Offizielle Reise des Sächsischen Landtags nach Omsk

Gruppenbild der Delegatiobn mit den russischen Gastgebern

Gruppenbild der Delegatiobn mit den russischen Gastgebern

Veranstaltung vom 25.02.2013 bis 01.03.2013

Vom 25. Februar bis 1. März 2013 reiste eine offizielle Delegation des Sächsischen Landtags nach Omsk, um Kontakte zum dortigen Regionalparlament zu knüpfen. Hier sehen Sie einige Bilder von der Reise.

Sehr früh war´s und sehr eisig, als eine Delegation des Sächsischen Landtags am 26. Februar 2013 aus Moskau kommend um 5.40 Uhr bei unter -20 Grad Celsius in Omsk/Westsibirien (siehe Kasten) landete. Dank Zeitumstellung – in Dresden war es noch einen Tag früher 23.40 Uhr – lag nun noch ein ganzer Arbeitstag vor der Delegation. Wie war es zu der Reise gekommen?

Nach Vorgesprächen und aufgrund von Kontakten einzelner Abgeordneter sowie der TU Bergakademie Freiberg in das Omsker Gebiet hatten der Präsident der Gesetzgebende Versammlung sowie der Gouverneur der Omsker Oblast eine Delegation des Sächsischen Landtags zu einem Arbeitstreffen nach Omsk eingeladen. Zielstellung war es, die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit zwischen Sachsen und dem Gebiet Omsk in den Bereichen Politik, Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft zu klären. Hinzu kam, dass im Omsker Gebiet zahlreiche Russland-Deutsche lebten und noch leben.

So beschloss das Landtagspräsidium am 10. Oktober 2012, eine Delegation unter Leitung von Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler vom 26. Februar bis zum 01. März 2013 zu einem Arbeitsbesuch nach Omsk zu entsenden. Teilnehmer der Delegation waren 10 Abgeordnete, der Landtagsdirektor, der Rektor der Bergakademie TU Freiberg, der Präsident der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen sowie der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Sachsen.

Nach der Ankunft in Omsk und einem Briefing durch den Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland, Herrn Höfer-Wissing führte die Delegation zunächst Gespräche mit dem Vorsitzenden der Gesetzgebenden Versammlung des Verwaltungsgebietes Omsk, Herrn W. A. Warnawskij. Die Bedeutung, die von sibirischer Seite diesem Treffen beigemessen wurde, machte auch die Liste der Gesprächspartner deutlich: Auf russischer Seite nahmen u. a. 3 Fraktionsvorsitzende, 7 Ausschussvorsitzende sowie der Leiter der Verwaltung teil. Mit dabei waren außerdem Vertreter der Regierung, so der stellvertretende Vorsitzende der Regierung und Minister für Wirtschaft, der Oberbürgermeister und die Vorsitzende des Stadtrates von Omsk sowie die Präsidentin der Industrie- und Handelskammer des Verwaltungsgebietes Omsk an. Gegenstand der Beratung waren neben parlamentarischen Fragen u. a. Standortpräsentationen des Freistaates Sachsen und des Verwaltungsgebietes Omsk.

Am Nachmittag und Abend ging es dann weiter in den Deutschen Nationalen Rayon Asowo, der in den vergangenen Jahrzehnten aufgrund der dort lebenden Russland-Deutschen mit erheblichen deutschen Fördermitteln unterstützt worden ist. Besichtigt wurden u. a. ein Krankenhausneubau und ein Sportkomplex. Außerdem fand ein Treffen mit Einwohnern des Landkreises im Kulturpalast in Asowo statt. Hier hatten die Gastgeber auch ein kulturelles Programm vorbereitet, das engagiert und kurzweilig in deutscher und in russischer Sprache vorgetragen wurde.

