Sächsische Verfassungsmedaille verliehen

Großer Saal im Ständehaus

Großer Saal im Ständehaus

Veranstaltung am 01.06.2013

Der Präsident des Sächsischen Landtags, Dr. Matthias Rößler, hat am 1. Juni 2013 sieben Persönlichkeiten für ihr Wirken für Demokratie und Freiheit die sächsische Verfassungsmedaille verliehen. Die Verleihung fand im Ständehaus zu Dresden statt.

Der Präsident des Sächsischen Landtags, Dr. Matthias Rößler, hat heute sieben Persönlichkeiten für ihr Wirken für Demokratie und Freiheit mit der Sächsischen Verfassungsmedaille ausgezeichnet.

Geehrt wurden in diesem Jahr:

  • Ulf Großmann (Präsident der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen)
  •  Bernd Heinitz (Vorsitzender des NABU-Landesverbandes Sachsen e. V.)
  •  Karl Keßner (Ehrenobermeister des Handwerks, aktiv während der friedlichen Revolution und im Sächsischen Forum, Ehrenbürger von Löbau
  • Prof. Dr. Karl Mannsfeld (1990 bis 2004 und 2005 bis 2009 Mitglied des Sächsischen Landtags, umweltpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, 2002 bis 2004 Staatsminister für Kultus)
  • Bernd Müller-Kaller (Landesvorsitzender Sachsen der Vereinigung der Opfer des Stalinismus)
  •  Elke Urban (Leiterin des Schulmuseum – Werkstatt für Schulgeschichte Leipzig e. V.)
  • Dr. Marlies Volkmer (1990 bis 2002 Mitglied des Sächsischen Landtags, seit 2002 Mitglied des Deutschen Bundestages (SPD-Fraktion))

„Die diesjährige Verleihung erhält durch die unmittelbar bevorstehende Änderung unserer Sächsischen Verfassung einen ganz besonderen Akzent“, betonte Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler in seiner Ansprache. „Voraussichtlich noch vor der parlamentarischen Sommerpause werden die Abgeordneten des Sächsischen Landtags über die Aufnahme eines Neuverschuldungsverbotes und somit die erste Änderung der 1992 verabschiedeten Verfassung abstimmen.“

„Es bedarf jedoch engagierter Bürgerinnen und Bürger, die sich in den Dienst der Gesellschaft stellen, um die in der Verfassung niedergeschriebenen Grundwerte mit  Sinn und Leben zu füllen“, so Dr. Rößler weiter. Dies vereine alle Träger der Sächsischen Verfassungsmedaille 2013, denen er „als Zeichen der Anerkennung und Würdigung besonderer Verdienste um die freiheitliche demokratische Entwicklung deshalb heute diese hohe Auszeichnung des Freistaates Sachsen“ verleihe.

Träger der Sächsischen Verfassungsmedaille 2013

Ulf Großmann (Markersdorf), seit 2011 Präsident der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, wird mit der Sächsischen Verfassungsmedaille für seine Verdienste um die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Sachsen und Polen und den Ausbau gutnachbarschaftlicher Beziehungen ausgezeichnet. Großmann war von 1990 bis 2008 als Dezernent, Beigeordneter und Bürgermeister in Görlitz in der Kommunalpolitik aktiv. Mit großem Engagement bemühte sich Großmann um eine gute Nachbarschaft von Görlitz und Zgorzelec und um die freundschaftliche Partnerschaft von Deutschen und Polen. Er setzte sich für eine bilinguale Gymnasialausbildung ebenso ein wie für die Gründung eines deutsch-polnischen Kindergartens und unterstützte zahlreiche grenzüberschreitende kulturelle Projekte, z. B. den Internationalen Brückepreis der Europastadt Görlitz-Zgorzelec. Ulf Großmann ist außerdem Mitglied im Forum Mitteleuropa beim Sächsischen Landtag, das die Vernetzung zwischen den mitteleuropäischen Ländern stärken möchte und eine Plattform für einen regelmäßigen gedanklichen Austausch bildet.

