9. Jugend-Redeforum
Seit dem Jahr 2003 findet das Jugend-Redeforum jährlich am ersten Wochenende im November im Sächsischen Landtag statt. Immer mehr Jugendliche finden den Mut, ihr Redetalent öffentlich unter Beweis zu stellen. Am 5. November 2011 waren es 36 Schülerinnen und Schüler aus Sachsen, Thüringen und Brandenburg, die um die ersten drei Preise rangen. Es war die neunte Auflage des Wettbewerbs.
Eine Gabe, die man nutzen muss
Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler, der Schirmherr der Veranstaltung, wird nicht müde zu betonen, wie wichtig es ist, seine rhetorischen Fähigkeiten zu schulen und im Bereich der Rede und Gesprächsführung unter Beweis zu stellen. Der möglichst frei vorgetragenen Rede kommt eine entscheidende Rolle im Parlamentarismus und in der Demokratie zu.
Der Wettbewerb um Redekunst und überzeugendes Auftreten bietet den Jugendlichen die Möglichkeit, sich mit Gleichaltrigen zu vergleichen und zu testen, wie man mit der Anwesenheit von Publikum und Zeitdruck umgehen kann. Der Debattierclub in der Schule ist eine gute Übungsplattform, aber der Ernstfall wird im Landtag geprobt.
Am Vormittag diskutieren die 36 Teilnehmer im Alter zwischen 14 und 19 Jahren jeweils in Sechser-Gruppen. Die Themen aus Politik, Gesellschaft oder dem eigenen Leben werden kurz zuvor bekannt gegeben. Nach einer fünfminütigen Vorbereitungszeit folgt eine fünfzehnminütige Diskussionsrunde. Ein sehr aktuelles Thema „Promotion um jeden Preis – warum sind wir von Titeln so beeindruckt?“ bewegte die Gemüter der Teilnehmenden aus den 11. und 12. Klassen. Die Jugendlichen aus den 8. und 9. Klassen setzten sich mit der Problematik „Wie viel Fleisch ist gesund für uns – und Mutter Erde?“ auseinander. Auch der spannenden Frage „ WikiLeaks, VroniPlag – soll die Meinungsfreiheit im Internet grenzenlos sein?“ haben sich unsere netzaffinen jungen Menschen gerne angenommen.
Die siebenköpfige Jury, Vertreter der Medien und Fachleute der PR und des Verbandes der Redenschreiber deutscher Sprache, hatten alle Mühe sich zu entscheiden, wem die höchste Punktezahl (eins bis sechs) zusteht. Die Profis der Redekunst halten sich an Bewertungskriterien, wie z. B. Ausdrucksfähigkeit, Wissen und Struktur, Körpersprache und soziale Kompetenz. Aber auch diese Anhaltspunkte machten die Entscheidung nicht leicht.
Aus jeder Gruppe gingen drei Gewinner hervor, die am Nachmittag zu Einzelkämpfern wurden. Aber vorher stand die mittägliche Stärkung auf dem Programm sowie die Freiberger Gruppe „Die Notendealer“. Ihr viel zu kurzer musikalischer Auftritt riss das Publikum zu Beifallsstürmen hin, bevor es wieder Ernst wurde.
Wir konnten uns auf 19 Einzelvorträge freuen. Wiederum wurden jedem Aspiranten fünf Minuten Vorbereitungszeit zugestanden, um den Zuhörern Themen wie „Alles auf Abruf – stirbt das alte Fernsehen?“ oder „Gentechnik und Co. – wie weit darf Medizin gehen?“ in drei Minuten darzulegen. Ob das auf eine originelle, eine informell-sachliche Art geschah oder persönliche Erfahrungen wiedergegeben wurden, blieb natürlich ganz dem Vortragenden überlassen. Das Publikum belohnte jeden Redner mit großem Beifall, auch wenn es nicht ganz optimal gelaufen war, denn das Auditorium bewunderte in jedem Fall den Mut derer, die sich so exponieren.
Nach einer guten Stunde waren alle Kurzreden gehalten und die Jugendlichen konnten entspannt bei Kaffee und Kuchen über ihre Empfindungen am Rednerpult berichten. Währenddessen zogen sich die Juroren zur Beratung ins stille Kämmerlein zurück, um in einer hitzigen Debatte die drei Ersten festzulegen. Dass sie es sich nicht leicht machten, zeigte schon die Länge der Zeit, bis endlich „weißer Rauch“ aufstieg.
Die Preisverleihung wurde vom Vorsitzenden des Verbandes der Redenschreiber deutscher Sprache, Dr. Vazrik Bazil, vorgenommen. Jeder Vortragende erhielt ein kleines Geschenk und eine Urkunde für seine Teilnahme. Übrig blieben die drei Gewinner des Tages, die vom Publikum gefeiert wurden. Ihr Lohn ist ein Seminar, in dem sie von einem Profi der Redekunst unterrichtet werden und mit individuellen Tipps ihr rhetorisches Talent schulen können.
Die drei Erstplatzierten des 9. Jugend-Redeforums:
- 1. Platz: Konrad Olbrich, Schiller-Gymnasium Weimar
- 2. Platz: Julian Bitzmann, Sächsisches Landesgymnasium St. Afra Meißen
- 3. Platz: André Thoß, Pestalozzi-Gymnasium Rodewisch
Weitere Informationen zu den Teilnahmebedingungen erteilen:
Veranstaltungen, Besucherdienst
Herr Hans-Peter Maier, Frau Helga Kemper
Telefon: 0351 493-5130, 0351 493-5131


