10. Jugendgeschichtstage 2014

Teilnehmer an den 10. Jugendgeschichtstagen 2014 im Sächsischen Landtag bei der Vorstellung ihres Projektes, Foto: Stephan Floss

Teilnehmer an den 10. Jugendgeschichtstagen 2014 im Sächsischen Landtag bei der Vorstellung ihres Projektes, Foto: Stephan Floss

Veranstaltung vom 20.11.2014 bis 21.11.2014

Am 20. und 21. November 2014 war es wieder so weit: 25 Jugendgruppen präsentierten ihre monatelang vorbereiteten Projekte. Dieses Jahr konnte sogar ein Jubiläum gefeiert werden. Der Jugendgeschichtstag fand zum 10. Mal statt.  Die vom Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz und von der Stiftung „Demokratische Jugend“ sowie von der Staatskanzlei geförderte Veranstaltung findet seit 2005 im Sächsischen Landtag statt.

»Von Kaiser Wilhelm zu »Happy Meal«

Geschichte ist »eine Reise in die Vergangenheit, um die Gegenwart zu begreifen und die Zukunft zu meistern«. Davon ist wohl nicht nur der Geschäftsführer der Sächsischen Jugendstiftung, Tobias Heinemann, überzeugt. Auch dieses Jahr fand der Jugendgeschichtstag im Sächsischen Landtag regen Andrang von Jung und Alt. Insgesamt stellten 25 Jugendgruppen und Vereine die Ergebnisse ihrer Nachforschungen auf dem Projekte-Markt aus.

Die Aufgabe der jugendlichen Geschichtsforscher bestand dieses Jahr darin, die Geschichte der eigenen Region abzubilden. Die Geschichtevor Ort zu untersuchen, so Johannes Zerger, Geschäftsführer der Stiftung Demokratische Jugend, sei besonders wichtig, um eben diese vor dem Verschwinden im historischen Nirwana zu bewahren. Bei seiner Begrüßungsrede betonte auch der Sächsische Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler die Relevanz der wissenschaftlichen Erforschung des Vergangenen und lobte die »aktive Auseinandersetzung mit der Geschichte« und den damit verbundenen Generationenaustausch.

Geschichtsunterricht der ganz anderen Art

Am ersten Tag wurden die Jugendlichen dazu eingeladen, Geschichtsunterricht mal anders zu erleben. Angeboten wurden sechs verschiedene Workshops. Die Auseinandersetzung mit historischen Ereignissen auf unterschiedliche Art stand dabei im Vordergrund. Geschichte zum Anfassen erlebten die Teilnehmer im Dresdner Schulmuseum, hier wurde eine Schulstunde zu Kaiserzeiten nachempfunden. Die Schüler verkleideten sich und lernten, in altdeutscher Schrift zu schreiben. Einige Unruhestifter mussten mit»Stockhieben« in ihre Schranken gewiesen werden.

In der Gedenkstätte Bautzner Straße wurden die Teilnehmer durch das ehemalige Stasi-Gefängnis geführt, konnten ihre Fragen stellen und kamen mit Zeitzeugen insGespräch. Der Workshop »Freiheit ist …«, welcher in den Räumlichkeiten des Sächsischen Landtags stattfand, befasste sich mit der Definition des Freiheitsbegriffs und dessen Einschränkungen. Die Gruppe machte prompt Gebrauch von ihrer persönlichen Freiheit, brach aus den vorgesehenen Räumlichkeiten aus und breitete sich samt allen Darstellungsmaterialien im Gang aus. Unter den Teilnehmern entstand ein reger Austausch über die verschiedenen Ansichten und deren Übertragung in aktuelle politische Debatten.

Am Ende des ersten Tages waren alle Teilnehmer erschöpft, dennoch umsichtiger und vor allem auch nachdenk­licher als zu Beginn der Workshops. Es wurde nicht nur neues Wissen erworben, sondern es konnten auch, wie ein Teilnehmer bemerkte, »Erfahrungen und wichtige Weltverbesserungsstrategien« gewonnen werden. Ein Jugendlicher resümierte: »Ich nehme mit, dass man auf seine Mitmenschen achten muss und nur durch die Kommunikation Konflikte zu lösen sind und somit Frieden erreicht werden kann.«

Die Letzten werden die Ersten sein

Der Freitag begann schon am Morgen mit einer Geocache-Entdeckertour durch Dresdens Altstadt. Hoch motiviert schwärmten die Jugendgruppen bei frostigenTemperaturen aus, denn jeder wollte als Erster wieder im Sächsischen Landtag ein­treffen. Mittels Kompass, GPS, QR-Codes und Rätseln sollten verschiedene Punkte ausfindig gemacht werden. Doch aufgrund von streikenden technischen Gerätschaften gelang es einer Gruppe nicht, die Rätsel zu lösen, und so musste ein Rettungsteam der Sächsischen Jugendstiftung gerufen werden. Die Gruppe konnte das Caching zwar zu Ende führen, erreichte allerdings als letzte, durchgefroren und abgekämpft, den Landtag.

Nach einer kurzen Erholung startete der Projekte-Markt. Die Jugendlichen stellten die Früchte ihrer monatelangen Arbeit mithilfe von sorgsam ausgelegten dekorativen Flyern und aufwändig gestalteten Plakaten aus. Es wurden sogar Filme gedreht und Präsentationen gehalten. Die einzelnen Projekte konnten nicht unterschiedlicher  sein. Von dem Projekt »Auf den Spuren der Wolfskinder des 2. Weltkrieges«, (quer-durch e.V.), das sich mit den Schicksalen derer beschäftigte, die ihre Eltern in den Wirren derAussiedlungen verloren hatten, bis zu »Memory of History« (Förderverein Jugend-, Kultur- und Sozialzentrum Aue e.V.), bei dem ein historisches Memory zur Stadtgeschichte von Aue professionell erstellt wurde, war alles vertreten. Die Vorstellung der Projekte war sowohl spannend als auch lehrreich. Wer hätte gedacht, dass ein Denkmal über Nacht spurlos verschwinden kann wie das Körner-Denkmal in Chemnitz im Stadtteil Sonnenberg? Oder dass »Kaiser Wilhelm«eine Apfelsorte ist?

Nach einigen erhellenden Stunden wurde das Bühnenprogramm eröffnet. Der Sänger RANY begleitete mit entspannenden musikalischen Klängen den Abend. Er unterhielt mit einer Improvisation rund um den zugerufenen Terminus »Happy Meal«. Die Preisverleihung wurde persönlich von Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler durchgeführt. Der Publikumspreis ging an die völlig überwältigten Sieger, die Station Junger Naturforscher und Techniker e.V., jene Gruppe, welche als letzte  beendete. Mit ihrem Projekt »Bewahrung alter Obstsorten« verfolgen sie das Ziel, eine neue Streuobstwiese mit traditionellen Obstsorten anzulegen. Mitzuerleben,wie stolz die Jugendlichen auf ihre Leistungen sind und wie groß die Freude ist, wenn sie sich mit ihrem Projekt vor Publikum präsentieren dürfen, macht immer wieder deutlich, wie bedeutend und unersetzlich derlei Aktionen und Veranstaltungen für die Jugendbildung sind.