Bernd Heinitz (Leipzig) ist seit Anfang der 1990er Jahre  mit beispielhaftem Engagement für den sächsischen Landesverband des Naturschutzbundes tätig. Seit 2007 steht er als Vorsitzender an der Spitze des rund 10.000 Mitglieder zählenden Landesverbandes. Bernd Heinitz hat sich mit Herz und Seele dem Natur- und Artenschutz verschrieben. Ökologisches Denken, das Gebot der Nachhaltigkeit und die Bewahrung der Schöpfung zählen zu seinen Handlungsgrundlagen. Er hat maßgeblich dazu beigetragen, dass der NABU von der Politik als partnerschaftlicher Akteur wahrgenommen wird und setzt sich beharrlich für eine konstruktive Zusammenarbeit aller Entscheidungsträger im Interesse des Naturschutzes ein. Bernd Heinitz ist es zu verdanken, dass seit 2011 die Tradition des Sächsischen Naturschutztages fortgesetzt werden kann. Für seine Verdienste für die Bewahrung der Schöpfung und den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen erhält Bernd Heinitz die Sächsische Verfassungsmedaille.

Karl Keßner (Löbau), Ehrenobermeister des Handwerks und langjähriger erfolgreicher Unternehmer, engagiert sich seit vielen Jahrzehnten für die Demokratie und die Grundwerte der Sächsischen Verfassung: Gerechtigkeit, Frieden und Freiheit. Er gilt als glühender Verfechter der Demokratie. Während der friedlichen Revolution wirkte der Oberlausitzer aktiv an der Umgestaltung unseres Landes mit und setzte sich dafür ein, dass Sachsen wieder Freistaat wird. Im Sächsischen Forum war Karl Keßner 1990 außerdem an der der Ausarbeitung der Sächsischen Verfassung beteiligt. In seiner Heimat, der Oberlausitz, ist Karl Keßner tief verwurzelt und vertritt seine regionale Identität immer und überall mit Verve und Herzblut. Seit 2001 ist er Ehrenbürger der Stadt Löbau.

Prof. Dr. Karl Mannsfeld (Dresden) gehört zu jenen Menschen, die die Grundlagen für unseren heutigen Naturschutzes gelegt und die anschließende gesetzliche Verankerung sowie die Ausgestaltung des Natur- und Heimatschutzes in Sachsen maßgeblich initiiert, beeinflusst und bis heute nachhaltig geprägt haben. 1990 wurde er in den Sächsischen Landtag gewählt und war von Oktober 1990 bis Frühjahr 2002 Vorsitzender des Arbeitskreises Umwelt und Landesentwicklung sowie umweltpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion. In fast vier Wahlperioden hat er an allen sächsischen Umweltgesetzen in herausgehobener Position mitgewirkt, angefangen vom Landesnaturschutzgesetz 1992 bis hin zu zahlreichen weiteren Novellierungen, u. a. in den Bereichen Landesplanung, Hochwasserschutz und Umweltverträglichkeit. Für die Umwelt- und Naturschutzverbände war er ein hoch geschätzter und unverzichtbarer Ansprechpartner. Weggefährten bezeichnen ihn als die „Stimme des sächsischen Naturschutzes“ sowie das „grüne Gewissen“ seiner Partei“.

Bernd Müller-Kaller (Stolpen) musste aufgrund seiner kritischen Haltung zum SED-Regime sechseinhalb leidvolle Jahre der Gefangenschaft und Zwangsarbeit im Stasi-Untersuchungsgefängnis Hohenschönhausen und in der Sonderhaftanstalt der Stasi in Bautzen – zum Teil unter strenger Isolation - verbringen. Nach der friedlichen Revolution und seiner Freilassung im Dezember 1989 trat er Anfang 1990 der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (e.V.) bei. Er gehört zu den Mitbegründern des sächsischen Landesverbandes dieser Gemeinschaft von Verfolgten und Gegnern des Kommunismus, arbeitete von Anfang an in dessen Vorstand mit und wurden 2008 zum Landesvorsitzenden gewählt. Seit nunmehr 23 Jahren engagiert er sich ehrenamtlich für seine Schicksals- und Leidensgenossen sowie für die Aufarbeitung des Unrechts an politischen Gefangenen und Verfolgten. Er gehört damit zu jenen, denen wir es zu verdanken haben, dass viele psychisch oder physisch Geschädigte moralische Unterstützung bei der Aufarbeitung ihrer Haft sowie qualifizierte Beratung und solidarischen Beistand in ihrem Kampf um Anerkennung als Opfer der politischen Verfolgung und als Zwangsarbeiter in politischer Gefangenschaft erhalten.

