12. Jugend-Redeforum

Teilnehmer und Jury des 12. Jugend-Redeforums im Plenarsaal, Foto: Steffen Füssel

Teilnehmer und Jury des 12. Jugend-Redeforums im Plenarsaal, Foto: Steffen Füssel

Veranstaltung am 08.11.2014

Seit dem Jahr 2003 findet das Jugend-Redeforum jährlich Anfang November im Sächsischen Landtag statt. Immer mehr Jugendliche finden den Mut, ihr Redetalent öffentlich unter Beweis zu stellen. Am 8. November 2014 waren es 36 Schülerinnen und Schüler aus Sachsen, Thüringen und Brandenburg, die um die ersten drei Preise rangen. Es war die zwölfte Auflage des Wettbewerbs.

Preisträger des 12. Jugend-Redeforums 2014

Eine Gabe, die man nutzen muss

Die drei Erstplazierten des 12. Jugend-Redeforums:

  1. Platz: Dennis-Dominik Rosmus, Elsterschloss-Gymnasium Elsterwerda
  2. Platz: Leon Blankenstein, Goethe-Gymnasium Bischofswerda
  3. Platz: Ann-Sophie Paschke, Humboldt-Gymnasium

»Wenn ich groß bin, möchte ich auch so reden können wie du.«

Am 8. November 2014 bot der Sächsische Landtag jungen Debattierkünstlern im Rahmen des Jugend-Redeforums erneut die Möglichkeit, ihre rhetorischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Der Redewettstreit fand dieses Jahr nunmehr zum 12. Mal statt.

Im Plenarsaal des Sächsischen Landtags ist eine leichte Anspannung zu spüren, als der Juryvorsitzende Dr. Vazrik Bazil, Präsident des Verbandes der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS), nach einem aufregenden und ereignisreichen Tag an das Rednerpult tritt. Vor ihm steht der gläserne Pokal für den Gewinner des Jugend-Redeforums, der dieses Jahr zum ersten Mal verliehen wird. Nachdem er sich für die hervorragenden Leistungen aller Beteiligten bedankt hat, resümiert Bazil: »Die Qualität der Einzelreden ist im Vergleich zu den vergangenen Jahren gestiegen.«


Der diesjährige Gewinner überzeugte die Jury zudem mit seiner hervorragenden sprachlichen Varianz, der strukturierten Sprachweise und dem Beziehen klarer Positionen. Damit sicherte sich Dennis-Dominik Rosmus (Elsterschloss-Gymnasium, Elsterwerda) den begehrten Pokal und wurde, mit einem Augenzwinkern, von Jurymitglied Peter Stawowy mit den Worten »Wenn ich groß bin, möchte ich auch so reden können wie du« gelobt.

Streit über Streik

Bis dahin war es ein weiter Weg. In einer ersten Runde am Vormittag mussten alle 36 Teilnehmer in Gruppendiskussionen ihr rhetorisches Können demonstrieren. Je sechs Schülerinnen und Schüler wurden, entsprechend ihrem Alter, in Gruppen eingeteilt und mussten über ein nur kurz vorher bekannt gegebenes Thema 15 Minuten lang debat­tieren. Zu einem wahren Wortgefecht kam es bei der Fragestellung »Asylpolitik: Sollen wir mehr Flüchtlinge aufnehmen?«, bei dem Befürworter die Lebensbedingungen in Kriegsgebieten anprangerten und an die Menschlichkeit ihrer Mitdebattierer appellierten. Vertreter oppositioneller Meinungen forderten zunächst eine geordnete Asylpolitik für die bereits in Deutschland lebenden Flüchtlinge.
Mit »Stellt euch vor, unsere Lehrer würden 100 Tage streiken« eröffnete ein Jugendlicher die Diskussion über den Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer und erntete bestätigendes Kopfnicken der im Plenarsaal anwesenden Pädagogen. Zudem wurden die gravierenden Folgen für die gesamte Wirtschaft erörtert. Die Befürworter des Streiks reagierten allerdings argumentationssicher mit dessen zentraler Bedeutung als Grundrecht.
Da alle Themen einen aktuellen Bezug aufwiesen, bildeten sie die Grundlage für sehr lebhafte und fundierte, teilweise aber auch emotionale Debatten. Bereits in dieser Runde bewiesen die Jugendlichen eine bemerkenswerte rhetorische Qualität, verbunden mit gezielt eingesetztem Hintergrundwissen und einer ausgeprägten Fähigkeit zum Miteinander-Reden. Dass dies vor allem auch auf politischer Ebene bedeutend sei, betonte auch Andrea Dombois, 1. Vizepräsidentin des Sächsischen Landtags, bei ihrer Begrüßungsrede: »Politische Rhetorik, Diskurs und Dialogfähigkeit zählen zu den geistigen Fundamenten der parlamentarischen Demokratie.«

