Verleihung der Sächsischen Verfassungsmedaille

Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler mit den Trägern der Verfassungsmedaille 2010

Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler mit den Trägern der Verfassungsmedaille 2010

Veranstaltung am 15.05.2010

Am 15. Mai 2010 hat Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler die Sächsische Verfassungsmedaille an sieben Bürgerinnen und Bürger, die sich besonders um den Freistaat Sachsen verdient gemacht haben, verliehen. Die Sächsische Verfassungsmedaille wurde 1997 zur Erinnerung an die Friedliche Revolution vom Herbst 1989 gestiftet.

Traditionell zeichnet der Präsident des Sächsischen Landtags jedes Jahr verdiente Bürgerinnen und Bürger mit der Sächsischen Verfassungsmedaille aus. Die diesjährige Verleihung fand am 15. Mai 2010 im Ständehaus statt. Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler ehrte sieben Persönlichkeiten mit der Sächsischen Verfassungsmedaille für ihre Verdienste um die freiheitliche demokratische Entwicklung des Freistaates Sachsen.

„Die Verfassung unseres Freistaates ist ein Kind der Friedlichen Revolution vom Herbst 1989. In ihrem Wortlaut birgt sie den Geist dieses Ursprungs und trägt ihn weiter. Mit der Verleihung der Verfassungsmedaille würdigt der Sächsische Landtag Bürgerinnen und Bürger, die die Werte der Verfassung durch ihr Wirken mit Leben erfüllen und sich so Verdienste um die freiheitliche und demokratische Entwicklung Sachsens erworben haben“, erläuterte Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler das Anliegen der Auszeichnung.

Mit der Verfassungsmedaille wurden geehrt:

• Wolf-Dieter Beyer (Limbach-Oberfrohna),
• Maria Diersch (Leipzig),
• Benedikt Dyrlich (Bautzen),
• Michael Lersow (Breitenbrunn/Erzgebirge),
• Ingrid Mössinger (Chemnitz),
• Jan Post-Uhlemann (Dresden) und
• Ludwig Martin Rade (Meißen).

Wolf-Dieter Beyer
Wolf-Dieter Beyer gehörte zu den Gründungsmitgliedern des „Demokratischen Aufbruch“ im November 1989 und war 1990 dessen Generalsekretär. Die Integration der Bürgerbewegung, ihrer Ideen und Ideale in das gesamtdeutsche Parteiensystem hat Wolf-Dieter Beyer in dieser Funktion entscheidend mitgeprägt. Nach der Fusion des Demokratischen Aufbruchs mit der CDU kandidierte Wolf-Dieter Beyer für den ersten Sächsischen Landtag, in den er mit über 40 Prozent der Wählerstimmen in seinem Wahlkreis gewählt wurde. Von 1990 bis 2004 - über drei Legislaturperioden – gehörte er dem Landesparlament an. Er war zunächst Mitglied und ab der zweiten Legislaturperiode über lange Zeit dann stellvertretender Vorsitzender des Verfassungs- und Rechtsausschusses. Sein Engagement für eine aus dem Geist der friedlichen Revolution hervorgehende Verfassungswirklichkeit in unserem Land kam kontinuierlich bei der Gestaltung des Rechtsstaates im Freistaat Sachsen und insbesondere in der Verfassungsgebung 1990 bis 1992 zum Tragen. Wolf-Dieter Beyer hat den Inhalt unserer sächsischen Verfassung und ihren Entstehungsprozess in einem breiten Konsens der demokratischen Kräfte maßgeblich beeinflusst.