Elke Urban (Leipzig) forderte schon im Herbst 1989 auf den Leipziger Montagsdemos mit ihrem Transparent immer wieder: „Wir wollen freie Schulen“ und sprach sich vor Hunderttausenden öffentlich für die deutsche Einheit aus. Sie engagierte sich in der Initiative Freie Pädagogik und gehörte im Mai 1990 zu den Gründern der Vereinigung aller freien pädagogischen Initiativen in der DDR, zu deren Vorsitzenden sie gewählt wurde. Ihre Ambitionen führten im selben Jahr zu einer Anstellung im Leipziger Schulverwaltungsamt, wo sie unter anderem für die Gründung und Unterstützung Freier Schulen zuständig war. Parallel brachte sie sich in unserem noch jungen Freistaat aktiv in die Gesetzgebung für Schulen in freier Trägerschaft ein, amtierte als Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft Freier Schulen, wirkte in der Bundes-arbeitsgemeinschaft Freier Schulen sowie im Europäischen Forum für Freiheit im Bildungswesen mit. Seit dem Jahr 2000 leitet Frau Urban das Leipziger Schulmuseum, das besonders mit seiner fiktiven Unterrichtsinszenierung aus DDR-Zeiten bekannt wurde. Diese lebendige Art von Geschichtsunterricht hält Erinnerungen an die Ideologie des realsozialistischen Schulsystems wach und erinnert zugleich an aufrechte, systemkritische Pädagogen.

Dr. Marlies Volkmer (Dresden) gehörte von Oktober 1990, als sich unser Parlament nach der friedlichen Revolution im geeinten Deutschland neukonstituierte, bis zu ihrem Wechsel in den Deutschen Bundestag im November 2002, zwölf Jahre lang dem Sächsischen Landtag an. Der Schwerpunkt ihrer Tätigkeit als Landtags- und Bundestagsabgeordnete lag und liegt im Gesundheitswesen und in der Sozialgesetzgebung. Ihr politisches Handeln ist dabei stets geprägt und geleitet von ihrer medizinischen Ausbildung und ihrem beruflichen Werdegang. Gesundheits- und sozialpolitischen Themen wie der Krankenhausplanung im Freistaat Sachsen, dem Aufbau der Landesversicherungsanstalt, der Suchtprävention, dem Krebsregister, dem Nichtraucherschutzgesetz, Patientenrechten oder zuletzt der Verbesserung von Organspendeprozessen widmete sie sich mit immenser Fachkenntnis, außerordent-lichem Einsatz und viel Herzblut. Bleibende Verdienste hat sie sich bei der Ausgestaltung des Gesundheitsbereichs im wiedererrichteten Freistaat Sachsen erworben. Als gesundheits- und sozialpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion war sie an allen Gesetzentwürfen und Großen Anfragen der Sozialdemokraten auf diesen Gebieten federführend beteiligt.

Hintergrund zur Sächsischen Verfassungsmedaille:
Am 26. Mai 1997, fünf Jahre nach der Verabschiedung der Sächsischen Verfassung, stiftete der damalige Landtagspräsident Erich Iltgen zur Erinnerung an die Friedliche Revolution im Herbst 1989 die Sächsische Verfassungsmedaille. Seitdem verleiht der Präsident des Sächsischen Landtags die Auszeichnung jährlich an Bürgerinnen und Bürger, die sich in besonderer Weise um die freiheitliche demokratische Entwicklung des Freistaates Sachsen verdient gemacht haben. Sie ist neben dem Sächsischen Verdienstorden die wichtigste staatliche Auszeichnung, die in Sachsen verliehen wird.

Die Sächsische Verfassungsmedaille ist aus Silber. Auf der Vorderseite trägt sie das sächsische Wappen sowie die Inschrift „Sächsische Verfassung - 26. Mai 1992 - Für besondere Verdienste“. Rückseitig erinnern fünf brennende Kerzen sowie der Ausspruch „Wir sind das Volk“ an die Friedliche Revolution.

Bislang wurden inkl. der heutigen Verleihung 124 Männer und Frauen mit der Sächsischen Verfassungsmedaille geehrt.