. November übernahmen sechs „Volksbeauftragte“ die Regierungsgewalt in Sachsen. Sie erließen am Tag nach Weihnachten ein Wahlrecht für eine „vorläufige Vertretung des gesamten Volkes der Republik Sachsen“. Dieses Vorparlament, das sich „Volkskammer der Republik Sachsen“ nannte, wurde am 2. Februar 1919 gewählt. Bis zum 26. Oktober 1920 erarbeitete die Volkskammer eine „Verfassung des Freistaates Sachsen“, nach deren Annahme durch das Vorparlament am 14. November desselben Jahres die Wahlen zum ersten Landtag des Freistaates Sachsen durchgeführt wurden.

Erst nach dem Ende der Monarchie übernahm der Sächsische Landtag die Souveränität und ebenfalls erst in der Weimarer Republik verlagerte sich das Recht, die Regierung zu berufen, ins Parlament. Nicht mehr der Fürst berief sein Kabinett, sondern der Ministerpräsident und die einzelnen Ressortminister wurden durch die Unterstützung der Landtagsfraktionen ins Amt eingesetzt. Das Parlament hatte das Recht, Gesetze zu initiieren und der Landtag durfte auch erstmals seine Geschäftsordnung ohne Vorgaben der Exekutive festlegen. Die Regierungen konnten in der Folge die Debatten nicht mehr in dem Ausmaße steuern wie zuvor. Insgesamt gewann daher die Volksvertretung im politischen Kräftefeld der parlamentarischen Demokratie erheblich an Bedeutung.

Frauenkopf Sandsteinplastik

Wahlberechtigt waren im Freistaat Sachsen alle erwachsenen Männer und Frauen. Jede Stimme galt nun gleich viel. Ebenso fielen alle noch bestehenden Beschränkungen, die ein bestimmtes Vermögen als Voraussetzung verlangten, um gewählt zu werden. Zum ersten Mal durften jetzt auch Frauen als Abgeordnete in den Landtag gewählt werden. Der Typus des Honoratiorenpolitikers, der ohne eine feste Bindung an eine Partei ein Abgeordnetenmandat erhielt, blieb seit der Weimarer Republik chancenlos, in den Landtag einzuziehen.
 
Der neue Parlamentarismus in Sachsen musste allerdings stets auch Gegner und Skeptiker im Landtag verkraften. Die Unabhängigen Sozialdemokraten, eine radikale Linksabspaltung von der SPD, betrachteten schon im Jahre 1919 die neue Regierungsform lediglich als eine Formaldemokratie. Später wurde die repräsentative Demokratie von Kommunisten und Nationalsozialisten angefeindet, obwohl sie das Parlament als Bühne für ihre Agitation nutzten. Nachdem Adolf Hitler am 30. Januar 1933 Reichskanzler geworden war und seine Koalition aus rechtsextremistischen Parteien bei den Reichstagswahlen vom 5. März 1933 die Mehrheit erreicht hatte (NSDAP 43,9 Prozent, Kampffront Schwarz-Weiß-Rot 8,0 Prozent), verordnete der nationalsozialistische Reichkommissar für Sachsen, Manfred v. Killinger, am 4. April 1933 die „Gleichschaltung“ des Landesparlaments. Die Fraktionen des Sächsischen Landtags wurden nach dem Stimmenanteil bei der letzten Reichstagswahl umgebildet. KPD und SPD wurde selbst das nicht mehr gestattet. Das von der NSDAP kontrollierte Restparlament blieb ohne jeden politischen Einfluss. Es existierte aber formell noch bis zum 30. Januar 1934.