5. Jugendgeschichtstage: "Es gibt keine Zukunft ohne Vergangenheit!"

Ein kleines Jubiläum feierte der Jugendgeschichtstag im Sächsischen Landtag: das fünfte Mal seit 2005 versammelten sich hier Jugendliche, um ihre Arbeiten einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Sie eint das Interesse an ihrer Geschichte, das sie dazu gebracht hatte, nachzuforschen, aufzuschreiben, zu interviewen und Informationen zu sammeln.

Der im September gewählte Präsident des Sächsischen Landtags, Dr. Matthias Rößler, brachte es bei seiner Begrüßungsrede am 21. November auf den Punkt: „Es gibt für uns keine Zukunft, wenn wir uns nicht mit unserer Vergangenheit auseinandersetzen“. Es sei eine der gewaltigen Errungenschaften der Friedlichen Revolution von 1989, dass Geschichte endlich ein Allgemeingut geworden sei und nicht mehr vorgegeben werde, was zu lernen, zu studieren und zu glauben sei.

Die Leistungsschau der Projekte, die im Rahmen der Auslobung durch die Sächsische Jugendstiftung (SJS) entstanden waren, wurde in diesem Jahr im Bürgerfoyer einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Unter dem Titel „Zeitensprünge“ war für jedes Projekt über das Ausstellungssystem des Landtags eine kleine Parzelle geschaffen worden, sodass Videovorführungen und Audioclips gezeigt und abgespielt werden konnten, ohne den Nachbarn zu belästigen. Das sei hilfreich gewesen und habe der ganzen Sache das Flair eines Bazars gegeben. Ricardo Glaser, zuständig für „Zeitensprünge“, war zufrieden: „Sowohl unsere Gäste als auch die Projektteilnehmer haben sich selbstständig die einzelnen Projekte anschauen können und waren nicht an einen bestimmten Termin im Plenarsaal gebunden“. Das habe die ganze Sache im Sinne aller aufgelockert und interessanter gemacht.

Wie greifbar Geschichte vor allem im 20. Jahr nach dem Mauerfall und dem damit verbundenen Ende der DDR immer noch ist, zeigten Gespräche mit Personen, die sich ganz lebendig an die Vorgänge vor 20 Jahren erinnern konnten: „Wie war das damals – vor 20 Jahren?“ haben wir Herbert Wagner, den Kirchenmann Harald Bretschneider und den Regisseur Thierry Bruehl gefragt und ganz offene Antworten bekommen: „Niemand von uns wusste, wie sich alles entwickeln würde“, erinnerte sich Herbert Wagner, Mitglied der Gruppe der 20 und späterer Oberbürgermeister Dresdens. „Aber wir wussten, dass wir uns mit den bestehenden Verhältnissen nicht abfinden wollten und deshalb etwas unternehmen mussten“.

Zur Frage, wie denn der demokratische Neubeginn nach dem Ende des zentralistischen DDR-Regimes vonstatten ging, standen uns mit Kurt Biedenkopf, dem prägenden Ministerpräsidenten (1990 bis 2002), zwei seiner Minister (Soziales und Innenressort), Hans Geisler und Heinz Eggert, zur Verfügung. „Natürlich haben wir gemerkt, dass der Aufbau einer demokratischen Struktur im Freistaat Sachsen nicht mal eben so zu bewerkstelligen sein würde, aber ich hatte ein gutes Team und fähige Kolleginnen und Kollegen, die diese Aufbauarbeit mit beeindruckender Kompetenz und bewundernswerter Zähigkeit gemeistert haben“, anerkannte Biedenkopf die Leistung der Staatsminister in seiner Amtszeit.

Was bleibt, ist die Gewissheit, den Jugendgeschichtstag auch in den Folgejahren im Landtag zu haben. Vor allem die Vorstellung der Projekte sei ohne Alternative, sagte Rößler: „Es macht Mut für die Zukunft zu sehen, was junge Menschen heute in der Lage sind auf die Beine zu stellen“.