Am nächsten Vormittag fand in kleinerem Kreis ein Gespräch mit dem Gouverneur des Verwaltungsgebietes Omsk, Herrn W. I. Nasarow statt, in dem die konkreten Möglichkeiten einer zukünftigen Zusammenarbeit zwischen dem Freistaat Sachsen und dem Verwaltungsgebiet Omsk erörtert wurden. In den folgenden anderthalb Tagen standen nun Besichtigungen unterschiedlicher Betriebe sowie Gespräche über deren wirtschaftliche und soziale Situation im Vordergrund. Dabei war für die Teilnehmer eine deutliche Zweiteilung zwischen Unternehmen, die schon in sowjetischer Zeit bestanden und den Transformationsprozess überstanden haben und Betriebe, die völlig neu und auf der Grundlage neuester wirtschaftlicher und technischer Erkenntnisse errichtet werden, feststellbar.

Zur ersten Gruppe gehört die „Irtyschskoje AG“, ein Hühnerzucht und –mastbetrieb, in dem täglich 1 Million Hühnereier „produziert“ werden. Nach einer Besichtigung wurden die besonderen Probleme landwirtschaftlicher Produktionsbetriebe in Sibirien mit dem Generaldirektor des Unternehmens erörtert. Die Besichtigung des Hochtechnologieunternehmens „Wysokije Technologii AG“ sowie die sich anschließenden Gespräche und Fragestellungen betrafen vor allem Fragen der Erhaltung und Förderung von Unternehmen im Transformationsprozess.

Zur zweiten Gruppe gehören Unternehmen des föderalen Investitionsprojekts „PARK: Regionale Industrie- und Agrarcluster“ unter Leitung des Vorstandsvorsitzenden der Unternehmensgruppe „Titan“, Herrn Mikail Sutjaginskij. Nach der Besichtigung eines im Aufbau befindlichen Mischfutterwerkes und eines Werkes zur Produktion von Polypropylen wurden die verschiedenen Tätigkeitsfelder der Unternehmensgruppe und die Möglichkeiten zukünftiger Kooperationen ausführlich dargestellt und diskutiert.

Wieder ganz andere Aspekte traten bei einem Besuch in der Zentrale der evangelisch-lutherischen Kirche in Sibirien und einem ausführlichen Gespräch mit dem Landesbischof in den Vordergrund: Ein Bischof und eine Kirchenverwaltung, die für ganz Sibirien zuständig sind, also ein Gebiet, dass 15 mal so groß ist wie die Bundesrepublik Deutschland!

Am Rande und neben dem offiziellen Programm gab es immer wieder intensive und positive Gespräche und Kontakte zu möglichen Kooperationen im kulturellen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Bereich mit unterschiedlichen Beteiligten, in die sich auch die Delegationsteilnehmer aktiv einbrachten. Alle Delegationsteilnehmer waren sehr beeindruckt von der Offenheit der Gespräche – und natürlich von der sprichwörtlichen russischen Gastfreundschaft.

Anfang Juni 2013 wird eine sibirische Delegation zu einem Gegenbesuch in Sachsen erwartet. Dann soll auch versucht werden, die Kontakte nicht nur zu vertiefen, sondern auch zu konkreten Kooperationsmaßnahmen (denkbar sind z. B. Schüler-, Studentenaustausch, Sprachqualifizierung, gemeinsame Forschungsprojekte, Austausch von Ensembles etc.) zu kommen.

Hintergrund: Das Verwaltungsgebiet Omsk

Das Verwaltungsgebiet Omsk liegt im Süden des Westsibirischen Tieflandes und grenzt an Kasachstan sowie die Verwaltungsgebiete Novosibirsk, Tjumen und Tomsk. Es umfasst eine Fläche von 141,1 Tsd. qkm, 47,6% davon entfallen auf landwirtschaftliche Nutzfläche, 33,1% auf Wälder und 16,4% auf Gewässer. In dem Gebiet leben ca. 2 Mio. Menschen, fast 1.2 Mio. davon in der Hauptstadt Omsk. Nach den Statistiken beträgt der Anteil der hier leben Deutschen noch 3,7%.

Wichtigste Wirtschaftssektoren im Gebiet Omsk sind neben der Agrarproduktion die Petrochemie, die Lebensmittelindustrie sowie der Maschinenbau. Die Stadt Omsk wurde 1716 als Festung an der Einmündung des Flusses Om in den Fluss Irtysch gegründet.