Maria Diersch
Maria Diersch ist Vizepräsidentin der „Deutsch-Polnischen Gesellschaft Sachsen - Gesellschaft für Sächsisch-Polnische Zusammenarbeit“, die im Januar 1992 im Kraszewski-Museum in Dresden gegründet wurde. Bereits auf dieser Gründungsversammlung wurde Frau Diersch zur Vizepräsidentin gewählt und hat seither eine nicht hoch genug anzuerkennende Arbeit auf den Gebieten des kulturellen Austauschs zwischen Sachsen und Polen, der Förderung der Jugendbegegnungen beider Länder oder Partnerschaften zwischen sächsischen und polnischen Städten und Gemeinden geleistet. Fast immer waren solche Initiativen auch mit dem Namen von Frau Maria Diersch verbunden. Dazu gehören ganz besondere Aktivitäten, wie die Restaurierung des legendären Sattels des großen polnischen Patrioten und französischen Marschalls Poniatowski, der in der Völkerschlacht zu Leipzig fiel.
Als Ausländerbeauftragte im Regierungspräsidium Leipzig hat sich Frau Diersch über viele Jahre hinweg mit großem Engagement dafür eingesetzt, Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz entgegenzuwirken sowie für Verständnis und Akzeptanz von „Anderssein“ zu werben.

Benedikt Dyrlich
Der gebürtige Sorbe Benedikt Dyrlich setzt sich seit vielen Jahren für die Förderung der sorbischen Minderheit ein und sensibilisiert die sächsische Politik für deren Probleme. Als langjähriger Chefredakteur der sorbischen Abendzeitung „Serbske Nowiny“ trägt er maßgeblich zur Pflege der sorbischen Sprache und somit der Identität des kleinsten slawischen Volkes bei. Benedikt Dyrlich ist außerdem Vorsitzender des Sorbischen Künstlerbundes, der fast 100 sorbische Schriftsteller, Komponisten, Schauspieler, Tänzer, Musiker und Maler vereint. Während der Friedlichen Revolution engagierte sich Dyrlich in der Sorbischen Volksversammlung. Er war Mitglied des 1. Sächsischen Landtags (1990-1994). Benedikt Dyrlich erhält die Sächsische Verfassungsmedaille in Anerkennung seiner Verdienste um die in Sachsen lebenden Sorben.

Michael Lersow
Michael Lersow gehört zu den Politikern, die während der Friedlichen Revolution und bei der anschließenden Wiedererrichtung des Freistaates Sachsen politische Verantwortung für den Umgestaltungsprozess übernahmen. Im Herbst 1989 war er maßgeblich am Aufbau der sozialdemokratischen Partei in Freiberg und dem heutigen Chemnitz beteiligt. 1990 wurde Michael Lersow erster Landesvorsitzender der SPD in Sachsen. Er war Mitglied des 1. Sächsischen Landtags (1990-1994) und wirkte am Aufbau der parlamentarischen Demokratie sowie der Ausgestaltung der demokratischen Spielregeln in Sachsen mit. Als Vizepräsident der Vereinigung ehemaliger Mitglieder des Sächsischen Landtags ist Michael Lersow der Landespolitik bis heute eng verbunden. Mit der Sächsischen Verfassungsmedaille würdigt der Landtagspräsident Lersows Engagement für den Aufbau eines freiheitlichen und demokratischen Sachsens und die Etablierung des sächsischen Parlamentarismus.

Ingrid Mössinger
Ingrid Mössinger wird mit der Verfassungsmedaille für ihre Verdienste um die Entwicklung der sächsischen Kunst- und Kulturlandschaft geehrt. Seit September 1996 leitet sie die Chemnitzer Kunstsammlungen. Innerhalb weniger Jahre verhalf Ingrid Mössinger mit ihrem vielfältigen Engagement dem Museum deutschlandweit und über die Grenzen Deutschlands hinaus zu großem Renommee, von dem auch die Stadt selbst profitiert. Ihre Ausstellungen (u. a. Munch, Picasso, Cranach, Bob Dylan) stoßen beim Publikum wie in der Kunstszene stets auf großes Interesse und locken zahlreiche Besucher in die Stadt. Auch der lokalen Kunst fühlt sich Ingrid Mössinger verbunden und stellt, wenn möglich, in ihren Ausstellungen Bezüge zur Region her oder zeigt Werke Chemnitzer Künstler. Schließlich holte Mössinger die begehrte Sammlung des ehemaligen Münchener Galeristen Alfred Gunzenhauser nach Chemnitz, wo sie seit 2007 im „Museum Gunzenhauser“ gezeigt wird.

