Landtag der Nachkriegszeit (1946 - 1952)

Mit Genehmigung der sowjetischen Besatzungsmacht konstituierte sich im Jahre 1946 erneut ein Landesparlament in Sachsen. Dazu trat seit dem 25. Juli 1946 zunächst ein Vorparlament ("Beratende Versammlung") zusammen.

Bereits in der „Beratenden Versammlung“ wurde offensichtlich, dass der neue Landtag nicht an die weltanschaulichen Kontroversen der Weimarer Republik anknüpfen würde. Den Plenardebatten war schon zu diesem Zeitpunkt eine Beratung im „antifaschistischen Block“ vorgeschaltet, in dem sich alle im Parlament vertretenen Gruppierungen auf eine gemeinsame Position einigten. Sowohl die „Beratende Versammlung“ als auch später der Landtag debattierten unter hohem Druck, öffentlich eine einheitliche Meinung aller Parlamentsmitglieder zu demonstrieren. Die "Einheitsfront der antifaschistisch-demokratischen Parteien" war stets darum bemüht, möglichst geschlossen aufzutreten.

Die ersten Wahlen zum Sächsischen Landtag wurden gleichwohl massiv manipuliert. Als die Wählerinnen und Wähler am 20. Oktober 1946 abstimmten, hatten die Landesbehörden die sogenannten bürgerlichen Parteien gehindert, ausschließlich nach eigenem Ermessen Kandidaten aufzustellen. Es wurden zudem Pressekampagnen etwa gegen die CDU von der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) durchgeführt und Wahlkampfmittel vorsätzlich verknappt. Wahlkampf und Wahlen waren allenfalls halbfrei.
 
In der rechtlichen Stellung, die durch die Verfassung formal zugesichert war, entsprach der Sächsische Landtag der SBZ/DDR weithin den Anforderungen einer parlamentarischen Demokratie. Jedoch kam es während der Landtage zu Repressionen gegen nicht sozialistisch gesonnene Parlamentarier. Trotz verfassungsrechtlicher Absicherung konnte der Landtag daher seine Aufgaben nicht ungehindert erfüllen. SMAD-Offiziere protokollierten die Plenardebatten, nahmen an den Fraktionssitzungen teil und luden oppositionelle Parlamentarier zum Zeitpunkt wichtiger Abstimmungen zu dringenden Gesprächen oder Verhören vor. Ohnehin konnte die Besatzungsmacht nach Gusto in die Gesetzgebung und Verwaltung eingreifen. Einzelne Parlamentsmitglieder der CDU und LDP konnten ihre Position dennoch eine Zeit lang für humanitäre Zwecke nutzen. Nachdem allerdings zum Jahresbeginn 1949 eine „Säuberungswelle“ die CDU-Fraktion überrollt hatte und im November 1950 weitere unbequeme Landtagsmitglieder durch eine Wahl ausgeschieden waren, fungierte das Parlament lediglich noch als ein Akklamationsorgan der SED.
 
Mit der Auflösung der Länder in der DDR im Jahre 1952 wurde auch das sächsische Landesparlament abgeschafft. In den nachfolgenden 38 Jahren existierte kein Sächsischer Landtag.