Ergebnisse des 20. Schülerwettbewerbes
Wir erinnern uns an den vergangenen Winter. Bereits im November brach ein Schneechaos über Sachsen herein und legte sogar den Straßenverkehr bisweilen lahm. Besuchergruppen aus dem Vogtland oder Erzgebirge sagten ihre Fahrten zum Landtag ab, die Schulen waren zeitweise geschlossen. Das wirkte sich auch auf den Einsendeschluss für die Arbeiten unseres Wettbewerbs aus. Viele Lehrer baten um einen zeitlichen Aufschub, da die Schüler mit ihren Ausarbeitungen nicht rechtzeitig fertig geworden waren.
So konnten wir erst Ende Februar unsere Datenbank schließen und feststellen, dass sich die Teilnehmerzahl im Vergleich zur 19. Veranstaltung um 200 auf 1.656 erhöht hatte. Seit dem Jahr 2004 war keine Zunahme bei den Teilnehmenden zu verzeichnen. Ein schöner Erfolg in Zeiten rückläufiger Schülerzahlen.
Themen, die einen unmittelbaren Bezug zum Erfahrungsbereich junger Menschen haben, standen auch diesmal im Mittelpunkt des Interesses. 322 Schüler suchten eine Antwort auf die Frage: „Körperkult – Schönheits-OPs, Tatoos und Piercings: Der moderne Mensch stylt seinen Körper. Warum?“ Das Meinungsspektrum erstreckte sich von klarer Ablehnung der Eingriffe in die Natur des Menschen über die Suche nach einem Standpunkt bis hin zu begeisterter Zustimmung. Viele Ausarbeitungen wiesen allerdings auch auf die negativen Ergebnisse so mancher „Verschönerung“ hin und ließen damit auch Befürworter des Stylings nachdenklich werden. Ein verantwortungsbewusster Umgang mit Trends dieser Art darf als Wertung festgehalten werden.
Häufig aufgegriffen wurde auch das Thema „Zivilcourage – wegschauen oder helfen? Was kann ich tun?“ 257 Jugendliche hinterfragten das Verhalten der Menschen, die gewalttätige Übergriffe auf wehrlose Personen beobachten. Spätestens seit dem Fall Dominik Brunner ist das Problem des Helfens oder Wegschauens in das Bewusstsein der meisten Bürger gedrungen. Viele haben darüber nachgedacht, wie sie selbst in einer solchen Situation gehandelt hätten. Ein mutiges Eingreifen einzelner Personen ist oftmals nicht die Lösung, wie das Geschehen in München gezeigt hat. Aber, wie weit sollte der Selbstschutz gehen? Die Jugendlichen geben viele Verhaltenstipps und erzielen damit einen Lerneffekt. „Warte nicht darauf, dass andere schon reagieren werden“, ist sicher ein ganz wichtiger Hinweis, denn je mehr Menschen einen Vorfall beobachten, desto größer ist der Reiz, die Verantwortung auf andere abzuschieben. Den eigenen Standpunkt gegen Widerstände vermeintlicher Mehrheiten zu vertreten oder unpopuläre Meinungen anderer zu unterstützen, setzt auch Mut voraus, sagen viele Schüler. Und solchen Umständen sind wir häufiger ausgesetzt als der Konfrontation mit Gewalttaten.
Zahlreiche Jugendliche sind Nutzer sogenannter sozialer Netzwerke. Das bestätigen auch 182 Schüler, die sich Gedanken darüber gemacht haben, inwieweit das Internet ihr Leben beeinflusst. Facebook, MySpace, SchülerVZ und viele andere „Social-Networks“ sind sehr beliebt bei jungen Menschen. Sie verwenden oftmals gleich mehrere Möglichkeiten des virtuellen Kontakts. Natürlich bindet das viel Zeit, aber für die meisten ersetzt diese Art der Kommunikation nicht die Beziehung zur realen Welt. Sie pflegen Freundschaften im virtuellen Bereich, vor allem auch durch Kontakte in andere Länder, ebenso selbstverständlich wie sie in der Realität mit Gleichaltrigen Verabredungen zu gemeinsamen Freizeitaktivitäten treffen.