Jan Post-Uhlemann
Erstmals besuchte Jan Post-Uhlemann, der aus einer sehr alten niederländischen christlich-jüdischen Familie stammt, Dresden – seine heutige Wirkungsstätte – im Jahr 1987. Seit 1996 hat er hier seinen Wohnsitz und engagiert sich auf vielfältige Art und Weise für die sächsische Kultur, u. a. als Präsident zweier großer Kulturvereine, die jährlich Millionenbeträge zur Restaurierung von Kulturobjekten zur Verfügung stellen. Außerdem hat er wesentlich daran mitgewirkt, dass in Dresden 2001 der erste Neubau einer Synagoge in den neuen Bundesländern eingeweiht werden konnte. Von 1998 bis 2002 war Jan Post-Uhlemann Sprecher des Fördervereins „Bau und Weihe der Synagoge Dresden“. Seit fast zehn Jahren ist der Niederländer mit dem Heinrich-Schütz-Konservatorium e. V. verbunden, wobei er seit 2002 ehrenamtlich als Vorstandsvorsitzender tätig ist. Unter seiner Führung nahm die Musikschule stetig an Größe und Vielseitigkeit zu und ist heute eine der größten Einrichtungen ihrer Art in Deutschland. In Anerkennung seiner Verdienste um Sachsen erhält Jan Post-Uhlemann die Sächsische Verfassungsmedaille.

Ludwig Rade
Ludwig Rade gehört zu den Bürgerinnen und Bürgern, die sich in der Zeit der Wende und des nachfolgenden Prozesses der Umgestaltung und des Neuaufbaus der parlamentarischen Demokratie in unserem Land von Beginn an bereit fanden, auch persönlich politische Verantwortung zu übernehmen. Als Kandidat der FDP wurde Ludwig Rade 1990 in den ersten Sächsischen Landtag gewählt und war 1993/94 ihr Fraktionsvorsitzender. Als Mitglied des Sonderausschusses zur Untersuchung von Amts- und Machtmissbrauch infolge der SED-Herrschaft, im Innenausschuss und im Untersuchungsausschuss „Arbeitsfähigkeit des Sächsischen Landtags“ hatte er maßgeblichen Anteil daran, dass es den „alten Seilschaften“ nicht gelungen ist, ihre Positionen zu halten oder gar auszubauen, sondern ein wirklicher Neuanfang in Sachsen möglich und der Sächsische Landtag zu dem werden konnte, was er heute ist: Ein effizient und im Interesse des Volkes arbeitendes Landesparlament.
Darüber hinaus initiierte Ludwig Rade die Gründung der Wilhelm-Külz-Stiftung als Einrichtung für die politische Erwachsenenbildung, deren Arbeit er fast 20 Jahre als Vorsitzender mit gestaltete. Weiterhin engagierte er sich in überaus hohem Maße für die Entwicklung des Tourismus in Sachsen.

Hintergrund:

Die Sächsische Verfassungsmedaille wurde 1997 zur Erinnerung an die Friedliche Revolution vom Oktober 1989 gestiftet. Anlass war der fünfte Jahrestag der Schlussabstimmung über die Sächsische Verfassung am 26. Mai 1992.

Die Medaille ist aus Silber und zeigt auf der Vorderseite das Wappen des Freistaates sowie die Schriftzüge „Sächsische Verfassung“, „Für besondere Verdienste“ sowie „26. Mai 1997“, der Tag, an dem die Verfassungsmedaille erstmals verliehen wurde. Auf der Rückseite erinnern fünf brennende Kerzen sowie der Ausspruch „Wir sind das Volk“ an die Friedliche Revolution sowie den politischen Willen im Herbst 1989.