Konferenz "Miteinander in Mitteleuropa: gestern, heute, morgen"

Veranstaltung am 23.09.2016

Das Forum Mitteleuropa beim Sächsischen Landtag tagt in diesem Jahr in der Ungarischen Nationalversammlung in Budapest. In den Vorjahren war das Forum bereits in Tschechien, Polen und Österreich zu Gast.

Konferenzkonzeption 2016

Auf der Konferenz 2015 des Forum Mitteleuropa beim Sächsischen Landtag wurde bereits deutlich, was sich seither durch die Flüchtlingskrise intensiviert hat: das Miteinander in Mitteleuropa ist in schweres Fahrwasser geraten. Zerwürfnisse gefährden die zahlreichen Gemeinsamkeiten und Kooperationen in Mitteleuropa. Zugleich verbindet die mitteleuropäischen Länder als Mitglieder der Europäischen Union und als Angehörige eines über Jahrhunderte hinweg gewachsenen Kulturraums unverändert das Interesse an einem europäischen Miteinander in Frieden, Wohlstand und Freiheit.

In dieses Spannungsfeld möchte die diesjährige Konferenz des Forum Mitteleuropa eintauchen. Unter dem Titel "Miteinander in Mitteleuropa: gestern, heute, morgen" erörtert sie zwei Themenkomplexe:

(1) Miteinander gestern und heute – Die vergangenen Freiheitsrevolutionen und ihr aktuelles Vermächtnis in Mitteleuropa

Die Freiheitsrevolutionen gegen die kommunistischen Herrschaftsregime in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sind ein wichtiges verbindendes Element unter den Völkern Mitteleuropas. Es waren nicht nur nationale, sondern auch mitteleuropäische Freiheits­kämpfe, vereint im Ziel, das kommunistische Joch abzustreifen und in einem freien Europa selbstbestimmt zu leben. Angesichts des 60. Jahrestags des ungarischen Volksaufstands möchte die Konferenz dem verbindenden Moment, dem Miteinander dieser Freiheitskämpfe nachgehen – damals wie heute. Die identitäts- und freiheitsbezogene Idee von Mitteleuropa als einem Raum pluraler Vielfalt und historisch gewachsener Regionen, in dem Bürgerfreiheit bestimmend ist und Zusammenarbeit im Vordergrund steht, sind das Vermächtnis der Jahre 1989/90. Wie steht es im Jahr 2016 um dieses Vermächtnis? Wie lebendig sind die einst verbindenden Ideen und Ideale heute? Unmittelbar mit der gemeinsamen Erfahrung des Selbstbefreiens verbunden ist das ost- und mitteleuropäische Erleben der politischen, wirtschaftlichen und der gesellschaftlichen Transformation nach 1989/90. Hier durchziehen die Gesellschaften Mitteleuropas ähnliche Brüche, die gemeinsame Erfahrungen begründen – bis in die Gegenwart.

(2) Miteinander heute und morgen – Die gegenwärtigen Interessen und ihre künftigen Auswirkungen auf das Vertrauen in Mitteleuropa

Mit Blick auf das Hier und Jetzt scheint das Miteinander in Mitteleuropa gefährdet, revitalisieren sich doch im Zuge der Flüchtlingskrise alte Nationalismen und neue regionale Egoismen. Ängste und Bedrohungsszenarien prägen das Wahrnehmungsbild. Fragen nach dem gegenseitigen Verständnis und dem Vertrauen in Mitteleuropa bestimmen wieder vermehrt die Diskussion, auch Fragen nach den unterschiedlichen Interessen in den mitteleuropäischen Ländern. Welche übereinstimmenden bzw. gegenläufigen Interessen finden wir im heutigen Mitteleuropa als politische Realität vor? Haben die Mitteleuropäer nicht jede Menge gemeinsame Interessen, die sie zusammenhalten, über die sie sich jedoch stärker verständigen müssen? Wie ist es vor dem Hintergrund der verschiedenen (mitunter konfligierenden) kurz- und langfristigen Interessen um das wechselseitige Vertrauen unter Nachbarn in Mitteleuropa bestellt? Wie lassen sich heute und zukünftig die Interessen in Mitteleuropa in größeren Einklang bringen? Wie können die Länder Mitteleuropas künftig zu einem größeren Miteinander, einem stärkeren Vertrauen und einem größeren gegenseitigen Verständnis (zurück)finden? Wie können sie ein gemeinsames Grundverständnis von Miteinander in Europa herausbilden?

Die Wahl der Ungarischen Nationalversammlung als Tagungsort geht auf eine Einladung des ungarischen Parlamentspräsidenten Dr. László Kövér an den Landtagspräsidenten Dr. Matthias Rößler zurück.

Das Forum Mitteleuropa beim Sächsischen Landtag wurde 2011 von Landtagspräsident Dr. Rößler ins Leben gerufen. Es will in Mitteleuropa feste Bande des geistigen Austauschs und der bürgerschaftlichen Verständigung knüpfen sowie die wichtige Kooperation in der Mitte unseres Kontinents weiter vorantreiben. Zudem sieht sich das Forum Mitteleuropa als politischer Impulsgeber, indem es regelmäßig mitteleuropäische Akzente stärker ins öffentliche Bewusstsein rückt.