Sächsischer Landtag (seit 1990)

Der Zusammenbruch der DDR im Herbst 1989 machte den Weg frei für eine demokratische Neukonstituierung des Sächsischen Landtags. Die Initiativen zur Schaffung eines Freistaates Sachsen und eines Sächsischen Landtags gingen u. a. von den Runden Tischen der Bezirke Dresden, Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) und Leipzig aus.

Der frühere Plenarsaal des Sächsischen Landtags: Bis zum Herbst 1993 tagten die 160 Abgeordneten im Haus der Kirche.

Der Runde Tisch des Bezirks Dresden konnte in Konkurrenz zu den Bestrebungen der alten Kräfte die Initiative zur Länderbildung behaupten. Diese Aufgabe übertrug er am 17. Mai 1990 einem Koordinierungsausschuss mit Arbeitsgruppen zu Verfassung, Wirtschaft, Umwelt, Bildung und Wissenschaft sowie zur Vorbereitung des Landtags. Die Arbeitsgruppe, die den parlamentarischen Betrieb des künftigen Landtags vorbereitete, stand unter der Leitung von Erich Iltgen. Das Gremium war ein vorparlamentarischer Ausschuss, der provisorisch die räumlichen und organisatorischen Arbeitsmöglichkeiten für den Landtag vorbereitete.
 
Am 14. Oktober 1990, 60 Jahre nach der letzten freien Landtagswahl, fanden wieder freie Wahlen zu einem Sächsischen Landtag statt. Das Parlament konstituierte sich am 27. Oktober 1990 in der Dresdner Dreikönigskirche (Haus der Kirche). Es beschloss in der 1. und 2. Legislaturperiode (1990-1994 und 1994-1999) in rascher Folge die Gesetze, die Sachsen zu einem funktionsfähigen Land der Bundesrepublik Deutschland machten. In der dritten Wahlperiode sank der Aufwand für die Gesetzgebung. Seither stehen die Kontrollfunktionen des Parlaments und sein Mitwirken bei der politischen Willensbildung stärker im Vordergrund.

Neuer Plenarsaal: Seit Ende 1993 halten die Mitglieder des Sächsischen Landtags Plenarsitzungen im Parlamentsneubau ab.

Der Sächsische Landtag bestand in der 1. Wahlperiode aus 160 Mitgliedern. Mit der Wahl im Jahre 1994 wurde die Zahl der Abgeordnete auf 120 reduziert. Auch die Wahlperioden haben sich mit der zweiten Wahl von vier auf fünf Jahre verlängert. Sämtliche Parlamentsmitglieder gelangten als Kandidaten von Parteien ins Parlament. Entweder errangen sie direkt in einem Wahlkreis ein Mandat, oder sie erhielten einen Sitz über die Landesliste ihrer Partei. Im Vergleich zu den Honoratiorenpolitikern, welche die konstitutionellen Parlamente des 19. Jahrhunderts dominierten und denen sich zumeist nur aufgrund ihres privaten Vermögens der Weg in den Landtag öffnete, bietet der Zugangsmodus über die Parteien einem wesentlich breiteren Spektrum der Bevölkerung Chancen auf ein Mandat. Die Zusammenarbeit in Fraktionen ermöglicht zudem stabile Mehrheiten und eine organisierte Arbeitsteilung.
 
Während der ersten drei Legislaturperioden (1990-2004) konnte die CDU-Fraktion mit absoluter Mehrheit regieren. Als Oppositionsparteien gehörten in der 1. Wahlperioden die SPD, die Linke Liste/PDS, Bündnis 90/Die Grünen und die FDP dem Landtag an. Während der 2. und 3. Legislaturperiode waren neben den Christdemokraten lediglich die Sozialdemokraten und die PDS im Landtag vertreten. Dies änderte sich mit der Landtagswahl am 19. September 2004, bei der sechs Parteien in den Landtag einzogen. Neben CDU, SPD und PDS waren dies die FDP, Bündnis 90/Die Grünen sowie die NPD. Diese Sechsparteienkonstellation blieb auch in der 5. Legislaturperiode (2009-2014) bestehen. In der aktuellen 6. Legislaturperiode (seit 2014) setzt sich der Sächsische Landtag aus fünf Fraktionen zusammen: CDU, Die Linke, SPD, AfD und Grüne.

Mit dem Ende der absoluten CDU-Mehrheit im Jahr 2004 kam es zu Koalitionsbildungen in Sachsen. Von 2004 bis 2009 regierte ein Bündnis aus CDU und SPD. 2009 bis 2014 koalierten die Christdemokraten mit der FDP. Seit 2014 regiert im Freistaat Sachsen abermals eine Koalition aus CDU und SPD.

Parlamentsverhältnisse in Sachsen seit 1990

Zeit Parlamentsparteien Regierung Ministerpräsident Landtagspräsident
1990-1994 CDU-SPD-PDS-Grüne-FDP CDU Kurt Biedenkopf Erich Iltgen
1994-1999 CDU-SPD-PDS CDU Kurt Biedenkopf Erich Iltgen
1999-2002 CDU-PDS-SPD CDU Kurt Biedenkopf Erich Iltgen
2002-2004 CDU-PDS-SPD CDU Georg Milbradt Erich Iltgen
2004-2008 CDU-PDS-SPD-FDP-Grüne-NPD CDU-SPD Georg Milbradt Erich Iltgen
2008-2009 CDU-DieLinke-SPD-FDP-Grüne-NPD CDU-SPD Stanislaw Tillich Erich Iltgen
2009-2014 CDU-DieLinke-SPD-FDP-Grüne-NPD CDU-FDP Stanislaw Tillich Matthias Rößler
seit 2014 CDU-DieLinke-SPD-AfD-Grüne CDU-SPD Stanislaw Tillich Matthias Rößler