Ausstellung "erfasst, verfolgt, vernichtet - Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus"

Opfer der Euthanasie: Irma Sperling auf dem Spielplatz.

Opfer der Euthanasie: Irma Sperling auf dem Spielplatz.

Veranstaltung vom 30.03.2016 bis 11.05.2016

Die Wanderausstellung "erfasst, verfolgt, vernichtet – Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus" gastiert vom 30. März bis 11. Mai im Sächsischen Landtag. Leitlinie der Ausstellung ist die Frage nach dem Wert des Lebens. Am 19. April 2016 fand eine Midissage statt.

An das Schicksal von Irma Sperling erinnert heute ein nach ihr benannter Weg.

Die Ausstellung befasst sich mit den Massenvernichtungen, der Zwangssterilisation und der Ausgrenzung von Behinderten und Kranken während der NS-Diktatur. Bis zu 400.000 Menschen wurden zwischen 1933 und 1945 zwangssterilisiert, mehr als 200.000 Menschen wurden ermordet. Außerdem setzt sie sich auch mit den Schicksalen der Opfer, Täter, Tatbeteiligten sowie Opponenten auseinander und fragt schließlich nach der Aufarbeitung des Geschehens bis heute.

Landtagsvizepräsident Horst Wehner erinnerte im Rahmen der Midissage am 19. April 2016 daran, dass die Verbrechen auch mitten in Sachsen in die Tat umgesetzt wurden, so in der Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein, wo in den Jahren 1940 und 1941 13.720 psychisch kranke, geistig behinderte und mehrfach behinderte Menschen ermordet wurden sowie in der psychiatrischen Anstalt in Großschweidnitz, in der fast 6.000 Patienten den Tod fanden. "Es ist und bleibt daher eine der wichtigsten Lektionen der Geschichte, dass sich die Qualität und Zukunftsfühigkeit einer Gesellschaft daran bemessen lässt, wie sie sich gegenüber Minderheiten verhält."

Exemplarische Biografien geben einen anschaulichen Einblick in die Schicksale der Betroffenen. In den Akten der Opfer werden die vielen verschiedenen Akteure fassbar, die an den Verbrechen beteiligt waren. Deren Blicken auf die Patienten werden die eigenen Äußerungen der Opfer gegenübergestellt.

Die Wanderausstellung richtet sich gezielt an ein breites Publikum: Sie beschäftigt sich mit den gedanklichen und institutionellen Voraussetzungen der Morde, sie fasst das Geschehen von Ausgrenzung und Zwangssterilisationen bis hin zur Massenvernichtung zusammen.

Den Schlusspunkt der Ausstellung bilden zahlreiche Stimmen, die das damalige Geschehen von heute aus reflektieren und sich aus unterschiedlichen Perspektiven der Frage stellen, welche Bedeutung es für sie persönlich hat: Ärzte, Politiker, Vertreter von Selbsthilfeverbänden, Angehörige von Opfern, Pflegepersonal, Vertreter der Gesundheitsverwaltung und andere.

Die Ausstellung wurde bereits in einer Reihe von nationalen Einrichtungen wie Landtagen, Gedenkstätten und Kliniken sowie auf internationalen Kongressen gezeigt und ist bis Anfang 2018 ausgebucht.

Öffnungszeiten
Die Ausstellung ist bis zum 11. Mai 2016 im Sächsischen Landtag, Bürgerfoyer zu sehen. Sie kann jeweils montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr besichtigt werden. An Feiertagen bleibt die Schau geschlossen.