Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Dresdner Kammerchor und Schulchor der Evangelischen Schulgemeinschaft Annaberg-Buchholz

Dresdner Kammerchor und Schulchor der Evangelischen Schulgemeinschaft Annaberg-Buchholz

Veranstaltung am 27.01.2014

Mit einer gemeinsamen Veranstaltung im Plenarsaal des Sächsischen Landtags gedachten Parlament und Staatsregierung am Montag, dem 27.Januar 2014, der Opfer des Nationalsozialismus.

Im Mittelpunkt stand in diesem Jahr die musikalische Auseinandersetzung mit dem Thema. An die Ansprachen von Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler und Ministerpräsident Stanislaw Tillich schloss sich ein Gedenkkonzert an. Dafür konnte der Dresdner Kammerchor unter der Leitung von Hans-Christoph Rademann gewonnen werden, der vom Jugendchor der Evangelischen Schulgemeinschaft Annaberg-Buchholz unterstützt wurde. Damit wurde zugleich dem Ansinnen der Veranstaltung, das Gedenken auch an die jüngeren Generationen weiterzugeben und diese aktiv einzubinden, Rechnung getragen.  Zur Aufführung kamen u.a. Werke des jüdischen Komponisten und Geigenvirtuosen der Barockzeit, Salomone Rossi, sowie Kompositionen von Heinrich Schütz.

„Es ist gefährlich, zu vergessen, wozu der Mensch am Menschen fähig ist“, mahnte Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler und appellierte eindringlich an die nachgeborenen Generationen, die Erinnerung an die Leiden der Opfer wachzuhalten. Dies gelinge am besten in der Betrachtung menschlicher Einzelschicksale „jenseits von Zahlen und Daten, die [...] vielleicht zu übermächtig oder zu abstrakt erscheinen. [...] Hinter den Zahlen erscheinen dann Namen und Gesichter. Werden aus Opfern wieder Mitbürger und Nachbarn – ja, werden wieder Menschen sichtbar.“ Der Unkultur des Vergessensmüsse man eine Kultur der Zuwendung und der Anerkennung entgegensetzen, so Rößler weiter. „In dieser Kultur können wir ein gesellschaftliches Klimaschaffen, das widerstandsfähiger ist gegenüber Attacken der Menschenverachtung und der Gewalt.“

Ministerpräsident Stanislaw Tillich betonte, „die Erinnerung an Gräuel, Barbarei und das unfassbare Leid der Opfer während der Zeit des Nationalsozialismus ist wichtig. Es braucht wiederkehrende Anlässe wie den 27. Januar, die uns aufrütteln und die verhindern, dass wir ausweichen oder bequem werden.“ Tillich verwies zugleich auf eine Reihe von israelisch-sächsischen Initiativen und Partnerschaften undrief dazu auf, weitere Zeichen der Verständigung und Versöhnung zu setzen. „Sowie das Erinnern unsere Verpflichtung ist, so liegt das Handeln in unsererVerantwortung. Die Gefahr einer Wiederholung bleibt dann gebannt, wenn in den Köpfen und Herzen klar ist, dass die Würde eines jeden Menschen unantastbarist. Deshalb darf uns der Tag, an dem die Überlebenden in Auschwitz-Birkenau 1945 befreit wurden, nicht in Ruhe lassen.“

MDR-Reportage: Was heißt Dachpappe auf Hebräisch?

Im Anschluss an die Gedenkveranstaltung fand im Sächsische Landtag die Vorpremiere der MDR-Fernsehdokumentation „Was heißt Dachpappe auf Hebräisch?“ statt. Die Reportage begleitet 15 sächsische Handwerker, die ihren Urlaub nutzen, um ehrenamtlich Holocaust-Überlebenden in Israel zu helfen und z. B. deren Wohnungen zu renovieren.

An der Gedenkstunde nahmen neben Abgeordneten und Regierungsmitgliedern u. a. Vertreter des Verfassungsgerichtshofes, des konsularischen Korps, der Kirchen und Religionsgemeinschaften sowie der Kommunen teil. Zu den über 350 Gästen zählten zudem zahlreiche Vertreter von Opferverbänden sowie Schülerinnen und Schüler des Dresdner Vitzthum-Gymnasiums.

Dresdner Kammerchor
Der Dresdner Kammerchor gehört zu den Spitzenchören Deutschlands und ist bekannt für seinen unverwechselbaren Klang von großer Intensität und Klarheit. Lebendige Ausstrahlung sowie die oft gerühmte klangliche Homogenität und Transparenz sind die Stärken des international gefragten Ensembles.

Das Ensemble spielt unter der Leitung von Hans-Christoph Rademann, der zu den gefragtesten Chordirigenten und anerkanntesten Chorklangspezialisten weltweit gehört, und der den Dresdner Kammerchor 1985 gründete. Im Jahr 2000 wurde er als Professor für Chorleitung an die Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden berufen. Seit 2007 ist Hans-Christoph Rademann Chefdirigent des RIAS Kammerchores.

Im Sächsischen Landtag trat der renommierte Chor gemeinsam mit dem Jugenchor der Evangelischen Schulgemeinschaft Annaberg-Buchholz auf, für den der Kammerchor im aktuellen Jahr die Schulchorpatenschaft übernommen hat. Der Auftritt am 27. Januar 2014 markierte einen der Höhepunkte der Zusammenarbeit.

Jugendchor der Evangelischen Schulgemeinschaft Annaberg-Buchholz
Chorleiter Daniel Zwiener gründete den Jugendchor im Jahr 2004. Mittlerweile gehören ihm rund 100 Schülerinnen und Schüler mit besonderer sängerischer Begabung der achten bis zwölften Klassen an. Der Jugendchor tritt bei Schulgottesdiensten, Schulkonzerten und weiteren schulischen Veranstaltungen regelmäßig auf.

Hintergrund:
Der Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 ist seit 1996 auf Initiative des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog offizieller Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Der Sächsische Landtag und die Sächsische Staatsregierung würdigen diesen Tag seit 2006 jedes Jahr mit einer gemeinsamen Gedenkstunde im Plenarsaal des Sächsischen Landtags.