Tag der offenen Tür

Veranstaltung am 03.10.2013

Traditionell beging der Sächsische Landtag als einziges Parlament eines deutschen Bundeslandes den Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2013 mit einem Tag der offenen Tür.

Zeigen, was wir draufhaben

Sie hören auf die Namen Lisa und Anja und Lara-Sophia, sie sind zwischen fünf und neun Jahre alt und die Anspannung steht deutlich in ihren Gesichtern geschrieben.

Es war ja schon so viel passiert. Der Spielmannszug aus Zabeltitz hatte gespielt und war in den Plenarsaal einmarschiert. Er hatte ganz viele Leute mit hereingebracht. Und danach sind immer mehr in den Plenarsaal gekommen und hatten gespannt zugehört und die bekannten Rhythmen mitgeklatscht.

Dann hatte Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler gesprochen und den Tag der offenen Tür offiziell begonnen. Er hatte davon berichtet, dass es eine Menge Informationen gebe und die Fraktionen mit eigenen Ständen und Programmen allen Besuchern für Fragen zur Verfügung stünden. Besonders aber freue er sich, dass sich die Stadt Großenhain so wunderbar darstellen würde.

Großenhains Oberbürgermeister, Burkhard Müller, hatte ins Mikrofon gerufen, wie glücklich und zufrieden er sei, dass sich seine Stadt hier im Sächsischen Landtag präsentieren könne, und hatte das Mikrofon wieder an den Zabeltitzer Spielmannszug abgegeben. Und jetzt waren sie dran: die Dancing Kids aus Großenhain, im Plenarsaal, vor gefühlt 500 Menschen. Wie konnte man sich denn da konzentrieren?

Wir, die Zuschauer, haben es alle gesehen, wie das geht: sich auf die Nachbarin konzentrieren und auf die Choreografie, die in mehreren Stunden und zähem Ringen einstudiert worden war. Der Takt stimmte, die Bewegungen auch. Das Schönste aber war das Lächeln der Erleichterung, das uns aus den Gesichtern der jungen Künstlerinnen entgegenblitzte.

Rechnen wir den 13. Februar 1994 – den Tag der Schlüsselübergabe durch den damaligen Finanzminister Georg Milbradt an den damaligen Landtags­präsidenten Erich Iltgen – mit, dann war es in diesem Jahr der 20. Tag der offenen Tür im Sächsischen Landtag. Das große Jubiläum aber – zwei Jahrzehnte Tag der offenen Tür – wird erst im nächsten Jahr gefeiert. Vielleicht mit mehr Schuss und Pulverdampf, so wie es uns die Radebeuler Karl-May-Aktivisten auf dem Bernhard-von Lindenau-Platz mit einer eigenen Stuntman-Show zeigen konnten? Dort war ein eher jahrmarktähnliches Treiben mit der Landesverkehrswacht und der »Banda Comunale«, einer Zehn-Mann-Formation, die, wie sie selbst sagen, »live die härtesten Töne für Blechblas­instrumente« spielte. Auf dem Vorplatz befanden sich auch die viel genutzte Bühne von »Dresden-Radio« und eine »Dependance« der Landeszentrale für politische Bildung.

Der Tag der offenen Tür ist ein Nachmittag der Unterhaltung, drinnen und draußen und immer am Nachmittag des 3. Oktober zwischen 14 und 18 Uhr, der den Fraktionen die Chance einräumt – ähnlich wie beim Tag der Sachsen – Flagge zu zeigen und Werbung für die Arbeit der Fraktion zu machen. Davon haben auch in diesem Jahr alle sechs im sächsischen Parlament vertretenen Fraktionen regen Gebrauch gemacht.

Gute Sitte ist mittlerweile auch geworden, dass sich immer die Stadt am Tag der offenen Tür an verschiedenen Stellen im Gebäude vorstellt, die im Folgejahr den Tag der Sachsen ausrichten wird. In diesem Jahr war dies Großenhain und im nächsten Jahr werden wir die Stadt Wurzen zu Gast haben, die im Jahr 2015 den Tag der Sachsen austragen wird.

Im Obergeschoss ist neben den Fraktionen auch die Landtagsverwaltung mit den Ständen des Datenschützers, des Ausländerbeauftragten, der Geschäftsstelle des Petitionsdienstes und der Interaktiven Wanderausstellung. Ebenfalls seit mehreren Jahren ist dort oben auch das Statistische Landesamt mit von der Partie.

Im Plenarsaal war mittlerweile der Männerchor Großenhain-Reinersdorf e.V. zu hören gewesen. »Wir sind kein klassischer Männerchor«, hatten uns die Herren gesagt und damit ihr Repertoire gemeint, das von Klassik über Pop und deutschen Schlager bis hin zu Jazz reicht. Nun waren die Damen des VdK Sozialverband Sachsen e.V., Ortsverband Riesa-Großenhain, mit ihren Formationstänzen Herrinnen der Tanz­fläche in der Mitte des Plenarsaals. »Dies ist reine Frauensache, wir möchten zeigen, was wir machen können und was wir noch draufhaben«, erklärten uns die selbstbewussten Damen,die sich in  Ermangelung männlicher Kollegen abwechselnd ein blaues T-Shirt und eines in rosa übergezogen hatten.

Nacheiner zweiten Sequenz des Spielmannzugs gab uns der Showtanzverein Königsbrück/Reichenau e.V. mit »Dance United« des MSV Bautzen einen Eindruck professioneller Tanzdarbietung, wie sie uns im kommenden Jahr in Großenhain erwarten wird. Auch hier war sie deutlich erkennbar: die Freude darüber, gute Kunst abgeliefert zu haben und mit großem Applaus dafür bedankt worden zu sein.

Den Abschluss des Programms leistete die Bigband der Musikschule des Landkreises Meißen, Bezirk Großenhain. Ein fulminantes Ende mit hochwertiger Kunst und tiefgründiger Musik.