Schüler haben das Wort - Jugend-Redeforum 2015

Archivbild: Teilnehmer beim Jugend-Redeforum 2014, Foto: Steffen Füssel

Archivbild: Teilnehmer beim Jugend-Redeforum 2014, Foto: Steffen Füssel

Veranstaltung am 28.11.2015

Nicht nur Politiker ergreifen im Landtag das Wort. Auch Jugendliche stehen jedes Jahr wieder am Rednerpult und streiten für ihre Sache.

Das Format hat sich – von Beginn an in enger Absprache mit den Pädagoginnen und Pädagogen, sowie den Mitgliedern der Jury – in den wesentlichen Punkten nicht verändert: Sechs Diskussionsrunden am Tisch á mittlerweile 15 Minuten zu einem fünf Minuten vor Beginn bekannt gegebenen Thema am Vormittag und drei Minuten dauernde Einzelvorträge der 18 besten Diskutanten am Nachmittag, denen das Thema ebenfalls erst fünf Minuten vorher bekannt gegeben wurde.

Die Jury vergibt bei den Diskussionsrunden nach festgelegten Kriterien 1-6 Punkte für Rhetorik, Sachlichkeit und dem engagierten Miteinander. Die drei mit den meisten Punkten pro Tisch waren für die Einzelvorträge qualifiziert. Am Ende war dies ein langer und für alle Beteiligten recht anstrengender Tag.

Den Dank und die Anerkennung für das bereits im Rahmen der Vorbereitung Geleistete kleidete der Präsident des Sächsischen Landtags, Dr. Matthias Rößler, bei seiner Begrüßung gleichzeitig auch in ermunternde Worte: Wir alle sind heute hier, um auch künftig „die Kunst und Kultur der Rede, des Dialogs und der Diskussion zu pflegen und den professionellen Umgang mit freier Rede weiter zu entwickeln.“ Es sei wichtig, sich immer wieder des hohen Maßstabs und des Anspruchs zu vergewissern, der an die öffentliche Rede in Bezug auf Information und Erklärung in einer parlamentarischen Demokratie gestellt werden müsse.

An die unermüdlich arbeitenden Pädagoginnen und Pädagogen gewandt fuhr er fort: „Diesen fruchtbaren Boden, aus dem das Jugend-Redeforum seine Vitalität und Qualität gewonnen hat, bilden die zahlreichen Debattierclubs, die nicht nur an Gymnasien, sondern längst auch an unseren Oberschulen wirksam geworden sind!“

„Die Rede hat in unseren Zeiten eine ganz besondere Bedeutung gewonnen“, richtete auch der Präsident des Verbands der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS), Dr. Vazrik Bazil, den Fokus auf die Notwendigkeit, Botschaften zu vermitteln, Umbrüche und Neuordnungen zu erklären. Bazil sprach dabei von „rhetorischen Zeiten“, in denen zum Wohle einer ganzen Gesellschaft informiert, nicht diffamiert, in denen erklärt und zusammen geführt werden müsse und nicht Gräben vergrößert oder gar neu ausgehoben werden dürften: „Rede ist Führung!“ Das Jugend-Redeforum liefere dafür einen wichtigen, möglicherweise unverzichtbaren Beitrag. Es trage dazu bei, junge Menschen auf die mehrschichtige Aufgabe des Vermittelns vorzubereiten, deren Bewältigung keinen längeren Aufschub dulde.

„Wenn die Menschen nicht informiert sind, treiben Emotionen Blüten“

Um es vorwegzunehmen: alle Mitglieder der Jury waren vom tatsächlich hohen Niveau der Diskussionsrunden begeistert und konstatierten einen „weiteren, deutlichen Zuwachs an Qualität der Debatten und rhetorischem Engagement aller Teilnehmer“.

Gleich in der ersten Runde („Migration – wann ist die Grenze erreicht?“) ging es richtig zur Sache. Argumente wurden durchdacht und sachlich vorgetragen und dennoch mit Emotionen nicht gespart. Diese Diskussionskultur zog sich durch alle sechs Runden hindurch und sorgte für klare, verifizierbare Aussagen. Die Schülerinnen und Schüler wogen ab und prüften das Gesagte – näherten sich also den Themen im besten Sinne des Wortes kritisch.

Zu Recht verfing das bei den Juroren, die nach jeder Runde allen Grund hatten, den Teilnehmern für deren Eloquenz und Beharrlichkeit Achtung zu zollen. Gleichzeitig wiesen sie darauf hin, dass keine Standpunkte bewertet wurden – eine freie Meinungsäußerung muss gewährleistet sein, auch wenn der Inhalt nicht jedem passt – sondern die Art und Weise, mit der die Klaviatur der Rhetorik bedient wurde.

Eine Rede beginnt beim Blickkontakt

Die Redebeiträge am Nachmittag blieben in der Summe ein wenig hinter den am Vormittag geweckten Erwartungen zurück. Die Tatsache, dass der eigene Redebeitrag bereits mit dem Erscheinen vor dem Publikum und nicht erst mit der Begrüßungsformel beginnt, schien hie und da in Vergessenheit geraten zu sein.

Die Spitzenbeiträge allerdings waren von großer Kompetenz und sowohl didaktischem als auch methodischem Verständnis gekennzeichnet. Das führte dazu, dass sich zwei Redner mit dem gleichen Thema (Aktive Sterbehilfe – wer entscheidet über Leben und Tod?) in die Platzierung schieben konnten: Amy Rossade (Elsterschloss-Gymnasium Elsterwerda) auf Rang zwei und Pascal Walther (Geschwister-Scholl Gymnasium Löbau) auf Rang drei. Zum Sieger wurde Christopher Stäglich (Humboldt-Gymnasium, Radeberg) gekürt, der mit einer „homogenen, gleichzeitig aber verschiedene Sichtweisen berücksichtigenden und rhetorisch ausgereiften Rede“ aufwartete.

Am Ende blieben allen die wohlmeinenden Worte des Präsidenten im Gedächtnis, dass es sich beim Jugend-Redeforum um ein „Anliegen des Sächsischen Landtages in ureigener Sache“ handele und ein „fester Bestandteil der Veranstaltungen des Parlamentes bleiben“ werde. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen am 5. November des nächsten Jahres.