Der 8. Jugendgeschichtstag im Sächsischen Landtag

„Ist das schon Geschichte?“

Zum achten Mal trafen sich am 22. und 23. November die „Zeitenspringer“ zum Jugendgeschichtstag. Die vom Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz und von der Stiftung „Demokratische Jugend“ sowie von der Staatskanzlei geförderte Veranstaltung findet seit 2005 im Sächsischen Landtag statt und zum vierten Mal an zwei Tagen.

Vor allem durch mündliche Überlieferung werden die geförderten Projekte mit Leben erfüllt, gewinnen sie an Umfang und Aussagekraft. Einer, der sich in der Projektarbeit auskennt und auf große Erfahrung zurückschauen kann, äußerte sich nur kurz: „Wer nicht weiß, wo er herkommt, hat auch keine wirkliche Vorstellung davon, wo er hin will!“ Historiker und Philosophen ließen keinen Zweifel an der Unverzichtbarkeit historischer Forschung, denn nur so, könne erarbeitet und verstanden werden, warum was geschehen sei und wie wir heute gegebenenfalls Dinge wiederholen und verbessern könnten. Aus der Geschichte lernen, bedeute, dass wir uns mit ihr befassten und die Menschen ernst nähmen.

Der Chef des Stadtarchivs, Thomas Kübler, legte den Finger in die Wunde: „Wie verlässlich sind Zeitzeugen?“ In seiner Eröffnungsrede erklärte der Historiker, welche zwei Herzen in seiner Brust schlügen: „Als Historiker bin ich daran interessiert, die Wahrheiten, die durch Zeitzeugen erfasst, weitererzählt und überliefert werden, aufzuarbeiten. Als Archivar daran, alles, aber auch wirklich alles, für die Nachwelt aufzubewahren und zu dokumentieren.“ Das aber sei im Grunde gar nicht machbar. Kübler zeigte sich gelassen und lächelte verschmitzt: „ Dann bewahren wir eben nur das auf, was wichtig, also was Geschichte ist!“

Nachdenklich gemacht, gingen die Teilnehmer in die Workshops. Seit 2009 ist die Veranstaltung im Sächsischen Landtag durch Workshops am ersten Tag angereichert worden und bietet so Möglichkeiten aus professionellem Mund zu erfahren, welche Tricks und Kniffe es im Rahmen der wissenschaftlichen Arbeit mit der Historie zu beachten gilt.

Der zweite Tag begann mit der Begrüßung durch den Hausherrn. Der Präsident des Sächsischen Landtages, Dr. Matthias Rößler, verbindet mit dem Jugendgeschichtstag von Anfang an eine Art Seelenverwandtschaft: „Ich erkenne, durch Euch und Sie, dass die Arbeit mit der Geschichte eine Zukunft hat. Das stimmt mich zuversichtlich!“ Rößler lobte das Engagement nicht nur der Teilnehmer der Projekte sondern auch deren Initiatoren und Unterstützer.

Im anschließenden „Talk“ ging es um die Frage, was denn nun Geschichte sei – verstaubt oder modern? – und wie man sich ihr nähern könne. Schützenhilfe für die Sachsen kam aus Brandenburg, wo ebenfalls „eine Menge“ geschehe und viele Ehrenamtliche wirkten. Geschichte sei kein Marktplatz der Eitelkeiten, sondern eine Art Fundus aus dem immer wieder neue Ideen und neues Leben entstehe.

Großen Anklang fand – wie jedes Jahr – der Projektemarkt am Freitagnachmittag. Vielfältig und bunt waren die Angebote. Der geneigte Besucher konnte lernen, zum Beispiel etwas über die Geschichte des „Rappens“, oder über Gebäude, über Landschaften und Seilschaften, über Menschen eben.

Das Ende der beiden Tage quittierte ein Gast: „Da ist viel erklärt worden und dennoch entstehen mehr Fragen als es Antworten gab; aber ich glaube, so muss es auch sein!“

Es hat Spaß gemacht und wir freuen uns auf den 9. Jugendgeschichtstag im November 2013.