Sprechen und Zuhören

Der hochkarätig besetzten Jury wurde die schwierige Aufgabe zuteil, die besten drei Redner aus jeder Gruppe zu benennen und sie somit für die Runde der Einzelvorträge zu nominieren. Bewertet wurden zum einen Argumentationsstärke und Ausdrucksfähigkeit, aber auch Körpersprache und soziale Kompetenzen innerhalb der Diskussion. Wie Jurymitglied Annette Binninger von der Sächsischen Zeitung anmerkte, wichtete jeder Juror die Kriterien unterschiedlich stark, sodass es zu äußerst konträren Meinungen innerhalb der Jury selbst kam. Nicht immer überzeugte der Teilnehmer, der auch den größten Redeanteil hatte, denn laut Dr. Vazrik Bazil ist Sprechen nicht alles – auch Zuhören ist entscheidend. Der hohen Qualität der Debatten geschuldet, schafften es letzten Endes 22 statt der ursprünglich geplanten 18 Kandidaten in die zweite Runde.
Nachdem die erste Hürde genommen und die Anfangsnervosität besiegt war, verwandelte sich der sonst so seriös wirkende Plenarsaal in eine Bühne für die Rock 'n' Roll-Band »East Wing«. Diese Unterbrechung bot den Schülerinnen und Schülern, die aus Sachsen, Thüringen und Brandenburg zusammengekommen waren, die Möglichkeit, sich besser kennenzulernen und in lockerer Atmosphäre ins Gespräch zu kommen. So wurden aus anfänglichen Konkurrenten bald Mitstreiter, denen man in der Runde der Einzelvorträge die Daumen drückte.
Es wurde viel zitiert in dieser Runde der dreiminütigen Einzelreden, für welche die Besten der Vorrunde fünf Minuten Vorbereitungszeit hatten. Von J. F. Kennedy über Angela Merkel bis hin zur »Allzweckwaffe« Goethe. Gekonnt wurden Sprechpausen eingelegt, um die vorausgeschickten Worte wirken zu lassen, oder ab und an der Arm in die Luft gehoben, um das Gesagte zu unterstreichen. Es wurde politisch (»ISIS ist nicht mit Waffen zu stoppen.«), es wurde humorvoll (»Sie können sicher sein, dass Sie eine gute Jugend erzogen haben.«) und es wurde nachdenklich (»Waren Goethe und Schiller nicht auch nur Freidenker, die versucht haben, die Gesellschaft zu verändern?«).
Neben Dennis-Dominik Rosmus überzeugte besonders Ann-Sophie Paschke (Humboldt-Gymnasium Radeberg), die mit ihrer Rede zum Thema »Alles gut: Wer vertritt die Interessen der Jugendlichen« den 3. Platz knapp hinter Leon Blankenstein (Goethe-Gymnasium Bischofswerda) mit dem Thema »Edward Snowden: Held oder Verräter?« belegte.

Redner der Zukunft

Nachdem die letzte Urkunde überreicht, das Siegerfoto geschossen und der große Dank an alle Teilnehmer, Organisatoren und Beteiligten ausgesprochen war, blieben am Ende dieses ereignisreichen Tages drei »wesentliche« Erkenntnisse. Zum einen, wie Andrea Dombois zu verstehen gab, wird über die Zukunft der Redner und die Redner der Zukunft nicht erst an den Universitäten, sondern bereits an den Schulen entschieden. Zum anderen, so Dr. Vazrik Bazil, macht nicht die Übung den Meister, sondern vor allem die richtige Übung. Und schließlich, so lehrte uns ein jugendlicher Teilnehmer und sorgte mit einem Augenzwinkern für die Allegorie des Tages: »Den aktuellen Streik der Bahn kann man schon als Ballast bezeichnen. Aber braucht der menschliche Körper nicht auch Ballaststoffe, um zu funktionieren?«

Weitere Informationen zu den Teilnahmebedingungen erteilen:

Sächsischer Landtag
Veranstaltungen, Besucherdienst
Herr Hans-Peter Maier, Frau Helga Kemper
Telefon: 0351 493-5130, 0351 493-5131