Podiumsveranstaltung zur Erinnerung an Jürgen Fuchs

Schriftsteller und Bürgerrechtler Jürgen Fuchs

Schriftsteller und Bürgerrechtler Jürgen Fuchs

Veranstaltung am 13.12.2010

Am 19. Dezember 2010 wäre der Schriftsteller und Bürgerrechtler Jürgen Fuchs (1950 – 1999) 60 Jahre alt geworden. Zur Würdigung seines Lebens, Wirkens und Werkes hat Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler zu einer Podiumsveranstaltung eingeladen.

Der Präsident des Sächsischen Landtags wird die Veranstaltung, die am Montag, dem 13. Dezember 2010 um 18:00 Uhr im Ständehaus (Großer Saal), Schlossplatz 1, 01067 Dresden stattfindet, eröffnen.

Ihre Mitwirkung zugesagt haben die Witwe Lilo Fuchs sowie die Autorin Doris Liebermann mit der Premiere des Hörbuches „Das Ende einer Feigheit“ mit Funklesungen von Jürgen Fuchs. Der Landtagsabgeordnete und Reichenbacher Jugendfreund Alfons Kienzle, die Schriftsteller Utz Rachowski, Lutz Rathenow sowie Udo Scheer, Autor einer viel beachteten Fuchsbiografie, werden weithin unbekannte Einblicke in das Wirken und die Aktualität dieses kompromisslosen Aufklärers geben.

Der stellvertretende Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen Helmuth Frauendorfer moderiert den Abend und der Liedermacher Andreas Schirneck trägt neu vertonte Gedichte von Jürgen Fuchs vor. Im Anschluss besteht bei einem Stehempfang die Möglichkeit zum Gespräch mit den Beteiligten.

Zur Person Jürgen Fuchs:
Fuchs wurde 1950 in Reichenbach/Vogtland geboren. Ab 1971 veröffentlichte er in Zeitschriften und Anthologien seine Texte und betrieb zusammen mit Lutz Rathenow einen "Arbeitskreis für Literatur und Lyrik". Dieser Salon erfreute sich auch des regen Zuspruchs von Mitarbeitern des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Fuchs brachte in diesen Lesungen Prosatexte und seine "Gedächtnisprotokolle" über den DDR-Alltag zu Gehör. Im Anschluss an eine Lesung wurde er aus der SED und FDJ und kurz vor dem akademischen Abschluss 1975 vom Psychologiestudium ausgeschlossen. Als "Konterrevolutionär" und "Staatsverleumder" mit einem Publikationsverbot belegt, verdiente Fuchs seinen Lebensunterhalt nunmehr als Transportarbeiter, später als Pfleger in einem kirchlichen Kinderheim bei Berlin. Wenige Tage nach der Ausbürgerung des mit Fuchs befreundeten Autors und Liedermachers Wolf Biermann im November 1976 wurde Jürgen Fuchs verhaftet. Neun Monate war er im Berliner Stasigefängnis Hohenschönhausen in Untersuchungshaft. Ihm wurde „staatsfeindliche Hetze im verschärften Falle" vorgeworfen. Ende August 1977 kam er aus der Haft frei und wurde nach Westberlin abgeschoben. Hier übte er seither den Beruf eines freien Schriftstellers und Sozialpsychologen aus. Die nach seiner Abschiebung veröffentlichten "Vernehmungsprotokolle" hielten die Verhöre im Gefängnis fest. Später verarbeitete er auf ähnliche Weise in den Büchern "Fassonschnitt" und "Das Ende einer Feigheit" seine Erfahrungen bei der Nationalen Volksarmee. Nach dem Zusammenbruch der DDR im Spätherbst 1989 setzte sich Fuchs für eine schonungslose Aufklärung der Stasi-Verbrechen ein. 1999 verstarb der Schriftsteller in Berlin.