Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Gedenkkonzert der Neuen Jüdischen Kammerphilharmonie Dresden im Sächsischen Landtag, Foto: Steffen Giersch

Gedenkkonzert der Neuen Jüdischen Kammerphilharmonie Dresden im Sächsischen Landtag, Foto: Steffen Giersch

Veranstaltung am 27.01.2015

Am 27. Januar 2015, dem 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz, gedachten der Sächsische Landtag und die Staatsregierung mit einer gemeinsamen Veranstaltung der Opfer des Nationalsozialismus. Die Neue Jüdische Kammerphilharmonie Dresden (NJK) spielte ein Gedenkkonzert mit Werken von Komponisten jüdischer Herkunft, die bis heute sehr selten oder gar nicht aufgeführt werden und die somit vor dem Vergessen bewahrt werden sollen.

Unter den mehr als 350 Gästen waren neben zahlreichen Abgeordneten, Mitgliedern der Staatsregierung und Repräsentanten des öffentlichen Lebens mehr als 100 Vertreter von Opferverbänden sowie eine Schulklasse des Dresdner Landesgymnasiums für Musik Carl Maria von Weber.

Landtagspräsident Dr. Rößler: "Aus Sorge sollte Fürsorge erwachsen."
„Wir können durch Gedenken und Erinnerungen den Opfern ihr Schicksal und damit ihreWürde zurückgeben“, betonte Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler. Zugleich müsse man jedoch immer wieder hinterfragen, ob die vielfältigen Debatten und Diskurse der Erinnerungskultur in breiten Schichten unserer Gesellschaft ankommen. „Die Gegenwart sollte uns dazu denken geben.“

Während man der Angst vor dem Anderen mit Mitteln einer engagierten Demokratie begegnen könne, sei irrationaler Hass, verbunden mit der Bereitschaft zu Gewalt nicht mit der Meinungsfreiheit einer Demokratie zu rechtfertigen. „Aus der Sorge sollte Fürsorge erwachsen“, schlug Landtagspräsident Dr.Matthias Rößler den Bogen zwischen der Sorge um die Gefahr des Vergessens und den Herausforderungen der Gegenwart. “Fürsorge, die Zuwendung zum Anderen, zum Nachbarn, zum Mitbürger oder zum Fremden bringt eine Kultur der Mitmenschlichkeit hervor. Das ist die Gesellschaft, die wir in unserem Freistaat Sachsen und in unserer Bundesrepublik Deutschland wollen und brauchen.“

stellvertretender Ministerpräsident Dulig: "Wir müssen als Demokraten wachsam sein."
Martin Dulig,Staatsminister und stellvertretender Ministerpräsident des Freistaates Sachsensagte in seiner Ansprache: „Das Konzentrationslager Auschwitz steht für den Verrat an den Grundprinzipien von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit -bis hin zur physischen Vernichtung. Auch heute, 70 Jahre nach der Befreiung, müssen wir als Demokraten wachsam sein und gegen undemokratische Einstellungen aktiv werden. Das zeigen uns nicht zuletzt die aktuellen Herausforderungen in Sachsen, bei denen der Beigeschmack antisemitischer Einstellungen immer stärker wird. Wir mussten erfahren, dass religiös motivierte Auseinandersetzungen nicht mehr nur weit weg stattfinden. Die Grundprinzipien der Demokratie sind deshalb an einem Tag wie heute gleich doppelt bedeutsam.“

Gedenkkonzert der Neuen Jüdischen Kammerphilharmonie Dresden (NJK)
Das Gedenkkonzert gestaltete die Neue Jüdische Kammerphilharmonie Dresden (NJK) unterder Leitung von Michael Hurshell. Das Ensemble spielt vorwiegende Werke von Komponisten jüdischer Herkunft, die bis heute sehr selten oder gar nichtaufgeführt werden und die somit vor dem Vergessen bewahrt werden sollen. Schüler vom Landesgymnasium für Musik Dresden Carl Maria von Weber führten in das Konzert, bei dem Werke von Marc Lavry, Franz Schreker, Alexander Zemlinsky,Erich W. Korngold und Felix Mendelssohn Bartholdy aufgeführt wurden, ein.

Neue Jüdische Kammerphilharmonie Dresden
Seit November 2007 hat die Neue Jüdische Kammerphilharmonie Dresden, ein Streichorchester mit 23-30 jüdischen und nicht-jüdischen professionellen Musikern in bisher 50 Konzerten dreizwanzig, in der Nazizeit verfemte, verfolgte oder ermordete europäische Komponisten jüdischer Herkunft z.T. nach Jahrzehnten im In- und Ausland wieder zu Gehör gebracht. Die Komponisten sind überwiegend im deutschsprachigen Raum ausgebildet worden, ihre Werke sind zutiefst europäische Musik. Das Ensemble hat somit ein europaweit einzigartiges Profil.

Dirigent Michael Hurshell gründete gemeinsam mit Dresdner Musikern die Neue Jüdische Kammerphilharmonie Dresden im November 2007. Er ist Dozent für Dirigieren an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden und hält auch Vorlesungen und Seminare an der TU Dresden. Er ist der Kurator der multimedialen Dauerausstellung zu Richard Wagner im restaurierten Barockschloss Graupa. Er trat als Gastdirigent u.a. an der Deutschen Oper am Rhein, bei der Slowakischen Staatsphilharmonie, der Nationalphilharmonie Warschau und bei internationalen Festivals auf.

Landesgymnasium für Musik Dresden Carl Maria von Weber
Das sächsische Landesgymnasium für Musik Carl Maria von Weber ermöglicht hochbegabten jungen Musikern neben dem Abitur eine professionelle Ausbildung am Musikinstrument. Im Rahmen des Faches Musikgeschichte setzen sich Schüler immer wieder mit Musikern auseinander, die unter der Herrschaft der Nationalsozialisten verfolgt oder verfemt waren. Diese Beschäftigung führte in der Vergangenheit zu wichtigen Impulsen im Konzertprogramm, Vorträgen über „verfemte“ Komponisten und unterstützt nicht zuletzt die Verbindung zur Partnerschule in Israel, dem Horowitz-Konservatorium in Karmiel.

Hintergrund zum Gedenktag 27. Januar
Der 27. Januar ist in der Bundesrepublik Deutschland nationaler Gedenktag zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus. Er wurde vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog 1996 proklamiert. Seit 2006 gedenken der Sächsische Landtag und die Staatsregierung jedes Jahr an diesem Tag der Opfer mit einer gemeinsamen Veranstaltung im Plenarsaal des Sächsischen Landtags.  

Neue Jüdische Kammerphilharmonie Dresden mit ihrem künstlerischen Leitung, Michael Hurshell