Für das Thema „Falsche Essgewohnheiten, mangelnde Bewegung, Übergewicht: Sollte Erziehung zu gesunder Lebensweise Pflichtprogramm in der Schule werden?“ interessierten sich 157 Jugendliche. Und siehe da, die Mehrheit hält ein Unterrichtsfach „gesunde Lebensweise“ für durchaus sinnvoll. In einer Zeit, in der alles in einem rasanten Tempo geschieht, in der Menschen getrieben werden von Terminen und wachsendem Arbeitsdruck, scheint es keine Muße mehr zu geben, fürsorglich mit Körper und Seele umzugehen. Diese Erfahrung muss neu erlernt werden. Ebenso wichtig ist das Wissen über die Verwertung der Nahrung durch den menschlichen Körper. Der Wunsch nach weniger fettigem und kohlehydratreichem Essen in der Schulkantine zeigt, dass junge Menschen nicht immer zu Fast-Food greifen wollen, sondern gerne auch die Möglichkeit nutzen möchten, nährstoffreiches Essen zu sich zu nehmen. Kochkurse, in denen sie lernen, wie man frische Lebensmittel schonend zubereitet, fänden die Schüler sogar sehr interessant, und zwar nicht nur der weibliche Teil.
„Stumpfen Jugendliche durch Killerspiele oder Gewalt verherrlichende Filme ab?“
Diese Frage ist in den Medien so häufig thematisiert worden, dass Sechzehnjährige sich gelangweilt abwenden. Jene 103 Teilnehmer, die sich dennoch auf die Aufgabe eingelassen haben, sind zu dem Ergebnis gekommen, dass der Konsum solcher Spiele und Filme nicht das einzige Kriterium für einen Realitätsverlust und eine damit einhergehende Abstumpfung ist, die eventuell in ein Gewaltverbrechen mündet. Eltern, meinen sie, tragen eine große Verantwortung dafür zu beachten, welchen Aktivitäten die Jugendlichen in den unterschiedlichen Medien nachgehen. Damit zeigen sie ihren Kindern, dass sie sich für deren Hobbys interessieren und vielleicht sogar daran teilhaben möchten. Erwachsene glauben aber eher, dass ihr Interesse die Teenager nur nervt und sehen daher gleich von gemeinsamen Aktivitäten ab, anstatt eine anfängliche Abwehr zu überwinden. Denn junge Menschen wünschen sich die Aufmerksamkeit ihrer Eltern. Sie wollen ernst genommen und als Partner gesehen werden.
24 Erstpreisträger haben mit ihren 13 Arbeiten die gesamte Bandbreite der Darstellungsformen genutzt, wobei die elektronischen Medien wieder einmal einen vorderen Platz einnehmen. Somit verwundert auch nicht, dass drei Filme, ein Hörfeature und ein Lied auf DVD unter den Gewinnern sind. Aber auch herkömmliche Gestaltungsarten wie Plakate, Plastiken und schriftliche Arbeiten befinden sich auf den ersten Plätzen. Wie bei allen vorangegangenen Wettbewerben dominiert auch diesmal das weibliche Geschlecht und stellt mit 18 Schülerinnen das Gros bei den Erstpreisträgern.
Kreative Sprache, treffende Analysen, sorgfältige Recherchen und großer Ideenreichtum bei der Nutzung moderner Techniken erfahren auch in diesem Jahr die verdiente Honorierung: Die Gewinner der ersten Preise werden interessante Tage mit einem anspruchsvollen Programm in Brüssel erleben. Es wird eine Abschlussfahrt sein, denn wir verabschieden uns vom gewohnten Format des Schülerwettbewerbs, der im Verlauf von zwei Jahrzehnten mehr als 500 sächsischen Schülerinnen und Schülern einen ersten Preis verschafft hat – ganz zu schweigen von den zahllosen zweiten und dritten Preisen, die zu gewinnen waren.
Natürlich schwingt bei diesem Finale auch Wehmut mit, denn wir haben bei der Auswertung der Einsendungen ebenso viel Herzblut investiert wie die mitwirkenden Schüler. Neben den Teilnehmern gebührt den Pädagogen ein großer Dank, denn ohne ihr Engagement wäre die hohe Akzeptanz des Wettbewerbs nicht denkbar gewesen. Sie haben die Teilnahme nicht nur angeregt, sondern vor allem ihre Schützlinge bei der Fertigung der Einsendungen unterstützt. Die positive Rückschau wird für uns Motivation genug sein, um nach einer kreativen Pause eine gleichwertige Alternative anbieten zu können.

