Ständeversammlung (1438 - 1831)

Bürgerlicher Reiter des Defenesionswerkes

Ritterliche Vasallen, Städte, Äbte und Bischöfe erschienen zunächst auf den sächsischen Landtagen des ausgehenden Mittelalters. Sie waren die ohnehin Mächtigen im Lande, auf deren wirtschaftliche, politische und militärische Hilfe der Fürst angewiesen war. Daher forderte er von ihnen seit jeher Rat und Hilfe. Im Jahre 1438 luden die gemeinsam regierenden Brüder Kurfürst Friedrich II. und Herzog Wilhelm III. zum ersten Mal Adel, Klerus und Städte gemeinsam zu einem Landtag. Von diesem Zeitpunkt an trat die kursächsische Ständeversammlung in den folgenden vier Jahrhunderten durchschnittlich alle zweieinhalb Jahre zusammen.
 
Die Reformation spielte in Sachsen einen großen Teil der kirchlichen Kräfte dem Landesherrn zu und führte zum Ausscheiden der Kleriker aus der kursächsischen Ständeversammlung. Aber obwohl seit dem 16. Jahrhundert der wachsende Staatsapparat die zentrale Verwaltung stärkte, obwohl allmählich Söldnertruppen und stehende Heere das Gewaltpotential in den Händen der Herrscher konzentrierte, blieben in Kursachsen die Landtage einflussreich. Weder der Dreißigjährige Krieg, der in vielen deutschen Territorien die Landstände entmachtete, noch die absolutistischen Ambitionen eines August des Starken konnten die Landtage als Machtfaktor beseitigen. Bis zum Jahre 1831 kamen adelige Rittergutsbesitzer, Vertreter sächsischer Städte und Deputierte einiger Sonderherrschaften auf den Landtagen zusammen.

Adeliger Reiter des Defenesionswerkes

Die durchgängige Domäne der Landstände waren die Steuerbewilligung und die innergesellschaftlichen Verhältnisse. Auf die Außenpolitik konnten sie nur in sehr unterschiedlichem Maße Einfluss nehmen. Während beispielsweise Johann Georg I. beim Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges seine Stände immer wieder konsultierte, sich dann aber doch gegen ihren Rat auf Seiten des Kaisers engagierte, konfrontierte August der Starke den Landtag mit vollendeten Tatsachen, als er sich um die polnische Krone bewarb und deshalb zum Katholizismus konvertierte. Andererseits war das frühneuzeitliche Parlament nach dem Siebenjährigen Krieg stark genug, dem Herrscherhaus den Militäretat auf die Hälfte des Gewünschten zu kürzen.

Dennoch war der Landtag Sachsens am Ende der Frühen Neuzeit noch weit davon entfernt, eine gesetzgebende Versammlung zu sein. Er bewilligte die Steuern, machte Verbesserungsvorschläge für die Verhältnisse im Lande und übte eine Art öffentliche Kontrolle über die Handhabung der fürstenstaatlichen Ämter aus. Die letzte vormoderne Ständeversammlung vereinbarte mit dem König eine geschriebene Verfassung, zu deren Kernstücken ein konstitutionelles Zweikammerparlament gehörte.