Veranstaltung zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Blick in den Plenarsaal während der Gedenkstunde im Sächsischen Landtag

Blick in den Plenarsaal während der Gedenkstunde im Sächsischen Landtag

Veranstaltung am 27.01.2011

Mit einer gemeinsamen Veranstaltung im Plenarsaal gedachten der Sächsische Landtag und die Staatsregierung am 27. Januar 2011 der Opfer des Nationalsozialismus. An die Ansprachen von Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler und Ministerpräsident Stanislaw Tillich schloß sich die szenische Lesung "Meine Mutter, ihre Toten und ich" an, die auf einem Buch der israelischen Schriftstellerin Lizzie Doron beruht.

Nationaler Gedenktag

Der 27. Januar ist in der Bundesrepublik Deutschland nationaler Gedenktag zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus. Seit 2006 gedenken der Sächsische Landtag und die Staatsregierung jedes Jahr an diesem Tag der Opfer mit einer gemeinsamen Veranstaltung im Plenarsaal des Sächsischen Landtags. Die Erinnerung ist den Opfern gewidmet, soll aber gleichzeitig die künftigen Generationen zur Wachsamkeit mahnen. Unter den 440 Gästen der Gedenkveranstaltung am 27. Januar 2011 waren neben Abgeordneten, Mitgliedern der Staatsregierung und des Verfassungsgerichtshofes auch Überlebende des Holocausts, Vertreter der Opferverbände, zahlreiche Bürgerinnen und Bürger sowie mehrere sächsische Schulklassen.  

Niemanden diskriminieren, stets solidarisch handeln

In seiner Ansprache erinnerte Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler an die Opfer der NS-Zeit und forderte die Jugend auf, sich damit auseinanderzusetzen. Ministerpräsident Stansislaw Tillich warnte in seiner Rede vor Extremismus und der Ausgrenzung sozial schwacher Menschen. Jeder Mensch sei gleich. Es müsse nicht jeder jeden lieben. Aber jeder Mensch müsse jedem Menschen mit würdigem Respekt gegenüber treten. "Wo ein Mensch in meiner Nähe diskriminiert wird, muss ich ihn in Schutz nehmen", sagte der Ministerpräsident.

"Meine Mutter, ihre Toten und ich"

Mit der eindrucksvollen szenischen Lesung „Meine Mutter, ihre Toten und ich“ erinnerte das tjg. theater der jungen generation Dresden an die Opfer des Nationalsozialismus und die Auswirkungen der Schreckensherrschaft auf die nachfolgende Generation, die Kinder der Überlebenden des Holocausts. Die Inszenierung von Intendantin Felicitas Loewe beruht auf dem Buch „Warum bist Du nicht vor dem Krieg gekommen?" der israelischen Schriftstellerin Lizzie Doron, die persönlich an der Gedenkveranstaltung teilnahm. Sie erzählt in dem 1998 erschienen Buch anhand einzelner Episoden und Begebenheiten die Geschichte ihrer Mutter, einer Überlebenden des Holocausts, die sich nach Kriegsende konsequent weigert, über die schrecklichen Erlebnisse der Vergangenheit zu sprechen. Die Tochter leidet sehr unter diesem Schweigen, und das Verhalten der Mutter gibt ihr immer wieder Rätsel auf. Dennoch stellt die Tochter ihr keine Fragen. Erst nach dem Tod der Mutter recherchiert Lizzi Doron deren Leben und schreibt ihr vielbeachtetes Buch, das in Israel mittlerweile als Schullektüre empfohlen wird. Die Theaterversion ist ursprünglich 2007 in Kooperation des theaters der jungen generation mit dem Deutschen Hygiene-Museum im Begleitprogramm der Ausstellung „Tödliche Medizin. Rassenwahn im Nationalsozialismus.“ entstanden.

Sichtlich bewegt und emotional berührt richtete schließlich Lizzie Doron selbst sehr persönliche Worte an die Gäste im Plenarsaal. Sie erzählte von ihrer Kindheit in Tel Aviv, wo sie als Tochter zweier Holocaust-Überlebender in einer Gegend aufwuchs, wo jeder von dort, also von hier, kam. „Dieser Tag heute ist ein ganz besonderer für mich. Ein Tag, an dem ich über mein ganzes Leben nachdenke“, so Lizzie Doron. „Jetzt stehe ich hier vor Ihnen in diesem Parlament in Dresden und es gibt einen Zusammenhang zwischen dem Hier und dem Dort. Und ich kann nur sagen: Mutti, ich bin dort.“

Bildergalerie zur Gedenkveranstaltung 2011